Foul & Sunk: Ein House-Label aus Freiburg

Bernhard Amelung

Freiburg war bis vor kurzer Zeit ein weißer Fleck auf der Karte der House-Label. Mark Burow und Sebastian Stang, besser bekannt als DJ Shaddy, sind mit ihrem Vinyl-Imprint Foul & Sunk auf dem besten Weg, dies zu ändern. Bernhard hat für fudder mit ihnen gesprochen.



Ende April erscheint bereits die vierte Vinyl-Schallplatte auf Foul & Sunk. Was hat euch dazu bewogen, ein eigenes Label zu gründen?


Mark Burow:
Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, hatten wir schon länger. Da wir beide schon sehr lange in der elektronischen Musikszene unterwegs sind, lag eine Labelgründung auch nahe. Bis wir allerdings wirklich so weit waren, dauerte eine ganze Weile...

Shaddy:
...denn wir veröffentlichen Vinyl. Dazu gehört eben mehr, als wenn man von zuhause aus schnell zwei, drei Tracks bei Beatport hochlädt. Man muss Dinge wie Mastering, Pressung, Vertrieb und Transport berücksichtigen. Mit Mark hat sich der perfekte Partner gefunden, um diese Aufgaben zu verteilen, denn alleine war mir das Risiko doch zu hoch.

 

Im Frühsommer 2011 seid ihr mit Foul & Sunk an die Öffentlichkeit getreten. Welche Schritte musstet ihr unternehmen, bis es so weit war?

 
Shaddy:
Den ersten Track hatte ich mir bereits 2010 gesichert, ohne eigentlichen Plan, wie es weitergehen soll...

Mark:
...und da wir unter der Woche nicht wirklich viel Zeit haben, war klar, dass Eigenvertrieb nichts für uns ist. Es musste ein professioneller Vertrieb her. Nach einigen Bewerbungen haben wir mit Intergroove aus Offenbach den für uns perfekten Partner gefunden, von dessen Erfahrung und Netzwerk wir gerade zu Beginn sehr profitiert haben.

Shaddy:
Im Rückblick muss man eigentlich gar nicht so viel unternehmen, um ein Label zu starten. Man braucht gute Musik, ein Mastering-Studio, ein Presswerk und einen Vertrieb.

 

Shaddy, Du bist ja seit rund zwei Jahrzehnten DJ und Veranstalter. Was haben Dich Deine Erfahrungen gelehrt, das Du nun auf den Betrieb eines Labels anwenden kannst?


Shaddy:
Qualität zählt und ist im Dance Business seit jeher eine Nische, denn heutzutage gibt es im Netz unzählige Quellen, um an Musik zu kommen. Zudem sind die Plattenverkäufe im Keller, und da kann man sich als Vinyl-Label nur mit Qualität durchsetzen: Bei der Musik, beim Mastering, bei der Pressung, und so weiter.

 

Mark, wie sieht es da bei Dir aus? Du hast Dich ja in den vergangenen Jahren stark auf Studio- und Produzententätigkeiten konzentriert...


Mark:
Was dies betrifft, stehe ich gefühlt noch immer am Anfang, doch wann immer es die Zeit zulässt, bin ich in meinem kleinen Studio in Zürich und produziere meinen eigenen Sound, vornehmlich mit analoger Hardware, und beschäftige mich eingehend mit dem Thema Klang. Das schult mein Ohr und mein Verständnis.

Wie sieht denn eure Labelarbeit konkret aus? Wie funktioniert Foul & Sunk organisatorisch?


Mark:
Wir betreiben Foul & Sunk von Zürich aus. Die Kommunikation läuft daher großteils digital ab. Die Labelarbeit teilen wir uns grob folgendermaßen auf: Shaddy macht das Organisatorische, ich kümmere mich um den kreativen Teil, wobei uns wichtig ist, dass wir die wesentlichen Schritte gemeinsam entscheiden.

Shaddy:
Meine Haupttätigkeiten liegen vor allem im Bereich des A&R, was mir sehr Spass macht, und in der PR. Dies ist bei der heutigen Flut an Veröffentlichungen der wohl schwierigste Teil, denn man muss immer schauen, dass die Meinungsmacher die Platten bekommen und die Stücke dann auch spielen. Der Bereich Distribution ist auch sehr wichtig, denn wenn der Vertriebspartner das Produkt nicht gut platziert, verkaufst Du auch nichts.

Und wie geht ihr mit den verschiedenen Distributionsformen - Plattenladen, Webshop, Download- um?

  Mark: Unser Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf den Plattenläden und dem Online-Vinyl-Handel. Digital ist jedoch ebenfalls wichtig. Gerade wenn man sich die Auflagen und Verkaufszahlen von Schallplatten anschaut, kann man auf den zusätzlichen Income aus dem Digitalgeschäft nicht verzichten.

Shaddy:
Bei 300 gepressten Platten legt man faktisch drauf. Daher muss man schauen, wie man bei den Verkaufszahlen auch im digitalen Bereich zumindest wieder das reinholt, was man eingesetzt hat. Es muss ja auch ein wenig Geld in die Kasse kommen, damit man die Pressungen bezahlen kann.

 

Welche weiteren Funktionsbereiche sind an Foul & Sunk angeschlossen?


Mark:
Derzeit beschränken wir unsere Arbeit noch auf das Label an sich. Mangels Zeit ist Eigenvertrieb kein Thema für uns...

