Findet am Sonntagabend in Freiburg eine 'Facebook-Party' statt?

Carolin Buchheim & Simone Lutz

Auf Facebook hat ein User in der vergangenen Woche zu "Freiburgs erster offiziellen Facebook-Party" aufgerufen, die am Sonntagabend um 20 Uhr stattfinden soll. Mehr als 2600 Facebook-Nutzer haben auf der Partyeinladung in dem sozialen Netzwerka auf "Ich nehme teil" geklickt. Zunächst sollte die Party am Paula-Modersohn-Platz im Vauban, in unmittelbarer Nähe zum akut räumungsbedrohten Kommando Rhino stattfinden, jetzt soll die Flashmob-Party am Konzerthaus steigen.



"Bitte sorgt selbst für Getränke und Verpflegung, bringt bitte möglichst viele Ghetto-Blaster mit! Im nahegelegenen Hauptbahnhof wird es bis 22 Uhr noch Bier und andere alkoholische Getränke zu kaufen geben." Mit diesen Instruktionen lädt ein Facebook-Nutzer namens "Patrick Schächtele" zu "Freiburgs erster Facebook-Party" ein.


Zunächst war die Party für den Paula-Modersohn-Platz angekündigt - direkt neben dem M1-Gelände, wo die Wagenburg "Kommando Rhino" ein Abschiedsfest feiert. Am Sonntag läuft die Frist ab, innerhalb derer die Besetzer das Gelände räumen sollen. Danach wird mit einer Räumung durch die Polizei gerechnet; ob und wann diese kommt, ist noch ungewiss. Auf der Facebook-Wall spekulierten Nutzer über einen Zusammenhang zwischen Facebook-Party und Räumung. Die Theorie: wo viele tausend feiernde Jugendliche sind, kann die Polizei schlecht räumen.

Auf Facebook schien dieser Zusammenhang vielen Jugendlichen nicht bewusst zu sein - und Veranstalter "Partrick Schächtele" beteuerte mehrfach, mit den Rhinos nichts zu tun zu haben: "Wie auch schon oben geschrieben: die Party hat nix mit der komischen Wagenburg am Hut!!!" Auch Offline wurde eine konzertierte Aktion verneint. Die benachbarte Wagenburg empfinde die Party als kontraproduktiv, sagte Martin Auffahrt. Er und Albert Scherr hatten als Vertreter des Runden Tisches in Vauban am Freitagnachmittag im Gespräch mit Stadtverwaltung und Polizei noch einen letzten Versuch gestartet, die abzusehende Räumung zu verhindern.

Am späten Samstagabend wurde der Veranstaltungsort des Treffens schließlich auf "Platz vor dem Konzerthaus" geändert. 2.664 Facebook-Nutzer (Stand: Sonntag, 12 Uhr) haben ihr Kommen angekündigt - ob tatsächlich so viele Menschen kommen, ist natürlich nicht vorherzusehen.

Auf der Wall des Events dominieren am Sonntagmittag zumindest die Partykritiker: "wie uncool, dass sie jetzt am konzerthaus sein soll ... da hab ich aber keinen bock drauf!"; "Bleibt zuhause ,ihr werdet da keine Stunde sein ..die im hotel werden das ned zulassen,das sich da 1000 rumtingeln un krach/dreck machen,was ihr vor habt ist ein grief ins klo" oder "konzerthaus stinkt."

Eins ist allerdings klar: "Patrick Schächtele" ist offenbar nicht der richtige Name des Users, der zur Party aufruft. Laut Polizei ist der Name falsch, eine solche Person gebe es nicht. Auch deshalb hat die Kriminalpolizei selbst einen Eintrag auf Facebook gestellt: "Sollte diese Veranstaltung (...) ein polizeiliches Einschreiten erfordern, würden die entstehenden Kosten von den teilnehmenden Personen eingefordert werden." Das heißt: Sollte irgend etwas schiefgehen, müsste nicht der unbekannte Veranstalter bezahlen, sondern die, die an der Party teilnehmen.

Stadtverwaltung und Polizei haben abgesprochen, wie sie vorgehen. "Gemeindevollzugsdienst und Polizei wissen Bescheid, wir warten ab und haben ein Auge drauf", fasst Rathaussprecherin Edith Lamersdorf das Ergebnis zusammen.

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[Bild: dpa; 'Facebook-Party' im Juni in Hamburg]