Flasche leer! Muss Svetlov gehen?

Dirk Philippi

Bei den Wölfen Freiburg ist nach der peinlichen 3:7-Heimspiel-Schlappe vom Sonntag gegen den Aufsteiger aus Bad Nauheim und dem Abrutschen aus den Playoff-Rängen die kurzzeitige Euphorie vorerst verflogen. Der Eishockey-Oberligist steckt nach der GmbH-Gründung und dem Neuanfang zu Saisonbeginn in seiner ersten Krise und sucht auf einer momentan laufenden Krisensitzung nach Lösungen.



Die Wölfe Freiburg 2007/2008 in Zahlen:

  • 13 Spiele: 6 Siege – 7 Niederlagen
  • 50 Gegentore: 3,85 Gegentore pro Spiel
  • 3 Heimniederlagen in 5 Spielen
  • 2 Punkte vor einem Playdownplatz
  • Schlechtestes Unterzahlspiel der Liga
  • Zuschauerentwicklung: 1. Heimspiel 1598 – 5. Heimspiel 1246
Als die Mannschaft von Trainer Sergej Svetlov gestern geschlagen und gedemütigt das Eis verließ, machte sich Wölfe-Gesellschafter und –Pressesprecher Holger Döpke zornig und enttäuscht auf den Heimweg – ohne Pressekonferenz und ohne weiteren Kommentar. Döpke hatte genug gesehen, genug von einem Eishockey ohne Geschwindigkeit, ohne Elan und Teamspiel, ohne Härte und ohne Erfolg.
  • Antti Karhula, finnischer Stürmer der Wölfe schlüpfte mit Turo Virta nach dem 3:7 gegen den EC Bad Nauheim ins Dunkle der Nacht, nachdem er zuvor kaum ein Bully gewonnen und läuferisch einer skandinavischen Landschildkröte geglichen hatte.
  • Tom Hermann spielte die fußgefesselte Gefahrlosigkeit fürs gegnerische Tor.
  • Jeff White war so dominierend wie ein Stummer im Kirchenchor und
  • ...Peter Mares bemüht, mehr aber auch nicht.
  • Dass Torwart Ronny Glaser mittlerweile fast öfter hinter sich als nach vorne greifen muss, hebt ihn zumindest vom Rest der Mannschaft ab. Denn andere fallen derweil nicht einmal negativ, sondern gleich gar nicht auf.

Die Wölfe Freiburg stecken in einer Krise.

Sportlich muss unter den Eindrücken des gestrigen Spiels in erster Linie die offensichtlich fehlende Fitness bemängelt werden. Was sich schon vor Wochen abzeichnete, konnte bis heute nicht behoben werden: Zu oft laufen Spieler der Wölfe einfach nicht und im schnellsten Mannschaftssport der Welt ist dies wahrlich keine erfolgsversprechende Eigenschaft! Zudem scheint ein passendes Unterzahlspielsystem noch nicht gefunden zu sein und auch in Überzahl ist angesichts der verpflichteten Spezialisten noch reichlich Luft für Verbesserungen. Dass Stammspieler wie Kapitän Vozar oder Billich, der bislang eine gute Saison spielte, momentan verletzt fehlen, darf dabei keine Entschuldigung sein – gerade dann müssten andere in die Bresche springen, wobei man zurück beim Punkt der fehlenden Fitness wäre.

Wie so oft können die Kontingentspieler und Leistungsträger in Freiburg dem Spiel ihres Teams keinen Stempel aufdrücken, wobei die Frage nach einem Spielsystem obsolet zu sein scheint: Die Drittklassigkeit ist keine Spielwiese für gewiefte Taktiker, sondern das Reich für dominierende Sturmreihen und engagierte Nachwuchscracks, die gemäß ihren Fähigkeiten eingesetzt werden müssen. In diesem Sinne sind die Wölfe 07/08 noch keine „Mannschaft“.

Woran liegt es?

Sergej Svetlov wird rund um das Freiburger Eisstadion momentan stets zuerst genannt, wenn Gründe für die momentane Krise aufgezählt werden sollen, und in der Tat häufen sich die Anzeichen, dass Svetlov Fehler macht. Auf die fehlende Fitness angesprochen, äußert ein Spieler, der nicht genannt werden möchte, dass man unter der Woche am Limit trainiert und sogar samstags zwischen den Spielen noch relativ hohes Tempo gehen muss. Auch die Leistungen der Spezialteams sind eng mit den Vorgaben des Trainers verknüpft, der allerdings dagegen die personell bedingte Überanspruchung einzelner Akteure anführt und das Argument bezüglich der Trainingsintensität nicht gelten lassen möchte. Was ein Trainer in Sachen Motivation zu leisten im Stande ist, kann dabei nur gemutmaßt werden, wobei Svetlov ein stets engagierter, vielleicht aber eben sogar überengagierter Trainer ist.

Eventuell trainiert Svetlov seine Mannschaft so, wie er eine Mannschaft gerne hätte, sie aber eben nicht hat. Womit die Spieler in den Blickpunkt treten, die natürlich von Kritik keineswegs ausgenommen werden dürfen. Gerade hinsichtlich Disziplin und Einsatzbereitschaft nehmen die Spieler als Profisportler Pflichten auf sich, die einige offensichtlich nicht leisten können oder wollen. Ein Zustand der für einen Arbeitgeber nicht akzeptabel ist. Bis spät saßen gestern Svetlov und sein Ersatzkapitän Mares in der Trainerkabine zusammen – gut möglich, dass einige dieser Punkte endlich klar angesprochen wurden.

Muss Svetlov gehen?

Holger Döpke ist auch nach einer schlaflosen Nacht noch angefressen: „Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wir müssen jetzt handeln!“ Wie, das lässt sich der Wölfe-Gesellschafter nicht entlocken, wohl auch, weil er um eine besonnene Entscheidung bemüht ist. Holger Döpke und seine Mitstreiter sitzen heute seit 13 Uhr in einer Krisensitzung zusammen, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Waren gestern mehrere Szenarien von einer Trainerentlassung, einem neuen Co-Trainer neben Svetlov über einen Spielerrauswurf bis hin zu einer spektakulären Neuverpflichtung noch denkbar, so engte Holger Döpke heute den Spielraum für Entscheidungen doch indirekt ein. Eigentlich zu keinem Kommentar bereit, entfuhr ihm letztlich doch noch ein überzeugendes „Wir glauben fest an diese Mannschaft!“ Sprach es und ging ab – zur Krisensitzung, die aktuell noch immer andauert.

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