Florian Silbereisen: "Irgendwann hört man einfach nicht mehr Take That oder Mark Medlock, sondern Wencke Myrhe oder Stefanie"

Frank Zimmermann

Kaum ein Fernsehmoderator polarisiert so sehr wie Florian Silbereisen. Während Gleichaltrige über den Volksmusik-Herzbuben der ARD und seine Shows lästern, verkörpert er für die Großelterngeneration das Idealbild eines ordentlichen jungen Mannes. Am Freitag ist der 26-jährige mit dem "Frühlingsfest der Volksmusik" in der Rothaus Arena. BZ-Redakteur Frank Zimmermann hat Florian Silbereisen interviewt und sich erklären lassen, was es mit dem Kussweltrekord, den er während der Show aufstellen will, auf sich hat.



Herr Silbereisen, es gibt bestimmt einen schönen bayerischen Ausdruck fürs Küssen, oder?

Bei uns sagt man „Wir busseln ein bisserl.“

Sie touren momentan durch ganz Deutschland. Machen Sie das mit dem Kussweltrekord in jeder Show?

Insgesamt spielen wir zwischen dem 21. Februar und dem 4. Mai 47 Shows, Freiburg ist die drittletzte der Tournee. Von daher habe ich schon fleißig trainiert und bin für Freiburg absolut gerüstet. Der Weltrekord liegt bei 80 Küssen in drei Minuten.

Schon mal erfolgreich gewesen?

Ich war schon ein paar Mal nahe dran, aber perfekt war es noch nicht. Ich muss noch ein bisschen trainieren und hoffe, dass ich in Freiburg viele Damen habe, die mich dabei unterstützen. Mein Ziel wären 80 Bussel in zweieinhalb Minuten.

Worauf kommt es an beim Schnellbusseln?

Die Damen müssen auf mich zustürmen und dann muss das zack, zack, zack, zack, zack gehen.

Wohin darf denn geküsst werden?

Das ist ganz unterschiedlich, das wird manchmal eine ganz stürmische Situation. Wichtig ist, dass die Zunge drin bleibt, ansonsten ist alles erlaubt.

Und jede Frau im Saal darf mitmachen? Frauen jeden Alters und jeden Aussehens?

Ja, jede hat eine Chance.

Sind Sie zuversichtlich, den Rekord zu knacken?

Ja, ich bin absolut guter Dinge – wir schaffen das in  Freiburg.

Prominente werden immer gerne nach Ihrem ersten Kuss gefragt.

Der allererste Kuss? Um Gottes Willen ... Meine Mami hat mich als Baby geküsst.

Besteht bei 47 Live-Shows nicht die Gefahr, dass alles bloße Routine wird?

Ein Stück weit gehört Routine dazu, aber jedes Publikum und jede Halle sind anders. Von daher ist es immer wieder spannend und eine Herausforderung, ob man die Leute wieder kriegt. Manchmal hat man sie nach dem ersten Lied, manchmal erst beim Finale. Ich singe ein Lied mit dem Titel „Es ist wie beim ersten Mal“, und das meine ich auch so: die nassen Schweißhände, der kalte Schweiß auf der Stirn, das Kribbeln im Bauch. Ich bin froh, dass ich das habe und möchte das nicht missen.

Machen Sie Fernsehshows und Hallenshows gleich gern?

Das gehört für mich zusammen. Ich bin ein absoluter Live-Künstler, ich stehe mein Leben lang auf der Bühne. Unsere TV-Show ist auch live. Das Authentische, Ungeschnittene ist mir absolut wichtig.

Hand aufs Herz: Ist alles live gesungen?

Ja, jeder Ton in Freiburg und auf der gesamten Tour ist komplett live gesungen und gespielt, ich kann die Hand ins Feuer legen, dass kein einziger Ton Playback ist.

Da sind Sie eher ein Exot in Ihrer Branche.

Einige setzen auf Playback, aber ich habe ein Leben lang live auf der Bühne gesungen und möchte das auch immer so beibehalten, weil das der kleine, aber feine Unterschied ist. Das Publikum merkt, wenn die auf der Bühne richtig musizieren und nicht nur die Lippen bewegen.



Wie bleibt man in Ihrer Branche ganz oben?

Ich versuche mich ständig weiterzuentwickeln – das hat mit Fleiß und viel Arbeit zu tun. Da kann man auch mal eine Woche lang nur zwei Stunden schlafen. Ich arbeite sehr fleißig an mir: Gerade eben hatte ich Sprachunterricht, dann habe ich Gesangsunterricht. Das gehört alles dazu. Genauso wie ein Handwerker sein Werkzeug pflegen muss, so muss ich meinen Körper und besonders meine Stimme pflegen.

Sie betonen in Interviews, dass Sie auf der Bühne in keine Rolle schlüpfen.

Ja, die Leute merken, dass ich authentisch bin. Ich bin privat derselbe wie auf der Bühne, außer dass ich privat keine bunten Anzüge trage. Ich bin so, wie ich bin, und muss nichts tun, wozu ich keine Lust habe.

Aber manchmal haben doch auch Sie mit schlechter Laune zu kämpfen?

