Flatastic: Die Arschtritt-App für die Wohngemeinschaft

Lukas Kramer

Mit Flatastic lässt sich das Leben in einer WG unkompliziert organisieren – auch das Putzen:



WGs sind großartig. Aber manchmal bedeutet WG-Leben auch einfach nur Stress: Der eine will nicht putzen, die andere hängt drei Monate mit ihrem Beitrag für die Haushaltskasse hinterher. Und je besser man mit den Mitbewohnern befreundet ist, desto schwerer fällt es, sie mit ihren Versäumnissen zu konfrontieren.


Flatastic erfindet das WG-Leben nicht neu, aber die App bündelt klassische Features, die es schon früher in fast jeder WG gab, in kluger Art und Weise auf dem Smartphone. Das Programm ist in vier Bereiche gegliedert: Einkaufsliste, Ausgaben, Kommunikation und Putzplan. 

Auf die Einkaufsliste haben alle WG-Bewohner Zugriff. Fällt mir in der Vorlesung ein, dass  Abflussreiniger fehlt, steht das wenige Sekunden später für alle sichtbar auf dem digitalen Einkaufszettel. Im Idealfall geht noch am selben Tag ein Mitbewohner in den Supermarkt, sieht den Eintrag und schlägt zu. Wie es bis dato aber auch schon problemlos möglich war den handgeschriebenen Fresszettel auf dem Küchentisch gekonnt zu ignorieren, hilft auch die App hier nicht, wenn keiner die Initiative ergreift. Mitbewohner, die kein Smartphone haben, können sich übrigens auch nicht drücken – dafür gibt es eine Web-App von Flatastic.

Für den sensiblen Bereich der Finanzen haben sich die vier App-Entwickler von der ETH in Zürich den Bereich „Ausgaben“ ausgedacht. Mit dem Abrechnungs-Tool kann man gemeinsame Ausgaben anlegen und hat immer einen Überblick darüber, wer wem gerade wie viel Geld schuldet. Zur Illustration gibt’s eine übersichtliche Statistik über die WG-Finanzen. Da kann das gute alte Haushaltsbuch nur schwer mithalten.

Nichts anderes als eine Whatsapp-Gruppe kann der „Shouts“ genannte Chat, aber er macht sich gut als Ergänzung der anderen Features. So kann man allen Mitbewohnern mit einer einzigen Nachricht schnell und einfach erreichen.

Dafür, dass der digitale Putzplan eingehalten wird, kann auch Flatastic nicht garantieren. Allerdings kann man die anderen Mitbewohner über die App freundlich an ihre wöchentliche (oder monatliche) Putzaufgabe erinnern und – noch besser – sich hinterher bedanken. Das Bad müsste eigentlich schon lange mal wieder geputzt werden, aber man will dem guten Kumpel auch nicht zu deutlich in den Arsch treten? Die App schafft dafür die nötige Distanz, und man läuft nicht Gefahr, den falschen Ton zu treffen. Ob das Putzen damit wieder Spaß macht, wie die Entwickler versprechen, sei bezweifelt.

Die App, verpackt in eine schicke und benutzerfreundliche Oberfläche, ist  eine gute Hilfe, wenn es darum geht, eine WG zu organisieren und sanften, gegenseitigen Druck unter den Mitbewohnern aufzubauen. Worauf sie allerdings keinen Einfluss hat, ist das Maß an Verantwortungsgefühl der einzelnen Mitbewohner.

Flatastic gibt's kostenlos für iOS und Android.

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