Flickermood: Wie ein Freiburger 40-Sekunden-Film das Internet eroberte

Nina Braun

Mit dem kleinen Animationsfilm "Flickermood" zum gleichnamigen Funktrack-Remix des Berliner DJs Forss hat der Freiburger Graphikdesigner Sebastian Lange im vergangenen Jahr einen Siegeszug durch das Internet und die weltweite Netz-Community angetreten. Selbst IBM wurde in den USA auf ihn aufmerksam. Nun läuft der Streifen beim Bitfilm-Festival, wo die beliebtesten Filme im Netz gekürt werden.



Angefangen hat alles als Spielerei. Schwebende Buchstaben zu funkig-zerrissenem Sound, die sich selbst zum Thema machen und inhaltlich lediglich einen unbestimmten Zusammenhang mit Graphikdesign aufweisen: Damit wollte Sebastian Lange vor allem seine Software-Fähigkeiten auffrischen und sich neben der Arbeit für eine Werbeagentur kreativ austoben.


Die gerade mal 40 Sekunden dauernde Animation - Lange: "eine Typo-Animation mit viel Dynamik, vielen sound-reaktiven Momenten und einer ordentlichen Portion Dreck" - ist dabei genau abgestimmt auf den Remix "Flickermood" von Forss.

Nach ihrer Fertigstellung bot Lange sie dem amerikanischen Blog Motionographer an – ohne viel Hoffnung auf Erfolg, denn dort werden meist Projekte großer Marken mit noch größeren Budgets platziert. Am nächsten Tag aber war die Animation bereits online und machte Coca Cola & Co. kräftig Konkurrenz. Langes Website verzeichnete Besucherrekord.



Der kleine Film verbreitete sich rasch weltweit über Grafikdesign-Blogs (unter anderem auf xplsv) und erreichte einen so großen Kreis an Usern, dass er auch IBM auffiel. Das amerikanische IT-Unternehmen suchte gerade nach einer geeigneten Online-Umsetzung seiner Werbekampagne „stop talking, start doing“ und schickte kurzerhand eine Email mit Jobangebot.

Lange nahm an, entschärfte seine Flickermood-Idee visuell und musikalisch und kreierte einen Werbebanner, der auf Websites wie denen der New York Times oder Forbes, aber auch am Londoner Heathrow-Flughafen auf großen Leinwänden lief.

Das weniger kommerzielle, künstlerisch anspruchsvollere Original indes fuhr andere Erfolge ein: „Flickermood“ wurde für das Bitfilm-Festival nominiert, das momentan läuft.

Hier sollen die beliebtesten Filmchen der Internetgemeinde ausgezeichnet werden, bis zu fünf Sterne kann jeder angemeldete User pro Streifen vergeben. „Es ist das virale Potenzial, das den Sieger kürt“, erklärt Lange, denn was gefällt, kann direkt an Freunde und Bekannte weiterempfohlen werden. Abgestimmt wird noch bis zum Juli. Lange plant unterdessen schon weiter. Gemeinsam mit Forss will er das Video noch auf die Dauer des kompletten Stücks verlängern.



Große Chancen rechnet er sich beim Bitfilm-Festival übrigens nicht aus, vielen Usern seien bloße graphische Spielereien wie die seinen eher unzugänglich. „Die breite Masse will lieber kleine Figürchen sehen, Charakter-Animationen wie etwa in den Pixar-Filmen oder die hüpfenden Häschen in der Sony Bravia-Werbung.“

Dass „Flickermood“ auch gänzlich ohne Handlung und herzige Protagonisten so viel Beachtung erfährt, erklärt er sich mit dem gelungenen Zusammenspiel von Grafik und Musik. Der Erfolg hat ihn nun sogar ins Fernsehen gebracht: Am Donnerstag, 5. Juni 2008, ist er in einem Beitrag von Polylux zum Thema „TypoArt“ zu sehen.

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Flickermood

(Quelle: YouTube)