Forsche Ranger und trauernde Surfer

Lilian Kaliner

Die Aussteigerin meldet sich zu Wort. Wir möchten gar nicht wissen, in welchem warmen, relaxbetonten Internetcafé am anderen Ende der Erdscheibe der folgende Reisebericht abgeschickt wurde. Townsville ist schön. Acht Nächte waren wir dort, gemeinsam mit zwei anderen deutschen Backpackern verbrachten wir sie an verschiedenen Stellen entlang der Strandpromenade. Zwei weiße Busse im Schlafkonvoi. Eigentlich ist Campen hier fast überall verboten. Einmal saßen wir abends um zehn vor den Bussen und haben Karten gespielt. Da fuhr ein Polizeiauto vor. Die Polizisten wollten wissen, ob wir campen würden. Stefan erklärte, wir würden nicht campen, sondern nur rasten. Die Polizisten fanden die Antwort offensichtlich amüsant und meinten nur, wir sollten aufpassen, es gäbe hier Perverse. Gesehen haben wir bis jetzt noch keine. In der gleichen Nacht, wir hatten uns schon hingelegt, kamen auch noch Ranger. Mit ihren Taschenlampen leuchteten sie zwischen den Bussen herum und verschwanden dann wieder. Wahrscheinlich suchten sie die Perversen.Die restlichen Nächte verliefen ruhig und wir versackten in Townsville. Eigentlich wollten wir zu viert auf Magnetic Island, die vor der Stadt liegt. Die Insel erhielt ihren Namen von Kapitän Cook, dessen Kompass beim Vorbeisegeln nicht funktionierte. Hook nahm an, die Insel sei magnetisch. Ist sie zwar nicht, doch der Name blieb. Magnetic Island ist bekannt für traumhafte Strände und eignet sich gut zum Tauchen und Schnorcheln. Wir reservierten Fährenplätze für unsere Busse und freuten uns auf die Überfahrt. Nachts ging dann vorübergehend die Welt unter und wir wurden von den Windstößen in unseren Vans ordentlich durchgeschüttelt. Am Samstag regnete es den ganzen Tag. Vor lauter Wolken und Nebel war die Insel vom Festland aus nicht mehr zu sehen.

So lagen wir den ganzen Tag in den Busbetten und lasen. Abends spielten wir Pool in einer Westernbar in Townsville. Dieses 120.000-Einwohner-Städtchen hat eine ordentliche Partymeile vorzuweisen. Clubs und Bars reihen sich an einer langen, bunt beleuchteten Straße aneinander und man fragt sich, wo sich die ganzen Leute während der restlichen Woche verkriechen. Richtig spannend wird’s in Townsville bei Militärübungen. Hundert Meter vor uns seilen sich plötzlich aus Hubschraubern Soldaten ab. Andere springen ins Meer. Irgendwelche Aussi-Seals. Nachts sind sie manchmal mit ihren Hubschraubern unterwegs. Man könnte meinen, sie würden aus Spaß Backpacker ärgern, wenn sie mit Suchscheinwerfern ins Auto leuchten. Heute, Dienstag, fahren wir etwa siebzig Kilometer zurück nach Süden, an einen Strand unterhalb von Ayr. Die beiden Jungs haben sich ein Kiteboard gekauft und wollen sich dort das erste Mal aufs Wasser trauen. Ein Kitebord ist ein kurzes Surfboard, verbunden mit einer Art Drachen, der es über das Wasser zieht. Patrick und ich erwarten einige Bruchlandungen und richten schon mal die Kamera.

Irgendwann in der nächsten Zeit müssen wir zurück nach Brisbane, um Unterlagen aus unserem Postdepot zu holen. Die Steuernummern, die wir für unser work&travel -Visum brauchen, werden uns (wie die Bankkarte für unser australisches Konto) dorthin zugeschickt. Auf dem Weg nach Brisbane wollen wir auch in den Australia Zoo gehen. Dort arbeitete Crocodilehunter Steve Irvin. Inzwischen ist die Nachricht von seinem spektakulären Tod in alle Welt gedrungen. Einmal sind wir bereits am Australia Zoo vorbeigefahren. Dort lagen Unmengen abgelegter Blumen. Irvin war in Australien ein Held mit Heldentod. Ein Stachelrochen hat dem Mann während Dreharbeiten im Great Barrier Reef ins Herz gestochen. In Deutschland genoß Irvin keinen guten Ruf, nachdem er 2005 seinen vier Wochen alten Sohn zu einer Krokodilfütterung ins Gehege mitgenommen hatte. Hier jedoch war der stets überdrehte Irvin der Australier schlechthin, abgebildet auf riesigen Plakatwänden als Werbeikone des Australia Zoo. Nun machen sich die Australier Gedanken darüber, wie es mit dem Zoo und seiner Familie weitergehen soll. Irvins kleine Tochter Bindi (klingt eher nach einem Pudel) dreht momentan für einen amerikanischen Disney-Channel eine Tierserie ab. In Surfers Paradise an der Sunshine Coast gedachten hunderte von Surfern des Surffans Irvin. Sie hielten sich an den Händen, in einem großen Kreis auf ihren Brettern im Wasser.