Fotos im Jazzhaus

Alexander Ochs

Ein Mini-Themenabend zu Speichermedien akustischer und visueller Art wurde gestern Abend im Jazzhaus veranstaltet: Die Band Fotos überzeugte mit wavigem Gitarrengebrezel, unterstützt von Kassette. Alex hörte und sah zu.



Zuerst wird die Kassette reingeschoben: netter Poprock, textlich harmlos, stimmlich manchmal nahe bei den Fotos. Immerhin wird es in der zweiten Hälfte eine Spur psychedelisch und so etwas wie, ja, Ideen kommen hinzu. Als das Quartett aus Köln noch von „vor und nach dem Goldrausch“ singt, wähnt sich mancher schon bei den Fotos. Doch weit gefehlt – die kommen erst noch.




Mittlerweile hat die Zuschauerzahl die dreistellige Marke durchbrochen und die junge, mal vier-, mal fünfköpfige Band gibt ein paar Songs des aktuellen Albums zum Besten, darunter auch den Titeltrack „Nach dem Goldrausch“. Richtig ab geht es, als dabei der fünfte Mann am zweiten Schlagzeug loslegt. Und die Menge kommt in Fahrt: Mit den nun folgenden Songs „Komm zurück“ und „Ich bin für dich da“ hält das lang ersehnte wavige Gitarrengebrezel Einzug. Um es mit dem Wort des Frontmanns zu sagen: „Yeah!“



Wie heißt es immer über die Fotos? Die einzige deutsche Band (alternative Meinung: eine der wenigen deutschen Bands), die überhaupt nicht deutsch klingt/klingen, von der Musik her. Nur der Gesang, auch wenn er diesmal etwas unterging, ist auf Deutsch. Drückende Basslinien und scharfe Riffs – die Songs gehen straight nach vorn. Und die Gitarren wirken so, als hätten die Jungs sie von der Insel geklaut und unverrückbar auf Britpop & Britrock eingestimmt. Nur die Texte von Sänger Tom Heßler fallen bisweilen schlicht aus. Oder sollte man lieber sagen: kurz, knackig, eingängig?



Seine nicht minder unoriginellen Ansagen umkreisen das Mantra Freiburg wie Motten das Licht. Darunter auch diese Äußerung: „Letztes Mal hatten wir das Glück, hier in einem Laden zu spielen, der nicht nur scheiße klang, sondern auch scheiße aussah.“

Er meint das Cräsh, wo die Band im Januar 2007 gastierte. Ein gewisser günther hetzer urteilte damals im Vorfeld dieses Gigs über die Band: "zielgruppenorientierte grütze." Und wenn der Fotos-Frontmann sich erinnert hätte, dass das Cräsh nur wenige Meter entfernt liegt und wenn er wüsste, dass die Band Backfire! aus Holland dort just im gleichen Moment bei gutem Sound ein großartiges Konzert spielt, hätte er sich mit seiner Arroganz vielleicht doch etwas zurückgehalten.



Die Jungs nähern sich dem Ende ihres Sets. „Fotos!“, skandiert Freiburg – „Freiburg!“, retournieren die Fotos. Einen der besten Fotos-Songs servieren sie als Zugabe: „Wiederhole deinen Rhythmus“. Den könnten sie meinetwegen wirklich ständig wiederholen.



Doch die Frage ist: Wohin entwickeln sich die Fotos? Nach dem ersten Knalleralbum, das sie in den deutschen Indie-Himmel katapultiert hat, setzt der im Frühjahr erschienene Nachfolger auf mehr Tanzbarkeit und etwas entschlacktere, kompaktere Stücke. Das klassische Problem des zweiten Albums. Mal sehen, wohin die Reise geht – so begeistert, wie das Publikum war, wird sie sicherlich wieder über Freiburg führen.