Flashmob gegen Google Street View?

Christoph Müller-Stoffels

Mit seinem Projekt "Google Street View" will Google die ganze Welt fotografieren und virtuell begehbar machen. Nun sind die unheimlichen, schwarzen Kamerawagen auch in Deutschland angekommen, um deutsche Städte abzufotografieren. Im Internet bildet sich eine Protestgruppe - und will einen Flashmob starten.



Seit mehr als einem Jahr ist Google nun schon damit beschäftigt, Stück für die Stück die ganze Welt zu fotografieren, um sie durch seinen Service Google Street View verfügbar zu machen.


Inzwischen ist das ambitionierte Vorhaben auch in Deutschland angekommen (Beweisfotos aus Berlin auf blogh.de). Datenschützer raufen sich die Haare. Und auf der Straße formiert sich der Widerstand: Gibt es einen Flashmob gegen Google?

Der Bundesdatenschutzbeauftragte spricht aus, was viele denken. Mit Google Street View "werden persönliche Lebensumstände noch intensiver ausgeleuchtet", so Peter Schaar (links) gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Er ist nicht der einzige, der Bedenken äußert. Bereits im vergangenen Jahr, als Google mit Street View an den Start ging, kam es zu Protesten, weil Gesichter und Autokennzeichen auf den 360-Grad-Aufnahmen zu erkennen gewesen sind.

Inzwischen will Google das Problem gelöst haben, doch die Zweifel sind vielfältig. Das Programm, das automatisch alle Gesichter verpixeln soll, ist noch nicht ausgereift. So wurde etwa im New Yorker Central Park ein Pferdekopf ordnungsgemäß unkenntlich gemacht (obwohl das dem Pferd relativ egal sein dürfte), die Gesichter von Joggern sind daneben aber wunderbar zu erkennen.

Es mutet nicht übertrieben an zu behaupten, dass totalitäre Regime (und sicherheitsfanatische Innenminister) einen Heidenspaß an Street View hätten (oder noch haben werden). Berlins Datenschützer Alexander Dix meldete vorsorglich schon einmal an, das Ergebnis vor der Veröffentlichung sehen zu wollen.

Eine weitere Gefahr, die Datenschützer sehen, ist das Ausspionieren von Wohnverhältnissen, das durch Street View problemlos möglich wird. Warum nicht mal kurz herausfinden, in was für einer Gegend ein potenzieller künftiger Arbeitnehmer wohnt – und wie gepflegt sein Haus und sein Garten aussieht...

Während viele Datenschützer also Google Street View sehr skeptisch gegenüberstehen, scheinen nicht alle User abgeneigt, auf den Bildern zu erscheinen. Allerdings beruhe das, so Gerald Reischl, in der Regel auf Unwissenheit.

Er hat für sein Buch "Die Google-Falle" eine Umfrage in Auftrag gegeben, die belegt, dass 90 Prozent der User Google sympathisch finden. 75 Prozent sind aber trotzdem dagegen, dass ihre IP-Adresse zusammen mit ihrer Suchanfrage gespeichert wird. "Die meisten Google-Nutzer", so Reischl, "wissen nicht, welche Daten Google sammelt und welche Bedeutung IP-Adressen haben."

In München regt sich nun Widerstand gegen die Google-Foto-Autos. Das Tivoli-Blog bittet darum zu melden, wenn eines der auffälligen, pechschwarzen Kamera-Mobile gesichtet wird. "Dann starten wir rasch eine Telefonkette und machen uns alle auf den Weg. Es wäre doch lustig, wenn immer die gleichen Typen auf den Street-View-Bildern erschienen."

Das klingt nach einer guten Idee, weshalb der Aufruf von Tivolis Dorin Popa Unterstützung finden sollte: "Zur Nachahmung in anderen Städten empfohlen!"

Wann kommt Street View eigentlich nach Freiburg?

Mehr dazu:

[Aufmacherfoto: torontoist.com , Thanx, David!]