Fotoreportage: Ein Besuch im Bergwerk Schauinsland

Max Heimann

Der Schauinsland sieht von innen aus wie ein Schweizer Käse, weil 700 Jahre lang Tunnel gegraben, Löcher gebohrt und Gruben ausgehoben wurden - das erbeutete Silber machte Freiburg reich. Max Heimann hat sich für fudder ins Dunkel gewagt - und fantastische Bilder mitgebracht:

Es gibt sie noch in Freiburg: Ecken, die unbekannt sind. Manche, weil wir sie einfach nicht kennen, manche, weil wir es noch nie hingeschafft haben. Zu den letzteren gehört das Bergwerk am Schauinsland. Zeit für eine Zeitreise.




Der Berg ruft. Mit der Linie 2, Richtung Günterstal geht das kleine Abenteuer los. Die idyllischste Bahnlinie Freiburgs fährt in einer weiten Kurve an der Wonnhalde vorbei, zum Oneway-Tor von Günterstal. In wenigen Minuten steht man - gefühlt tausende Kilometer von Freiburg entfernt - an der Talbahnstation Schauinsland. Die Gondel schließt ihre Türen und mit ein paar sanften Schwüngen startet die Bahn Richtung Himmel. Die Baumwipfel ziehen vorbei und der Ausblick wird immer weitläufiger.



Oben angelangt, fliegt der Blick über Freiburg, schätzt die Entfernung zu den Vogesen, erblickt das Münster als Krone der Stadt. Kaum mag man glauben, dass man in dieser winzigen Stadt dort unten sein Leben verbringt. Folgt man den Schildern, so gelangt man zum Museumsbergwerk Schauinsland. Dieses Bergwerk wird nicht nur von netten Menschen geführt, sondern ist international berühmt für seine einzigartige Möglichkeit, 800 Jahre des Bergbaus zu begutachten.



Schon werden wir von Götz Baumeister begrüßt. Er ist ein herzensguter, ehrenamtlicher Führer und wird mit uns zweieinhalb Stunden in den Berg hinein steigen. Man fühlt sich direkt wohl bei ihm.



22 Etagen mit bis zu 100 km Strecke warten unter unseren Füßen. Auch wenn die Sonne brennt, ziehen wir unsere Pullover und Regenjacken an. Für die wasserdichten Wanderschuhe werden wir gleich sehr dankbar sein. Jeder schnappt sich Handschuhe und einen Helm mit Stirnlampe und wir verschwinden im Dämmerlicht des Bergwerks.





Herr Baumeister erklärt in den Zwischenräumen die Geschichte des Bergbaus mit einigen lustigen Anekdoten und Requisiten. Dann ist es endlich soweit und wir steigen einige lange, enge Treppen hinab. Immerwährend tropft die Decke. "Das ist so nach einem guten Regenschauer", informiert uns Baumeister. Es ist nichts für schwache Gemüter. Die Leitern sind glitschig und man fühlt sich als hätte man unsere Realität verlassen.



Nach dieser abenteuerlichen Erfahrung gilt es nun kurz die Arbeitsbedingungen des Mittelalters kennenzulernen: Baumeister zündet eine kleine Öllampe an und wir löschen das Helmlicht.



Man kann grade eben so die Gesichter ausmachen. Ein leichtes Hin-und-Her-Schwenken und die Lampe ist aus! "Ich lade Sie hiermit ein, die Dunkelheit kennenzulernen", spricht Baumeister in der tiefschwarzen Dunkelheit, die alles umschlingt. Damals konnten die Bergleute nur am Eingang des Bergwerks ihr Licht anzünden. Ging das Licht aus, so mussten sie im Stockdunklen arbeiten und hoffen, dass ein Kumpel mit Feuer vorbeikam.



Die Gruppe ist sichtlich beeindruckt und wir pressen uns weiter durch enge Felsspalten. Wir arbeiten uns durch die Epochen bis jeder, in der Neuzeit angelangt, einen Druckluftbohrer testen kann. Es wummert ganz schön im engen Gesteinsraum. Aber eine kleine Überraschung belohnt das donnernde Bohren.



Schließlich haben wir die riesige Silbergrube gesehen, der Freiburg seinen Reichtum verdankt und wir erklimmen die Sprossen der vielen Leitern. Alle freuen sich schon auf die wärmende Sonne und den oft erwähnten Schnaps am Ende des Tunnels.

Oben verkneifen wir die Augen vor der Helligkeit des Lichts. Die Wärme der Sonne und die bunten Farben der Pflanzen erheitern die Gemüter. Zum Abschluss glüht der Schnaps noch durch den ganzen Körper.

"In zwei Jahren kommt ihr wieder zur Nachschulung", ruft Baumeister uns zum Abschluss hinterher, als wir wieder in Richtung Gondel wandern.