Das ist eine Motivationssache. Wenn ich kurz vor dem Auftritt schlecht gelaunt und müde bin und keine Lust habe, dann ist das verflogen, wenn der Vorhang aufgeht. Denn die Menschen, die zu uns in die Show kommen, kommen ja in der Erwartung, ein Fest feiern zu können. Das zu wissen hilft mir, wenn ich einmal nicht gut gelaunt bin. Ich mache meinen Job ja für mein Publikum. Aber ich bin generell ein optimistischer Typ und auch im Privaten ein geselliger Bursch.

Wo Sie Ihre bunten Anzüge ansprechen: Eine Jury aus Designern und Stilexperten hat Sie 2007 zum schlechtest angezogenen Menschen Deutschlands gekürt.

Man kann das ja nur als Kompliment nehmen. Früher hatte meine Anzüge nie eine Chance gegen die von Thomas Gottschalk, und jetzt liege ich plötzlich vor ihm. Das ist eine große Ehre.

Oliver Pocher, der nur wenig älter ist als Sie, trägt plötzlich biedere schwarze Anzüge.

Der ist ja jetzt auch bei der ARD. Wenn ich ein Frühlings- oder Sommerfest präsentiere, dann will ich nicht in Schwarz ausgehen.

Sie polarisieren in den Medien: Entweder die Zeitungen loben Sie als Quotenkönig oder es ergießt sich Häme über Sie.

Wenn die Kritik ehrlich ist, dann bin ich offen dafür. Aber man muss auch mit vielen Klischees leben und drüber stehen. Ich habe nur ein Problem damit, wenn es ins Private und unter die Gürtellinie geht - wenn meine Familie mit hineingezogen wird. Ich habe grundsätzlich aber ein dickes Fell.

Wenn die Zeitschrift Neon lästert, dass Florian Silbereisen eine Rechtfertigung sei, keine GEZ-Gebühren zu zahlen, dann ist das aber schon unter der Gürtellinie, oder?

Was soll man darauf antworten? Es gibt sieben Millionen Zuschauer, die meine Sendung regelmäßig gerne sehen, von daher ist das ziemlich unverschämt. Ein öffentlich-rechtlicher Sender macht Fernsehen für jede Zielgruppe - und ich bediene eben überwiegend die Zuschauer ab 40 plus, aber teilweise auch junge. Manchmal habe ich mehr junge Zuschauer als Sendungen, die sich speziell an ein junges Zielpublikum richten.

Wird die Volksmusik ewig leben?

Man hat ja schon vor 20 Jahren gesagt, dass die Volksmusik aussterben wird, aber für Schlager und Unterhaltungsmusik wird immer ein Publikum da sein. Wir werden ja alle nicht jünger. Irgendwann hört man einfach nicht mehr Take That oder Mark Medlock, sondern Wencke Myrhe oder Stefanie.

Unterscheiden Sie denn zwischen Schlager und Volksmusik?

Ich mache da keinen Unterschied, es gibt nur zwei Arten von Musik für mich: gute und schlechte. Volksmusik sind für mich Lieder, die das ganze Volk mitsingen kann und die Alt und Jung bewegt. Wenn ich auf dem Oktoberfest „Sierra Madre“ oder „Viva Colonia“ höre, dann singen das die 16-Jährigen genauso wie die 50- und 60-Jährigen. Da sind für mich dann Volkslieder. Mit der traditionellen Volksmusik hat unsere Show ja auch gar nichts zu tun. Nina Hagen kann bei uns genauso auftreten wie die Wildecker Herzbuben - mit Nina Hagen habe ich in meiner Show gejodelt, und die Quoten sind nicht runter, sondern rauf gegangen. Ich bin offen für alles. Ich höre mir zu Hause auch nicht jeden Tag das Kufsteinlied an, sondern gehe auch zu Bon Jovi und spiele mit meinem Schlagzeug auch gerne in Jazzclubs. Aber am Samstagabend mache ich eben eine Unterhaltungs- und keine Jazzshow.



Zur Person


Florian Silbereisen
wurde 1981 in Tiefenbach bei Passau geboren. Seit seinem sechsten Lebensjahr macht er Volksmusik, mit zehn Jahren veröffentlichte er seine erste Single ("Florian mit der Steirischen Harmonika") und trat zum ersten Mal in Karl Moiks Musikantenstadl. Er moderiert seit vier Jahren die Feste der Volksmusik in der ARD. Damals war Silbereisen erst 22 Jahre alt, das macht ihn neben Ilja Richter zu einem der jüngsten Showmaster im deutschen Fernsehen. Silbereisen stand in Wien im Musical Elisabeth in der Hauptrolle des Tod auf der Bühne und spielte in einem ARD-Fernsehfilm mit.

Mehr dazu:



Was:
Frühlingsfest der Volksmusik mit DJ Ötzi, Angela Wiedl, Maria & Margot Hellwig, Heintje Simons (Heintje), Nino de Angelo, Johannes Kalpers, Helene Fischer und das Deutsche Fernsehballett des MDR
Wann: Freitag, 2. Mai 2008, 19:30 Uhr
Wo: Rothaus Arena, FreiburgTickets: 60 Euro, 55,40 Euro, 49,65 Euro
BZ-Tickethotline: 01805.556656 (14 ct/Minute aus dem Festnetz)