Foto-Galerie & Nightlife-Guru: Kagan Relaunch

Dominic Rock & Nightlife-Guru

Gestern Abend öffnete das Kagan nach einer Umbaupause wieder seine Türen. Der Relaunch von Freiburgs höchstem Club wurde entspannt im Rahmen des After-Work-Formats gefeiert. Nicht nur fudder-Fotograf Domi, sondern auch unser Nightlife-Guru waren mit von der Partie.



(Die Jungs) An der Tür

Wie heißt es so schön: never change a winning team. Und so blicke ich an diesem Mittwochabend in dieselben finsteren Gesichter, die Kinnladen hart aufeinandergepresst, wie bei meinen beiden vorangegangenen Besuchen.

Während an anderen Clubtüren die Auslese, wer Einlass findet beziehungsweise wer draußen bleiben muss, sich danach richtet, ob die Gäste das Line Up kennen und wissen, wer auflegt, stellt die Tür des Kagan ihre eigenen Regeln auf.

Hier scheint ausschlaggebend zu sein, welches Make Up aufgelegt wurde. So kann ich von Glück sagen, dass meine Begleitung zuvor noch in die Maske gegangen ist. Und da sie auch dem röntgenartigen Prüfblick standhält, den ihr tiefes Dekollete bei den Türstehern reflexartig auslöst, stehen wir wenig später in der Eingangshalle des Bahnhofsturms.

Im Glasfahrstuhl

Nachdem wir einen Pflichtbetrag von einem Euro für die Garderobe entrichtet haben, geht es im Glasfahrstuhl mit Blick auf die bei Nacht angestrahlte Herz-Jesu-Kirche im Stühlinger nach oben. Diesen besinnlichen Ausblick kann ich leider nur bedingt genießen. Denn er wird getrübt von den gazellenartig dünnen Beinchen einer jungen Frau, die unter ihrem weißen Minikleidchen hervorlugen und Assoziationen an Orangensaft-Wattebäuschchen-Diäten und ähnlich widernatürliche Ernährungsumstellungen wecken.

Inneneinrichtung & Deko

Wir kommen an im 17. Stock, dem Loungebereich. Dieser ist in gedämmtes, sich irgendwo im Rot- und Blauspektrum bewegendes Licht getaucht. Zwar übertüncht es meinen zunehmenden Lachfaltenansatz, verunmöglicht aber auch eine eingehende Inaugenscheinnahme der Sitzmöbel. Ob diese nun infolge des Relaunch ausgetauscht wurden oder ob die Gäste auch in Zukunft auf der alten Garnitur Platz nehmen müssen, kann ich daher nicht erkennen.

Ein feiner Hauch von Ethylacetat liegt in der Luft. Sogar das sinnliche Hugo Boss Deep Red meiner Begleitung vermag diesen nicht zu überlagern, was den Rückschluss zulässt, dass tatsächlich und sehr intensiv mit Farben, Klebstoffen, Lacken und Reinigungsmitteln gearbeitet wurde.

Wir überwinden die wenigen Treppenstufen hinauf in den Clubbereich. Hier fällt eine bauliche Veränderung sofort auf: die kleine Bar, die bisher die Tanzfläche abschloss, befindet sich nun unmittelbar beim Treppenaufgang. Das bedeutet mehr Platz auf der Tanzfläche, sorgt jedoch für ein größeres Gedränge beim Betreten oder Verlassen der Clubetage. Das DJ-Pult und der große Bartresen stehen unverändert am selben Ort. An eine neue Licht- sowie Soundanlage muss man sich ebenso wenig gewöhnen.

Wer war da?

Nachdem der ehemalige Volksbankangestellte und mittlerweile im Netzwerk-Marketing tätige Tim uns mit seinem bullig-fülligen Oberkörper den Weg frei gemacht hat, lasse ich meinen Blick in die Runde schweifen. Sehr schnell wird mir klar, dass die meisten Gäste ihren Arbeitsalltag schon sehr lange hinter sich gelassen haben und nicht unmittelbar „ausm Gschäft“ kommen, wie man es auf einer Afterwork-Veranstaltung vermutet.

Ohne weißes Hemd, entweder rein weiß oder mit feinen Akzentstreifen durchsetzt, reißt man als Mann heute Abend gar nichts. Ich trage schwarz, und bin daher von Anfang an raus. Für Frauen gilt immer noch: sex you up.

Fetischartig hohe Absätze der Schuhe, lange Wimpern, mit ordentlich Mascara bestrichen, und locker sitzende Tunikakleidchen sind daher notwendig, um nicht negativ aufzufallen. Davon einmal abgesehen lockt der offizielle Neustart des Kagan Nachteulen jeglicher Art auf den Plan.

