Finanzierung für Artik-Einzug in Schmitz Katze gesichert

Daniel Laufer

Die Stadt wird das Jugendkulturzentrum mit einem Mietzuschuss unterstützen, die letzten Verhandlungen laufen. Derweil kritisiert das Team von Schmitz Katze Bürgermeisterin Gerda Stuchlik in einem Brief an den Gemeinderat.

Die Finanzierung für den Einzug des Artik in Schmitz Katze ist gesichert. Am Montag trafen sich Vertreter des Jugendkulturzentrums mit Jugendbürgermeisterin Gerda Stuchlik und Vertretern der Gemeinderatsfraktionen. Dabei kam es zu einer Einigung.


Aktuell bekommt das Artik von der Stadt einen Betriebskostenzuschuss von rund 64.000 Euro. Damit wird unter anderem die Stelle von Geschäftsführer Konstantin Rethmann finanziert. Ein erheblicher Teil davon soll nun in die Miete fließen. Die Stadt wird das Jugendkulturzentrum zudem mit einem Mietzuschuss unterstützen – es geht wohl um etwas mehr als 1500 Euro im Monat, der genaue Betrag steht noch nicht fest. "Natürlich ist das eine Belastung für den Haushalt, aber wir wollen, dass das Artik eine gute Arbeit machen kann", so Stuchlik. Die zusätzlichen Ausgaben sollen in den Doppelhaushalt 2017/2018 aufgenommen werden.

Schmitz-Katze-Team kritisiert Stadtverwaltung in Brief an Gemeinderäte

In einem Brief an die Gemeinderäte haben Ulf Syring und Michelle Gänswein aus dem Team von Schmitz Katze am Sonntag die Stadtverwaltung angegriffen und die Pläne in Frage gestellt. Vergangene Woche hatten die beiden gegenüber fudder angekündigt, den insolventen Club am Standort weiterführen zu wollen.

"Seminarräume oder ein Tonstudio – für das, was das Artik ausmacht, reichen die Räume von Schmitz Katze überhaupt nicht aus", sagt Syring. Stuchlik widerspricht. "Er kann das gar nicht beurteilen." In einer Stellungnahme schreibt das Artik dazu: "Es ist vielmehr so, dass die Räume allein nicht ausreichen, um alle Angebote aus der Unterführung fortsetzen zu können. Daher beinhaltet unser Konzept eine sukzessive Erweiterung auf die Haslacher Straße 25."

Im Mietvertrag, der dem Artik seit vergangener Woche vorliegt, geht es um die ehemalige Hörbar und das "Wohnzimmer", die kleine Tanzfläche von Schmitz Katze – also um eine Fläche von ungefähr 120 Quadratmetern in der Haslacher Straße 43. Dazu könnte das Artik das angrenzende Auditorium für Veranstaltungen nutzen.

Auf dem Nachbargrundstück, der Haslacher Straße 25, soll zudem noch ein Büro angemietet werden. Ein Angebot des Vermieters liege vor, so Stuchlik. "Perspektivisch gibt es dort auch noch Potential." Wegen notwendiger Baumaßnahmen könnten weitere Räume dort aber erst nach entsprechenden Vorplanungen und Genehmigungen dazukommen – so etwas könne zwei Jahre dauern.

Artik-Veranstaltungen in den Räumen von Schmitz Katze

Ein jugendkulturelles Programm werde das Artik aber auch schon in der Haslacher Straße 43 durchführen können. "Die Räume eignen sich nicht nur für Partys, sondern auch für Theater und Tanz, politische Talkrunden und Podiumsdiskussionen sowie Tagungen, Seminare und Workshops. Nicht zu vergessen sind Ausstellungen, Bandproben und Konzerte", heißt es in der Artik-Stellungnahme.

Kritik äußerten Syring und Gänswein auch am Vorgehen Stuchliks. "Ich befürchte, dass die Bürgermeisterin den Gemeinderat vor vollendete Tatsachen stellt", sagt Syring. Stuchlik bezeichnet das als "größten Unsinn". Vertreter der Gemeinderatsfraktionen seien schon bei einer der ersten Besichtigungen im Sommer dabei gewesen. "Der Gemeinderat hatte der Verwaltung klar den Auftrag gegeben, einen neuen Platz für das Artik zu finden", sagt zudem Junges-Freiburg-Stadtrat Sergio Schmidt. Er selbst nahm an dem Treffen am Montag teil.

