Flüchtlinge verhindern, dass ihr Flüchtlingsheim überbelegt wird

Frank Zimmermann & Konstantin Görlich

Die Stadt Freiburg wollte heute 27 weitere Flüchtlinge im Heim an der Bissierstraße unterbringen. Die Bewohner verhinderten dies unter Protest, die Polizei musste die angespannte Lage beruhigen. Journalisten von fudder und der Badischen Zeitung wurden von dem Sicherheitsdienst aus dem Wohncontainerbau geworfen.



Die Stadt Freiburg muss in diesen Tagen für viele neue ankommende Flüchtlinge eine Unterkunft bereitstellen - und stößt dabei an ihre Grenzen. Das hat sich am Freitagmittag in einer brenzligen Situation im bereits voll belegten Wohnheim an der Bissierstraße gezeigt. Die dort lebenden Flüchtlinge weigerten sich unter Protest, Platz für weitere 27 Flüchtlinge zu machen, die die Stadt dort unterbringen wollte. Die Polizei war gegen 12.30 Uhr zur Beruhigung der Lage vor Ort, die Stimmung sei aufgeheizt gewesen, bestätigte Polizeisprecherin Jenny Jahnz am Nachmittag.


Das Freiburger Amt für Wohnraumversorgung wollte in den Wohncontainern aus Zweier- kurzfristig Dreier-Zimmer machen. Die Flüchtlinge leben dort allerdings bereits jetzt auf engstem Raum und in einfachsten Verhältnissen: Die zwischen acht und zehn Quadratmeter großen Zweier-Zimmer sind extrem eng: zwei Betten mit einem halben Meter Abstand dazwischen, ein großer und ein kleiner Schrank, ein Sofa, ein kleiner Tisch – und insgesamt kaum ein Quadratmeter Fußboden zu sehen.

"Presse raus"

Die Bewohner berichteten, dass sie nicht mal einen Ventilator hätten und nachts oft draußen schliefen, weil das Klima in dem engen Container unerträglich sei. Journalisten von BZ und fudder nahmen auf explizite Einladung einiger afrikanischer Bewohner in einem der Zimmer die Situation selbst in Augenschein, als plötzlich ein kräftiger Mann vom Sicherheitsdienst in der Tür stand, und die Gespräche mit den Worten "Presse raus!" aggressiv beendete. Ein BZ-Fotograf wurde gar nicht erst hereingelassen.

Wohnheim ist bereits voll belegt

Insgesamt kamen am Freitag 67 neue Flüchtlinge in Freiburg an. Von den 67 sollten 27 im Wohnheim an der Bissierstraße untergebracht werden. Das dortige Wohnheim ist mit rund 400 Plätzen voll belegt. Statt in der Bissierstraße werden die 27 Menschen nun in Containern an der Kaiserstuhlstraße untergebracht. Die Stadtverwaltung habe nach den Protesten der Bewohner schnell und flexibel reagiert, um die Situation zu entschärfen, sagte Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. "Das Amt für Wohnraumversorgung hat fieberhaft nach einer anderen Lösung gesucht." Die anderen 40 Neuankömmlinge würden nun auf Flüchtlingsunterkünfte in der gesamten Stadt verteilt.

Für August weist das Land der Stadt Freiburg gemäß eines Verteilerschlüssels 200 neue Flüchtlinge zu. Damit gäbe es Ende August ohne die geplante Zeltstadt für 500 Flüchtlinge, die in zwei Wochen auf dem Sportplatz der Polizeiakademie eingerichtet werden soll, in Freiburg insgesamt rund 2000 Flüchtlinge.

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[Archivbild: Ingo Schneider]