"Flüchtlinge in der Nachbarschaft": So hilft die Musikhochschule

Konstantin Görlich

Die Musikhochschule hat bald Flüchtlinge in der Nachbarschaft - nämlich in der Stadthalle - und nennt genau so, "Flüchtlinge in der Nachbarschaft", ihre Gesprächsveranstaltung über kulturelle Flüchtlingsarbeit, die einen neuen Ansatz verfolgt. Worum es genau geht:



"Ab Dezember werden in der Stadthalle Flüchtlinge untergebracht. Da haben wir als Nachbarn überlegt, was wir tun können", sagt Clemens Thomas vom Verein "Zeug und quer", der die Veranstaltung am Freitag, 20. November, 20 Uhr, zusammen mit der Freiburger Musikhochschule organisiert. "Unser Ziel ist eine Bewußtseinsbildung in der Musikhochschule und bei den Anwohnern im Stadtteil. Wir wollen unausgesprochene Ängste - Berührungsängste und Hemmschwellen - abbauen." Und auf die Erfahrungen anderer aufbauen, den das Podium ist facettenreich besetzt:

  • Omar Abouhamdan (Schriftsteller und Vorsitzender des Vereins "Free Association of Syrian Expats" ist selbst ausgewanderter Syrer und engagiert sich für Kriegsopfer in seinem Heimatland)
  • Ro Kuijpers (leitet das Freiburger "Heim und Flucht Orchester", in dem Musiker verschiedener Kulturen aufeinandertreffen)
  • Friedrich Traub (Abteilungsleiter Soziale Dienste des DRK Freiburg, kennt die räumlichen Bedingungen der umgebauten Stadthalle)
  • Susanne Keller (unterrichtet die Sprachförderklasse der Anne-Frank-Grundschule, in der  Studierende der Musikhochschule mit Flüchtlingskindern musikalisch spielen)
  • Joss Reinicke (Vorsitzender von zeug und quer, wird von seinen Erfahrungen berichten)
  • Debora Preuß (Studentin der Musikhochschule, trifft ihr über die Initiative „Zeit für Kinder“ vermitteltes Patenkind wöchentlich und sagt: "Zwischenmenschliche Beziehungen sind wichtiger als materielle Güter.")
Clemens Thomas wird auch an der Moderation des Abends beteiligt sein, und zwar auf innovative Art und Weise: An Stelle der klassischen Twitterwall wird das Publikum per SMS aktiv beteiligt, indem es Fragen einreichen kann, die dann moderiert eingeblendet und beantwortet werden. Die große Frage des Abends ist jedoch:

Was wollen die Geflüchteten?

Der Knackpunkt: Die Geflüchteten kommen mit einem eigenen Hintergrund, mit Geschichte und Kultur. "Natürlich brauchen sie erstmal Essen und ein Dach über dem Kopf -  aber später, wenn es um Kultur, ist es mit Freikarten für Konzerte nicht getan, weil wir ihnen mit unserer europäischen Kultur etwas anderes anbieten, als sie mitbringen. Wir wollen den Charity-Gedanken in Frage stellen. Warum wollte bei dem Hype im Sommer plötzlich jeder teilhaben? Wir wollen hinterfragen, ob das überhaupt eine Hilfe ist, und erfahren, wie man zu einem Projekt kommt, welches die Wünsche der Flüchtlinge berücksichtigt."

Da kann Musik einer Brücke bauen, über sie kann nonverbal kommuniziert werden - wie in den Sprachförderklassen, in denen der Verein "Zeug und quer" Musikspiele veranstaltet: "Das macht den Grundschülern riesigen Spaß - und die Sprache lernen sie ganz nebenbei."

Musikalisch ist auch der Rahmen der Diskussionsveranstaltung: Es gibt Improvisationen verschiedener Kulturen zu hören. Jazz-Klavier von Professor Ralf Schmid, Oud (arabische Laute) von Ahmed Abdeladi sowie Tanz von Johanna Grözinger.

Dem Gesprächsabend voraus geht eine Projektbörse im Foyer der Musikhochschule am Mittwoch, 18. und Freitag, 20. November, jeweils 12 bis 14 Uhr. Hier können Studierende, interessierte Gäste und Anwohner mit verschiedenen Gruppierungen wie "Zeit für Kinder", "zusammenessen" oder "Zeug und quer" in Kontakt kommen und sich über Möglichkeiten der Unterstützung erkundigen.

Mehr dazu:

  • Was: Gesprächsabend "Flüchtlinge in der Nachabrschaft"
  • Wann: Freitag, 20. November, 20 Uhr
  • Wo: Musikhochschule Freiburg, Schwarzwaldstraße 141, Konzertsaal
    [Foto: Clemens Thomas / MusiCasa]