Gibt es Alternativen?

Im Schreiben von Syring und Gänswein heißt es weiter: "Frau Gerda Stuchlik setzte kurzerhand dem Artik die Pistole auf die Brust: Entweder das ArTik übernehme zum Jahreswechsel die Räumlichkeiten von Schmitz Katze oder ein Fortbestehen des Vereins sei nicht möglich." Sie fordern, dass die Stadt stattdessen weiter nach alternativen Räumen für das Jugendkulturzentrum sucht.

"Es ist unendlich schwierig Räumlichkeiten zu finden, wie das Artik sie benötigt. Wir haben systematisch die ganze Stadt gescannt", so Stuchlik. Eine von der Verwaltung verworfene Standortoption etwa, das E-Werk, von Syring und Gänswein erneut ins Spiel gebracht, sei "zu kompliziert", weil es zu viele unterschiedliche Nutzer gebe. "Zudem hat das Artik immer artikuliert, so schnell wie möglich Ersatzräume finden zu wollen."

Seit dem Frühjahr und dem Auszug aus den Räumen unter dem Siegesdenkmal steht das Artik ohne feste Bleibe da – in der Übergangslösung, dem ehemaligen ADAC-Gebäude, kann das Jugendkulturzentrum keine Veranstaltungen durchführen. Für den Einzug in die Haslacher Straße 43 sind noch letzte Modalitäten zu klären. In den kommenden Tagen könnte der Mietvertrag unterzeichnet werden. "Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren", schreibt das Artik.

Hätten Syring und Gänswein überhaupt weitermachen können?

"Unserem Eindruck nach wird in den letzten Tagen in den einschlägigen Social-Media-Kanälen gleichzeitig suggeriert, dass Schmitz Katze überleben könnte, wenn wir unsere Bewerbung
zurückziehen würden", heißt es in der Artik-Stellungnahme. "So leid uns das tut – nach unseren Kenntnissen ist dem nicht so."

Tatsächlich sagt Syring: "Sollte es mit dem Artik nicht klappen, hat Christian Pertschy mir zugesagt, dass er auf mich zukommen würde." Pertschy ist Geschäftsführer der Jazz- und Rock-Schule, die die Räume von Schmitz Katze verpachtet. Doch es gibt Ungereimtheiten zwischen den Aussagen von Pertschy und Syring.

"Ulf Syring hat mir mir darüber gesprochen. Aber er hat natürlich auch kein Interesse daran gehabt, die Erblast von Schmitz Katze zu übernehmen, sondern gerne bei Null angefangen", so Pertschy. Bei den Schulden, die Schmitz-Katze-Betreiber Gerrit Kossmann mit seine Privatinsolvenz im Sommer hinterlassen hat, geht es laut Insolvenzverwalter Harald E. Manias um einen Gesamtbetrag von mehr als 100.000 Euro.

Schmitz-Katze-Team und Vermieter widersprechen einander

Unter den Gläubigern ist auch die Jazz- und Rock-Schule. "Bei dem, was ich über die Gesamtsumme gehört habe, stellt es einem die Haare zu Berge. Die betrifft die Jazz- und Rock-Schule nicht mal zu einem Zehntel." Am liebsten, so Pertschy, sei es ihm gewesen, jemand hätte Schmitz Katze weiterbetrieben und diese Verpflichtungen übernommen.

Syring wiederum sagt, Pertschy habe mit ihm nie über Geld gesprochen. "Hätte er gesagt, dass er eine bestimmte Summe haben möchte, um die Altlasten auszugleichen, und wir dann eine Chance bekommen hätten, Schmitz Katze fortzuführen, hätten wir uns das überlegen können." Auch habe Pertschy Manias explizit gebeten, ihm keinen Kaufinteressenten vorzuschlagen, so Syring. "Es scheint jetzt so, dass da mit unterschiedlichen Aussagen gearbeitet wurde..."