Shaddy:
...kann ich mir aber bei gegebener Zeit durchaus vorstellen. Für mich ist der eigene Vertrieb der Produkte über die eigene Website der nächste Schritt in Ergänzung zu den anderen Kanälen. Das Thema Booking Agency steht auch noch an, aber für mich sollte das weitergehen in Richtung PR & Music Consultancy. Sozusagen ein Rundum-Sorglos-Paket für einen Künstler. Denn heutzutage verdient man als Künstler mit eigenen Veröffentlichungen kaum noch Geld, sondern vielmehr durch Remix-Aufträge, Auftritten und Merchandise.

 

Was macht ihr, um an Künstler für euer Label heranzukommen?


Mark:
Inzwischen bekommen wir recht viele Demos zugeschickt, und das aus vielen Teilen der Welt. Das freut uns sehr und wir hören uns wirklich fast alles an. Aber manchmal wundere ich mich, warum uns jemand eigene Tracks schickt, die wirklich gar nichts mit unserem Sound und unserem Stil zu tun haben.

Diesen Leuten sagen wir jedoch höflich und direkt ab, denn wir finden, dass man sich als Labelmacher die Zeit nehmen sollte, jungen Künstlern, die sich die Arbeit machen und eigene Stücke produzieren, direkt Feedback gibt. Oder man kommuniziert deutlich, dass man keine Demos braucht und will.

Shaddy:
Als junges Label muss man noch sehr auf die Künstler zugehen. Je mehr Veröffentlichungen man hat, desto bekannter wird man allerdings auch. Jetzt, mit der vierten Platte, greift allmählich auch das Netzwerk und befreundete Produzenten unserer Künstler kommen auf uns zu und senden uns eigene Stücke.

Zudem halte ich selbst eifrig Ausschau nach Produzenten. Nicholas, den Produzenten unserer ersten EP, hatte ich beispielsweise über Soundcloud gefunden, zu einer Zeit, als ihn noch kaum jemand kannte. Gut für uns war, dass wir die Platte genau in dem Moment veröffentlichten, als er in aller Munde war.

 

Nicholas - When I Think About (Original Mix) - Foul & Sunk

Quelle: Soundcloud

 

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welcher Track schlussendlich auf Vinyl gepresst und veröffentlicht wird?


Mark:
Das kann sich recht spontan ergeben, meist schon beim ersten Hören. Kickt uns was nicht, ist es nichts für Foul & Sunk. Natürlich machen wir uns auch anschließend Gedanken, ob die Tracks wirklich ein Thema für Vinyl sind oder nicht. Vieles, was produziert wird, eignet sich nämlich nicht für eine Kleinauflage auf Platte, sondern ist eher etwas für digitale Veröffentlichungen auf Beatport & Co.

Denn neben unserem persönlichen Geschmack muss die Musik auch die Zielgruppe erreichen, und die ist schon sehr selektiv: Neben dem klassischen Vinyl-DJ sind es Sammler, Nerds und Plattendigger, die darüber entscheiden, ob eine Platte erfolgreich wird und ob sich die Auflage verkauft.

Shaddy:
Die Musik muss zum einen gefallen und ich muss sie selbst auflegen wollen. Zum anderen müssen die Tracks zusammenpassen, damit es eine runde EP ergibt. Und: Es muss ein Vinyl-Thema sein. Was das ist, lässt sich schwer beschreiben, aber ich glaube, es ist das absolute Gegenteil zu den Beatport Top Ten.

Was unternehmt ihr, damit sich bei euch keine Hörgewohnheiten einschleichen und ihr nicht auf einem ganz bestimmten Sound hängen bleibt?


Shaddy:
Eigentlich finde ich es gut, wenn ein Label einen bestimmten Sound hat, denn ein Label muss ja ein Profil haben. Zudem bin ich selbst stilistisch offen und musikalisch breit gefächert. Wichtig für mich ist allerdings der Soul, ganz gleich, ob es House, Techno, Dubstep oder Disco ist. Ohne Soul geht bei mir gar nichts. Und zu 'weiß' darf es auch nicht sein.

Mark:
Shaddy kann als aktiver DJ klar sagen, ob eine Platte auf der Tanzfläche ankommt oder nicht. Mir ist es wichtig, dass Musik gut und interessant produziert ist und klanglich heraussticht. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, dass Foul & Sunk sich musikalisch festfahren wird. Das zeigen auch unsere vier Veröffentlichungen, die doch sehr verschieden sind.

 

In welche Richtung wird sich Foul & Sunk in den kommenden zwölf Monaten bewegen?


Mark:
Wir haben einiges vor in diesem Jahr. Gleich zu Anfang erschien mit "Still In Love" von Paskal & Urban Absolutes eine langsam groovende Tanzflächenhymne. Auf dieser Platte ist auch der erste Remix von Shaddy und mir drauf...

Shaddy:
...und Ende April erscheint ein Release von Jagged, einem Produzentenkollektiv aus Bern. Mit einem der Jagged-Jungs bin ich schon lange befreundet, deswegen freue ich mich, Tracks von ihnen veröffentlichen zu können. Etwas besonderes wird die fünfte Platte auf Foul & Sunk. Sie wird bis zum Sommer erscheinen. Produziert hat sie ein junger Künstler aus Freiburg, der als 'Borrowed Identity' unterwegs ist.

Gerade Künstler aus der eigenen Stadt sind mir sehr wichtig, doch leider gibt es viel zu wenige, die musikalisch zu uns passen. Weitere Releases, auf denen wir Künstler aus Paris und Brasilien vorstellen, sind bereits in Produktion. Man sieht, es geht bunt weiter.