Flinc: Ein Social Network für Mitfahrgelegenheiten

Christoph Müller-Stoffels

Früher schrieb man auf einen Zettel "Will am Donnerstag von Freiburg nach Frankfurt", ließ ihn am Schwarzen Brett oder im Zettelkasten und hoffte. Dann kamen mitfahrzentrale.de und Mitfahrgelegenheit.de. Jetzt gibt es flinc.org. Und die Endung .org, besser: Top-Level-Domain, sagt uns: es wird neu, es wird besser, es wird wiki, es wird social.

Flinc ist seit  Sommer 2011 online und will das Mitfahren revolutionieren. Im Gegensatz zu anderen Mitfahrangeboten, bei denen man eine Fahrt anlegt oder nach angelegten Fahrten suchen muss, bringt flinc Fahrer und Mitfahrer zusammen – und das in Echtzeit und als Social Network. Es gibt eine I-Phone-App und flinc arbeitet mit dem Navigationsgerätehersteller Navigon zusammen. Nachdem man eine Fahrer- oder Mitfahrersuche angelegt hat, sucht das System nach einem passenden Kontrapart und informiert umgehend via E-Mail und/oder I-Phone-Push. Das Navigationsgerät leitet direkt zu einem möglichen Mitfahrer in der Nähe um.


Und da beginnen die Zweifel am Dienst. Denn wer einmal die Mitfahrzentrale als Fahrer verwendet hat weiß, dass Mitfahrer grundsätzlich gerne nahe an Bahnhof, U-Bahn oder Haustür herausgelassen werden wollen. Und dass all dieses in der Regel nicht in unmittelbarer Autobahnnähe liegt. Und dass diese Umwege aus einer eigentlich nur vier Stunden langen Fahrt auch mal ein sechsstündiges Abenteuer machen können, weil man die Stadt nicht kennt, sich verfährt, oder einfach den Mitfahrer suchen oder abliefern muss.

Der Reiz, einen Mitfahrer mitzunehmen, besteht normalerweise nicht darin, neue Leute kennen zu lernen, sondern es geht vielmehr darum, die Spritkosten zu senken oder gar umzuverteilen. Das geht am besten, wenn man viel auf der Autobahn ist, wenig Umwege machen  und  komplizierte Zwischenstopps einlegen muss. Und selbst wenn die Umwege bezahlt werden, die in Kauf zu nehmenden zeitlichen Verzögerungen werden es nicht.



Die Macher des bundesweit verfügbaren Dienstes scheinen an dieses Problem gedacht zu haben, denn der flinc-Preis berechnet sich nach Zeit und nicht nach Kilometern. Pro gefahrene Minute zahlt der Mitfahrer 10 Cent. Die Strecke von der fudder-Zentrale in Freiburg bis zum Römer in Frankfurt, beim Routenplaner mit exakt 2:30 Stunden angegeben, würde also mit 15 Euro ins Gewicht fallen. Wen die zeitliche Mehrbelastung durch die Umwege nicht stört, der hat hier eine nahezu perfekte Lösung gefunden, auch wenn ein Stau nicht in die Rechnung einbezogen wird. Bezahlt wird am Ende in bar. Jegliches Streitpotenzial wird durch die Social-Network-Komponente, die flinc mitbringt, abgefedert, denn das schafft Vertrauen zwischen Fahrer und Mitfahrer. Man kennt sich schon über vier Ecken, auch wenn man es nicht wusste, kann das flinc-Profil mit Facebook verknüpfen und so sehen und gesehen werden. Außerdem kann jede Fahrt hinterher bewertet und kommentiert werden.

Wie bei jeder Social-Network-Idee kommt es auch bei flinc auf die kritische Masse an. Und die hat sich bei flinc definitiv noch nicht gesammelt. Die Popularität der Site hat in den vergangenen Monaten sogar abgenommen, laut der Webseite alexa.com, die den Verkehr auf Internetseiten statistisch erfasst, im vergangenen Monat um 40 Prozent. Da hilft auch nicht, dass die Gründer planen, den derzeit noch kostenlosen Service mit einer Vermittlungsgebühr zu belasten und die Zahlungen online abzuwickeln.

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  [Bild 1: Alena Kovalenko(Fotolia.com), Rest: Flinc]