Demonstration

Flashmob im Freiburger Tanzbrunnen – Demo gegen Pläne der Stadt

Simone Höhl

Rad abstellen oder tanzen? In Freiburgs Zentrum fehlen 2000 Radstellplätze, das Rathaus hat den Tanzbrunnen im Auge. Die Szene ist besorgt – und demonstriert tanzend.

Eine Frau fegt den stillgelegten Brunnen am Mensagarten in der Freiburger Innenstadt, er ist schon länger nicht mehr richtig benutzt worden. Ein Mann schließt Boxen an, es ist Samstag, 14 Uhr, Leute kommen, sitzen auf den Brunnenrand, stehen in die Sonne, stellen ihr Rad auf dem Rasen ab, essen Pizza, Tangomusik spielt. Ein Paar fängt an zu tanzen. Die Demonstration beginnt.




Kurz vor 15 Uhr drehen sich zahlreiche Paare im Becken, schätzungsweise haben sich 120 Tänzer und Zuschauer versammelt. Ein Mann mit Sonnenbrille hat eine Seifenblasenmaschine mitgebracht. Wer will, kann eine Onlinepetition unterzeichnen.

Szene in Sorge

Seit bekannt wurde, dass die Stadtverwaltung prüfen will, ob sie anstelle des Brunnenbeckens Fahrradparkplätze installieren könnte, ist die Tanzszene beunruhigt. "Das ist kein toter Ort", sagt der Mann, der die Boxen angeschlossen hat, aber seinen Namen nicht in den Medien lesen will: Die Tanzveranstaltungen im Brunnen sind inoffiziell, nach einer Genehmigung hat nie jemand gefragt. "Wir wollen ein Zeichen setzen", erklärt er zum Flashmob, der gleichzeitig Saisonstart ist und bis Sonnenuntergang dauern soll.

Zwischen März und Oktober wird im Brunnen getanzt, fast jeden Tag – mal Tango, mal Forró, Lindy Hop, Salsa. Der läuft grade. Wolfgang Geißler sitzt auf dem Beckenrand und schaut zu. "Ich tanze nur noch Tango", sagt der 74-Jährige aus Gundelfingen. Salsa geht in die Gelenke. Geißler tanzt fast jeden Tag, im Brunnen im Sommer zweimal im Monat. Dann sind Tanzfläche und Beckenrand auch so voll, nur nicht so viele Zuschauer außen rum, erklärt er. Geißler ist für den Erhalt des Tanztreffs. "Deshalb bin ich hier."

Radabstellplätze dringend gesucht

Auch die Stadträte Brigitte von Savigny (Kulturliste) und Timothy Simms (Grüne), die von der Werthmannstraße zusehen, sind für den Erhalt. Schließlich gebe es so gut wie keine Anwohner, der Ort sei trotzdem zentral. "Freiburg hat eine große Tanzszene", sagt Simms. "Und abends ist die Stimmung unwahrscheinlich", meint von Savigny.

Immer wieder gibt es Beschwerden, dass es zu wenig Fahrradbügel in Freiburgs Zentrum gibt. "Wir haben ein Problem mit Radabstellplätzen", räumt Simms ein und zeigt Verständnis für das Garten- und Tiefbauamt. Während der Stadtrat meint, man müsste noch mal mit der Uni reden, will seine Ratskollegin sich im Quartier nach Alternativen umsehen.

Auch Kim Schimpfle hat Verständnis. "Aber bitte nicht hier", sagt die 42-Jährige, die im Sommer oft zum Lindy Hop kommt. "Das ist so ein kultureller Zusammenfluss von Leuten und so schön geworden." Was sie nicht verstehe: "Wenn man plant, warum plant man die Abstellplätze nicht mit? Die Räder waren ja auch vorher wo", sagt sie mit Blick auf den Stellplatz vor der Unibibliothek. Der ist provisorisch und muss weg, wenn die neue Stadtbahn fährt. Kim Schimpfle hofft: "Da gibt’s bestimmt eine andere Lösung."

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