Fotoausstellung 22mm: "Über den Schockeffekt die Leute nachdenklich stimmen"

Felix Herkenrath

"Probleme der Wirklichkeit", so heißt eine Photoausstellung, die es ab morgen Abend im E-Werk zu sehen gibt. Gezeigt werden vier Bilderserien des Fotografen Christoph Oetzmann, die schocken sollen. Schockeffekt? Ist das nicht ein bisschen billig? Ein Interview mit Christoph über seine Bilder.

"Probleme der Wirklichkeit" ist der Name deiner Ausstellung, die es ab morgen im E-Werk zu sehen gibt. Was verbirgt sich hinter diesem Titel und was dürfen vor allem die Besucher erwarten?


Christoph Oetzmann: Ich will gesellschaftliche Negativtendenzen darstellen, die der Otto Normalbetrachter vielleicht nicht unbedingt auf den ersten Blick sieht, weil er dran vorbeiläuft und die Augen zumacht.

Zwei meiner Fotoserien haben Drogen zum Thema: einmal auf Kinder bezogen, da geht es mir darum, auf den zunehmenden Konsum von Alkohol und Drogen von Kindern und Jugendlichen aufmerksam zu machen, den ich persönlich sehr erschreckend finde, und einmal geht es um einen Heroinsüchtigen aus Frankfurt, an dem man im Normalfall wohl vorbeilaufen würde und mit dem ich mich eine ganze Weile beschäftigt habe.

Eine weitere Serie beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema "Gewaltbereite jugendliche Ausländer". Die Bilder sind, wie die Kinder-mit-Drogen-Bilder, jedoch gestellt. Für noch eine andere Serie war ich im Konzentrationslager Auschwitz in Polen, sie heißt "Kein Zuckerschlecken", und mit ihr möchte ich davor warnen, dass wieder rechte Tendenzen in Deutschland aufkommen. Nach knapp 64 Jahren sollten wir Deutschen langsam normal mit dem Thema umgehen. Lächerlich machen dürfen wir es aber natürlich nicht.



"Die Fotoausstellung soll Dich schocken und zum Nachdenken animieren" steht auf dem Flyer zu deiner Ausstellung. Ist nicht das nicht ein bisschen herkömmlich und 08/15, durch Schock eine Reaktion hervorrufen zu wollen?

Bei meinen Vorbereitungen habe ich mir überlegt, wie ich in der heutigen Zeit noch etwas bewegen kann. Da bin ich zu dem Entschluss gekommen, über den Schockeffekt zu versuchen, die Leute nachdenklich zu stimmen. Die Ausstellung zeigt halt wirklich Motive, über die man sich Gedanken machen kann. Wenn beispielsweise Eltern mal merken, was bei ihren Kindern so abgeht. Vielleicht passiert präventiv so endlich mal etwas.

Was ist denn dein persönliches Highlight der Ausstellung und wo, denkst du, gibt es die größte Resonanz bei den Besuchern?

Die Serie mit den Kindern in Kontakt mit Alkohol und Drogen ist wohl die ungewöhnlichste meiner Serien; gerade hier sollte der überraschende Effekt kommen. Ich selber verbinde aber am meisten mit der Auschwitz-Serie, weil dort auch die Situation zum Fotografieren am schwierigsten war. Das Fotografieren dort ist nämlich nicht erlaubt und so war das Ganze schon eine schräge Aktion.

Bist du selber eigentlich gelernter Fotograf oder bist du hier mehr deinem Hobby nachgegangen?

Ich studiere Grafik-Design und da gehört fotografieren dazu. Ich mache schon super lange Fotos, zwar nicht professionell mit eigenem Studio, aber es ist eine absolute Leidenschaft von mir. In Zukunft will ich auch weiterhin in die Richtung gehen und versuche, das Ganze noch auszubauen.

Mehr dazu:

Web: E-WerkWas: Photoausstellung 22 mm.
Wann: Samstag, 14. Juni 2008, 18:30 Uhr (Vernissage).
Wo: E-Werk, Ferdinand-Weiß-Str. 6A.
Party:
ab 23 Uhr ebenfalls im E-Werk