Die Freiburger Ibiza-Connection entsendet gleich zwei ihrer namhaftesten Vertreter, die DJs Robert Heart und Daniel S. Erstgenannter unterzieht den Club einer kritischen Prüfung. Sein Kennerblick geht an die Decke und übers DJ-Pult, um sich sofort wieder in der Damenwelt zu verlieren. Daniel S. scheint dagegen wirklich einen harten Arbeitstag hinter sich zu haben. Müde hängt er im Raucherbereich ab.

Zwischen all den aufgebrezelten Feierabendclubbern fällt mir ein Nerd-Pärchen auf. Beide tragen Jeans und Sneakers und unterhalten sich über Jazzplatten und den massiven Qualitätsverlust im Hip-Hop. Wie sie es geschafft haben, an den Türstehern vorbeizukommen und was sie dort oben suchten, frage ich mich auch am Tag danach noch.

Partyatmosphäre & Klangwaren-TÜV

„Sehr verehrte Damen und Herren, meine lieben Gäste, ich freue mich sehr, dass ihr heute Abend so zahlreich erschienen seid.“ Eine sonore Männerstimme, die, lautsprecherverzerrt, ein wenig an Rainer Trüby erinnert, durchschneidet die schweißgetränkte Luft auf der Tanzfläche. So muss der DJ mit dem Einspielen des 5-Millionen-Aufruf-Hits auf Youtube,„Lady“ von Modjo, noch ein wenig zuwarten.

Schade eigentlich, denn die unbestrittene Mainstream-Tauglichkeit dieses Songs hat soeben ein altersgemischtes Pärchen auf die Tanzfläche gelockt. Doch zunächst ist die Ansprache des Geschäftsführers Peter Bitsch wichtiger als der Paartanz. Das Kagan gebe es bereits seit zehn Jahren, so dass ein Umbau und Relaunch dringend erforderlich waren, erklärt er. Neu sei einiges geworden, man brauche sich nur umzublicken. Ganz besonders freue er, Bitsch, sich darauf, dass in Zukunft auch programmlich einiges abgehen werde. Das Konzept der „Style Night“ solle verstärkt werden, eine Clubnacht für Menschen, „die sich einfach gerne etwas schicker geben wollen als der Rest.“

Fragenaufwerfend und mich staunen lassend sind zwei Dinge: den ganzen Abend über spricht Peter Bitsch von der „Kagan Gastronomie GmbH & Co. KG“. Die Informationen auf der Website weisen die Betreibergesellschaft jedoch als „Kagan Gastronomie GmbH“ aus. Ging mit dem Umbau und Relaunch gleichzeitig ein Rechtsformwechsel einher? Und: warum wurde das gesamte Mitarbeiterteam im Bar- und Servicebereich ausgetauscht?

Doch der DJ sorgt mit seiner bestechenden, dem Massengeschmack angepassten Musikauswahl, die von Daft Punk’s „One More Time“ den Bogen hin zu Rihanna und Justin Timberlake schlägt, dafür, dass des Geschäftsführers Worte sehr schnell im Bassbrei untergehen. Und so nimmt die Afterwork-Party weiter ihren Lauf.

Catering & Getränkekarte

Rotleuchtende, sommerverheißende Cocktails sind an diesem Abend bei den Frauen besonders beliebt. Die Männer halten sich vornehmlich an Longdrinks, meist Wodka Bull. Bier und Wein werden kaum getrunken.

Auf dem Klo um halb vier

Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal auf der Kagan-Toilette vorbeizuschauen, allerdings nicht mehr in diesem Jahr. Doch dann möchte ich dort nicht nur die Schiebetür keuchen und stöhnen hören. Gebt mal Gas, Leute!

Aufregerle

Eigentlich verlief der Abend ganz friedlich ab. Was ich im Nachhinein jedoch bemängle, ist das Getränk, das uns zur Begrüßung gereicht wurde: Sekt mit Red Bull. Beide Getränke schmecken für sich genommen schon abscheulich. Doch die Kombination dieser Flüssigkeiten gehört verboten, oder zumindest mit einem Warnhinweis versehen.

Aufheiterle

Jedenfalls ich habe im Kagan nicht sehr viel zum lachen.

Fazit

Schon seit jeher hatte das Kagan den Anspruch, ein äußerlich gepflegtes und zumindest im Nachtleben finanzkräftiges Publikum anzusprechen. Daran wird sich auch nach dem Relaunch nicht viel ändern. Hält ein Club jedoch wirklich etwas auf sich, investiert er zuallererst in ein gutes Soundsystem. Und sich für eine Afterwork-Veranstaltung „schick“ zu machen, halte ich für übertrieben.

Mehr dazu:

fudder-Foto-Galerien aus dem Kagan:  
 

Foto-Galerie:

Dominic Rock (fotorock.de)  
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