Finsterforst: Nebel, Baumstämme und heidnische Klänge

Johannes Schumacher

Vergangenes Wochende prästentierten die Schwazwälder Pagan Metaller von Finsterforst ihr neues Album "...zum Tode hin" im Crash. Und zwar mit Wald-Deko auf der Bühne und reichlich Grölen aus dem Publikum. Johannes war mit von der Partie und hat eine Audio-Galerie mitgebracht.



Es ist Samstag Abend, irgendwann zwischen 23 und Mitternacht. Nebel zieht auf, füllt die stickige, von Schweiß und Rauch getränkte Luft und verdeckt Sträucher und Baumstümpfe. Ein grünes Licht vertreibt die Dunkelheit und Stille kehrt bei der Meute ein, die sich eben noch ihrem Bier oder ihrem Gesprächspartner gewidmet hatte. Die Leute fangen an zu grölen, denn die Zeit ist gekommen. Mit dem Spielen einer akustischen Gitarrenmelodie betreten die Jungs von Finsterforst die Bühne im Crash.


Sträucher und Baumstümpfe im Crash? Finsterforst, die sich auf ihrem neuen Album „...zum Tode hin“, mit der Geschichte der Welt, von ihrer Entstehung zu ihrem Untergang, befassen und deren Lieder auf vorherigen Alben Name tragen, wie „Des Waldes Macht“, haben heidnischen (Englisch: pagan) Elemente auch in ihre Bühnenshow integriert. Deshalb finden sich Requisiten wie Holzstümpfe und kleine Bäume, ein Mikroständer aus Holz und das ein oder andere Geweih auf der Bühne, wodurch sie nicht zuletzt auch ihre Verbundenheit zum Schwarzwald zeigen.

So betreten die mit Erde beschmierten, meist langhaarigen Gestalten, unter den begeisterten Zurufen ihrer Fans die Arena, um die Zuschauer mit ihrem Programm, dass bis nach 1 Uhr gehen soll, in ferne Welten und Wälder zu entführen.

Auch wenn die Räumlichkeiten im Crash, in meinen Augen, akustisch nicht für Konzerte die beste Wahl sind, wird schon kurz nach Beginn des ersten Songs klar, dass die sieben Musiker ihr Handwerk verstehen. Die Gitarren Sägen die dicke Luft, angeheizt durch 200-300 Leute und 2 Vorbands, in Fetzen, der einzige Luftzug strömt, unaufhörlich, aus den Mikrofonlöchern der Kickdrums und kreisende Mähnen sind die einzigen Ventilatoren die man sieht.



Finsterforst führt uns in dieser schwülen Nacht sowohl durch die Lieder ihrer neu erschienenen CD, wie auch durch Stücke ihrer älteren Platten. Dabei wissen die Jungs das Publikum immer bei Laune zu halten. Nie verlieren sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer und füttern sie mit immer neuen Harmonien und Riffgewittern, so dass man ständig vor der Wahl steht ob man jetzt „bangen“ oder mitgrölen soll.

Der Blackmetal-Lastige Kreisch-Gesang von Sänger Marco erleichtert es zwar nicht gerade unbekannte Textpassagen mit zu singen, passt aber zur Band wie das Blattwerk an den Baum. Außerdem wird der motivierte „Mitsinger“ durch ständig neue, Folklore-lastige, Melodeien entschädigt, die er zusammen mit dem ganzen Haufen euphorischer Fans zum Besten geben kann.

Die Song Strukturen von Finsterforst sind abwechslungsreich und wissen sowohl zu überraschen wie auch zu gefallen. Ständig geben sich Pfeilschnelle Gitarrenexzesse mit sphärischen Akustikgitarren-Akordeon-Keyboard Kombinationen und tiefen Bass-Schlagzeug Parts die Klinke in die Hand. Und so professionell die sieben Musiker auch zu Werke gehen, finden sie doch immer noch Zeit auf ein Bier mit ihren Fans anzustoßen und somit eine ganz eigene Methaus Atmosphäre entstehen zu lassen.

"So wollen wir beisammen sein, In froher Rund mit Bier und Wein“, lässt es ihr Song „Rauschende Nächte“, von ihrem 2007 erschienen Album Weltenkraft, passend ertönen.

Doch auch die rauschendsten Nächte finden irgendwann ein Ende, nur dass diese hier ganz ohne Kater auskommt und ich mich freue mitgefeiert zu haben. Ein Konzert von Finsterforst sei hiermit jedem Fan härterer musikalischer Gangarten ans Herz gelegt. Auch Konzertgänger anderer Geschmäcker sollten mal einen Blick auf das Spiel der sieben Schwarzwälder werfen, die es wirklich verstehen mit ihrer Musik Geschichten zu erzählen und richtig Party zu machen.

Hebt, bei Gelegenheit, das nächste Mal die Gläser mit Finsterforst. Skol!

Mehr dazu:

Finsterforst: Website & MySpace

Audio-Galerie: Finsterforst CD-Release-Gig im Crash

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