Foodsharing: Lebensmittel verschenken statt wegwerfen

Tatjana Brenner

Überschüssige Lebensmittel landen oft im Müll. Eine neue Internetseite will Abhilfe schaffen: Auch Leute aus Freiburg und Umgebung packen bereits Essenskörbe und teilen sie über Foodsharing.de. Wie das funktioniert:

Der Urlaub steht bevor, der Apfelbaum hat dieses Jahr zu viel abgeworfen und die Gäste wollten bei der letzten Geburtstagsfeier nicht richtig zugreifen. Das Problem: Wohin mit den überschüssigen Lebensmitteln in Kühlschrank und Vorratskammer? Meist landen Lebensmittel, die nicht mehr selbst verzehrt werden können (oder wollen) einfach im Müll. Obwohl die Schnitten noch frisch sind und das Obst höchstens einige Druckstellen hat. Die Internetplattform Foodsharing bietet eine andere Option: Essenskörbe füllen und verschenken. Jeder kann mitmachen und unter den Nutzern sind bereits einige Südbadener.


Jeder Deutsche wirft jährlich etwa 200 bis 260 Euro in Form von Lebensmitteln weg. Laut einer Studie des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart sind das fast 82 Kilogramm Lebensmittel pro Person.

Über 2.000 Kilogramm Lebensmittel gerettet

In den vergangenen drei Monaten sind mehr als 2.000 Kilogramm Lebensmittel nicht weggeworfen, sondern weiterverschenkt woden. Denn seit dem 12. Dezember 2012 bemüht sich die Internetplattform Foodsharing darum, eine Alternative zum Wegwerfen zu bieten. Mehr als 11.500 Benutzer haben sich bereits angemeldet. Dabei geht es nicht nur darum, genießbares Essen vor dem Müll zu bewahren, das Projekt ist auch ein Versuch, Menschen auf ihr Wegwerfverhalten aufmerksam zu machen.



Die Bedienung der Seite ist einfach: Anmelden, einen Essenskorb packen, den Treffpunkt für eine Übergabe auswählen und auf einen hungrigen Interessenten warten. Andersherum kann jeder nach Körben in seiner Umgebung suchen und mit dem Anbieter Kontakt aufnehmen, um das Esspaket abzuholen. Für die Kontrolle sind die Nutzer selbst zuständig – wer einen Essenskorb abgeholt hat, kann ihn im Nachhinein bewerten. „Natürlich gucken wir auch mal rein und prüfen, ob das Lebensmittelrecht eingehalten wird; ob auch nichts leicht verderbliches drin ist, kein Mett oder Tiramisu“, sagt Vorstandsmitglied Ulrike Beck.

Von „Taste the Waste“ zu „Foodsharing“

Ins Leben gerufen haben das Projekt Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger. Thun ist Filmemacher; sein Film „Taste the Waste“ zeigt das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung. Kreutzberger schrieb zusammen mit ihm das Buch zum Film: "Die Essensvernichter". „Es muss etwas passieren“, dachten sich Thurn, Kreutzberger und ihr Team. Und damit waren nicht Aktionen wie  Mülltauchen gemeint. „Nein, wir wollten das Ganze auf ein anderes Niveau bringen“, erinnert sich die Fodsharing-Aktivistin Beck. Im vergangene Mai gründeten sie den Verein gegründet, dessen Gemeinnützigkeit anerkannt wurde.

„PR machen wir deutschlandweit“, sagt Ulrike Beck. Dass einige Gebiete mehr Esspakete schnürten als andere, liege also nicht an der Marketingstrategie, sondern allein an der Initiative der Bürger. „Foodsharing ist überall, jeder kann mitmachen – das ist nur noch nicht allen klar. Wenn ich ein Körbchen anmelde, bin ich gleich dabei.“

Auch in Südbaden verschafft sich das Projekt allmählich Bekanntheit, obwohl die Zahl der  Essenskörbe zurzeit noch recht karg ausfällt. Frieda Kirschenmann aus Freiburg ist eine der ersten aktiven Nutzerinnen in der Region. „Bei uns kommt es oft vor, dass wir zu viel einkaufen und etwas übrig bleibt. Ich find’s immer schade, wenn ich etwas wegwerfen muss, das man noch essen könnte“, sagt sie. Fünf Kilogramm Pastinaken und einen Meerrettich aus ihrer Biokiste hat sie auf der Internetseite angeboten und flugs drei Anfragen erhalten. Sie selbst wird die Körbchen in der Region weiterhin beobachten. „Klar würde ich auch etwas annehmen. Aber zurzeit gibt’s in Freiburg nur Vanillezucker, und davon habe ich selbst genug.“

Der ist  Alexandra Engel beim Backen übriggeblieben. Sie hat Foodsharing über Facebook entdeckt, dort hat das Projekt bereits über 17.000 Likes gesammelt. „Ich finde, dass das eine sehr gute Idee ist. Aber das Konzept müsste vor allem hier in der Region noch ausgeweitet und verbreitet werden“, sagt sie.

Ulrike Beck vom Vorstand ist sich sicher, dass die Zahl der angebotenen Körbe in Deutschland und auch in Südbaden spätestens mit der Ernte zunehmen wird: „Einige werden sicher noch aus dem Winterschlaf kommen. Und dann gibt es auch in Freiburg mehr Essenskörbchen. Vielleicht während der Erdbeersaison, oder wenn es Bärlauch gibt. Überhaupt werden die Körbchen im Frühjahr sicher frischer.“



Wie Du überschüssige Lebensmittel vermeiden kannst:

 
  • Plane Deine Mahlzeiten und Deinen Einkauf. Schreib' einen Einkaufszettel - und versuch', Dih daran zu halten.
  • Geh' nie hungrig einkaufen - sonst lauern unnötige Versuchungen in jedem Regal.
  • Vermeide Angebote, die zwei zum Preis von einem verkaufen wollen – der Vorrat ist oft unnötig und landet schnell im Müll.
  • Achte auf den richtigen Transport. Muss der Einkauf in den Kühlschrank? Dann sollte der Einkauf nicht lange dauern. Ideal ist eine Kühltasche in Griffweite.
  • Die Lagerung ist entscheidend: Kartoffeln halten sich im Keller länger, Wurst und Käse in Frischhaltegeschirr. Achte auch auf die richtige Temperatur im Kühlschrank.
  • Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, heißt das noch nicht, dass Du das Lebensmittel nicht mehr verzehren kannst. Kontrolliere mit allen Sinnen: Riecht die Milch ungewohnt? Sieht das Brot nicht mehr gut aus? Schmeckt die Butter seltsam?
 

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[Bild 1: © shootingankauf - Fotolia.com; Bild 2: dpa; Logo: Foodsharing]