Foto-Galerie & Nightlife-Guru: Catch a fire @ Rothaus Arena

Janos Ruf & Nightlife-Guru

Erst nacheinander, dann alle zusammen: Größen der deutschen HipHop-Szene haben am Sonntagabend HipHop-Fans bei 'Catch a fire' in der Rothaus Arena begeistert. Unser Nightlife-Guru war auch am Start:



Die Jungs an der Tür

Gerüchte um wahre Horrorgeschichten hat man aus Sindelfingen zu hören bekommen, wo das mittlerweile 10-jährige Catch a Fire Festival tags zuvor gastierte. Endlos lange Schlangen, mehrstündige Einlassstaus, mangelnde Essenbuden, knapp bemessene WC's - Das volle Programm, Sea of Love-like. Seit Wochen schon war der dortige Glaspalast ausverkauft, der illegale Ticketmarkt blühte dementsprechend frühlingshaft.

Ganz anders in Freiburg - Ostersonntag, Punkt 18 Uhr: Das Duzend Jungs und Mädels an der Tür ist nahezu unbeschäftigt. Übrige Karten wird hier keiner mehr los, der Abendkasse fehlt die Existenzberechtigung. Durch die Abstinenz einer Schlange werde ich in nullkommanix zur Tür katapultiert. Sanft und ohne Hektik streichen die Hände des Sicherheitsmannes an meinem Körper entlang. Keine Marker, keine Flaschen dabei - der Weg steht mir frei.



Inneneinrichtung und Deko

Ostereier sucht man im Eingangsbereich der Rothausarena vergeblich. Stattdessen gibt es Werbestände von Tabakunternehmen, Partyphotographieportalen und der Trinkwasserinitiative Viva con Agua. Allgegenwärtig sind die Plakate und Flyer für das HipHop Open 2012 in Stuttgart. Die Halle selbst ist glücklicherweise frei von Reklameschildern, ein paar große Spotlights fokussieren den wichtigsten Ort des heutigen Abends: Die Bühne.

Wer war da?

Vielleicht 1500 HipHop-Heads in allen Größen und Farben. Eines wird schon beim Betreten der Arena klar: Der deutsche Rap aus den frühen 00er-Jahren verbindet zwei Generationen. Die einen im Besitz stolzer Plattensammlungen und aus den weiten Baggys langsam rausgewachsen, die anderen erst später von den großen Geschwistern infiziert: Die Vorfreude ist allenthalben riesengroß.

Catering & Getränke

Puuuh, das sitzt: Der 0,4 Liter Becher Bier kostet heute vier Euro. Vorgezapft und am Getränkestand abholbereit - frisch ist ein bisschen anders. Immerhin beschränkt sich das Warten auf die Kochzeit hartgekochter Eier, hihi. Wer in den acht Stunden Festival mal vom kleinen Hunger gepackt wird, hat die Möglichkeit sich Snacks wie Pizza, Pommes oder Crepes zu erstehen. Einfache Faustformel als Preisrechner: Zwei Quadratzentimeter, circa ein Euro.

Klangwaren-TÜV & Partyatmosphäre


Bärenstarkes Line-Up
trifft indiskutablen Sound. Bei den ersten Acts schlägt dem Publikum ein derartiger Klangbrei entgegen, dass ich schon heimlich eine Träne verdrücken muss. Kaum ein gerapptes Wort ist zu verstehen, leise ist es zudem noch. Zum Glück sind gleich Mr. Reedoo und Johnny von Culcha Candela dran - erstmal den Außenbereich abchecken. Beim Erklingen erster pumpender Beats verschlägt es mich wieder in den Bauch der Halle. Yeah, Motrip! Lauter ist es, verstehen tut man trotzdem nix.

"Was mein Auto angeht, bin ich zufrieden wenn mein Auto angeht", zum Glück bin ich textsicher. Fliegender Wechsel, Tatwaffe von der Kölner "Firma" übernimmt. Schon der erste Refrain wird frenetisch mitgegröhlt: "Scheiss auf die Hookline!" Es folgt Pachelbels Kanon in D-Dur, ähhh "Die Eine 2005". Zur Krönung des "Ich halt um deine Hand an"-Songs, holt er seine mittlerweile Angetraute samt Nachwuchs auf die Bühne, hach! Von Act zu Act verbessert sich nun endlich die Tonqualität und auch Harris trägt seinen Teil zur steigenden Stimmung im Publikum bei. "Tait eita!"



Uiuiui, da haben sich aber noch mal zwei faule Eier in das Line-Up reingemogelt: Die Auftritte von Megaloh und Cassandra Steen schlagen mächtig auf den Magen und werden auch dementsprechend lautstark kommentiert. Letztere belässt es immerhin bei 1 1/2 buh-durchschnittenen Songs.

Es geht bergauf, Klassentreffen meets Kommune: Alte Weggefährten geben sich nach Jahren wieder das Mikrofon in die Hand, fast jeder macht's hier mal mit jedem. Die alten Hits von Gentleman, Curse, Max Herre und Joy Denalane, Torch und Toni L sowie den Beginnern in Vollbesetzung werden einem regelrecht um die Ohren gehauen. Sensationellsupersaugeil! Feuchte Höschen für alle! Nach im Schnitt fünf Songs pro Act ist auch schon wieder Schluss - Samy Deluxe ist dran, mit großer Band. Schade, da doch jeder andere Künstler bislang auch nur Mikrofon und Turntables benötigte. Eizi Eiz, mittlerweile besser bekannt als Jan Delay, ist das auf jeden Fall egal: "Wir brauchen keine Band, wir haben DJ Mad!"

Und dann wird alles anders. Klare Ansage: "Leute wollen mein alten Scheiss, kauft mein altes Album!" Samy spielt lieber neue Songs. Die Anfangs dichtgedrängten Zuschauerreihen lichten sich plötzlich. Fast 90 Minuten darf der Hamburger vorspielen, unfair finden das viele. Der Sound ist jetzt fast ohrenbetäubend laut, die Stimme versteht man wiederum kaum.



Auf dem Klo

"Ischt des'n Fraueklo oder was?" - Der Auftritt von Megaloh wird von vielen als Pinkelpause genutzt, dementsprechend voll ist das WC. Premiere: Am Urinal fünf Minuten Schlange stehen.

Aufregerle

Mhh... Nuff Said.



Aufheiterle

Das Line-Up ist, bis auf ein paar kleine Ausnahmen, ein einziges Aufheiterle. Einfach paradiesisch!

Fazit

Böse Zungen würden das diesjährige Catch a Fire als die Schlagerparade des Deutschraps bezeichnen. Innovativ ist anders - genau das schien vom Großteil des Publikums jedoch gewünscht zu sein. Die meisten wollen den Soundtrack ihrer Jugend live noch mal voll auskosten, "Die Eine" und "ANNA" gleichermaßen mitrappen wie "Und was ist jetzt?" von Curse.

Erinnerungen an die erste Liebe und die Trennung von ihr. Fast jeder hier verbindet mit den gespielten Songs Emotionen und Erinnerungen. Die 40 Euro Eintrittspreis sind eine Investition in eine Zeitreise - mit unterschiedlichen Zielen.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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