Flashmob: Anti-Konsum-Latschen durch die City

Minh Duc Nguyen & Marc Schätzle

Mit einem Flashmob ist heute Mittag die Aktionswoche "Kaufen mit Köpfchen" gestartet. Grün gekleidete Menschen gingen in Zeitlupe durch die Innenstadt. Was das ganze mit Konsumkritik zu tun haben soll, haben wir erfragt und dazu ein kleines Video gedreht.



Kurz vor zwölf Uhr versammelt sich ein Dutzend grün gekleideter Menschen auf dem Rathausplatz. "Grün soll für Natur und auch ein bisschen für Greenpeace stehen", sagt Julia. Sie wird in den folgenden Minuten den Zeitlupenmarsch anführen.


Um zwölf Uhr soll die Aktion beginnen. Ihr Ziel: Die Menschen dazu zu bewegen, in Zeitlupe zu laufen. „Wir wollen die Menschen auf ihr Konsumverhalten aufmerksam machen“, sagt die 28-Jährige. Aufmerksam darauf, dass wir angeblich in einer Gesellschaft voller Überfluss an materiellen Luxusgütern leben. Dass die Geschwindigkeit, mit der wir uns fortbewegen, der Flüchtigkeit entspricht, mit der wir konsumieren.

Mittlerweile ist es 12.10 Uhr. Knapp 40 Menschen sind dem Aufruf im Internet gefolgt und stehen nun auf dem Rathausplatz. Viele von ihnen sind Greenpeacemitglieder. „Das ist unser erster Flashmob“, sagt Julia. Der Termin für die heutige Aktion sei erst vor zwei Wochen bekannt geworden. Dass nun mehr als 30 Leute gekommen sind, darüber freut sie sich besonders. Denn sie und ihre Kollegen hätten mit weniger gerechnet.

Nach einer kurzen Besprechung steht die Strecke für den Flashmob fest: vom Rathausplatz aus wollen die Teilnehmer in Richtung Schwabentor gehen. Bevor es losgeht, bekommt jeder von ihnen einige Infoblätter, die sie an Passanten verteilen sollen.

Der Marsch beginnt: Unter den neugierigen Blicken anwesender Passanten formt sich die Menge zu einer grünen Schlange. Lena macht auch mit. Die 20-Jährige kommt aus Wangen im Allgäu und studiert an der Freiburger Uni. „Auch wenn ich heute Vorlesung hätte, wäre ich hergekommen“, sagt sie. Auch Lena trägt Grün und achtet stets drauf, umweltbewusst zu konsumieren. „Ich esse kein Fleisch, gehe nach Möglichkeit auf dem Markt einkaufen und habe auch kein Auto“, sagt sie.

Dieselbe Gesinnung hat auch der 70-jährige Hartmut. Er gehört zu den älteren Teilnehmern und trägt ausnahmsweise kein Grün, sondern eine rote Nylonjacke. „Ich verzichte schon seit langem aufs Auto, aufs Fleisch und auf Reisen mit dem Flugzeug“, sagt Hartmut. Außerdem bewohne er zusammen mit mehr als zehn anderen ein energetisches Haus, das selbst mehr Energie produziere, als dass die Bewohner sie nutzen könnten.

„Wir wollen mit dieser Aktion die Leute darauf aufmerksam machen, dass wir nicht mehr so weiter konsumieren können“, sagt Hartmut. Deshalb begleitet er die Menge und verteilt Informationsblätter an Passanten. Einer dieser Passanten ist Hugo. Er nimmt die Infoblätter entgegen und redet kurz mit den Flashmobteilnehmern. Auf die Idee, da mitzulaufen, wäre er aber nie gekommen.

Wieso denn auch. „Ich bin allgemein gegen

Demonstrationen“, sagt Hugo. Mit seinen 68 Jahren sei er, wie er sagt, noch nie auf so einer Veranstaltung gewesen. Ob er nachvollziehen könne, was die grünen Leute wollen? Nein. „Ich bin der Meinung, wenn man arbeiten geht, soll man auch normal konsumieren." Punkt, Schluss, Aus. Nach einer Weile sagt er doch noch: „Die Leute können doch machen, was sie wollen“.

Zurück zum Flashmob: Die Schlange steht inzwischen kurz vor dem Schwabentor, ihrem eigentlichen Ziel. „Da wir so gutes Feedback von den Passanten bekommen haben, drehen wir noch eine Runde“, sagt Julia. Das allerdings ist nur einer der Gründe. „Es ist wirklich ein schönes Gefühl, so langsam zu laufen.“ Sie sei sonst jemand, der meist schnell laufe.

Nach mehr als einer halben Stunde nähert sich die Schlange ihrem Ausgangspunkt. Die meisten Informationsblätter sind an Passanten weitergegeben worden. Dementsprechend zufrieden äußern sich die Akteure. „Wir werden wahrscheinlich weitere Flashmobs planen“, sagt Julia.

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  • fudder-Meldung: http://fudder.de titel="">Aktionswoche: Konsumkritik