Finale! Die Jungs vom EHC vor dem wichtigsten Spiel der Saison

Yvonne Weik

Finale. Ständig denken Robert Peleikis (18) und Timo Linsenmaier (23) daran. In der Schule, beim Arbeiten, beim Training. Immer Finale! Nur noch ein Spiel, ein Sieg, und die Jungs des Eishockey-Clubs Freiburg (EHC) haben es geschafft: Sie steigen in die Oberliga auf. Heute Abend ab 20 Uhr werden sie auf dem Eis der Franz-Siegel-Halle alles geben – für ihren großen Traum.




Eishockey ist ihr Leben.
Punkt. Andere Hobbys haben die beiden nicht. Dafür hätten sie auch keine Zeit. Timo macht tagsüber eine Lehre zum Großhandelskaufmann, Robert geht in die Schule. Abends treffen sie sich in der Eishalle an der Ensisheimer Straße, vier Mal die Woche,  am Wochenende haben sie ein oder zwei Spiele. Freunde? Klar, hauptsächlich in der Mannschaft.  25 Spieler sind im Kader, die meisten  kennen sich schon lange.


So wie Timo und Robert. Sie spielen schon immer für den EHC Freiburg. Während ihre Klassenkameraden  in der  Grundschule davon  träumten, Fußballprofi zu werden, zogen sie lieber die Schlittschuhe an und kurvten über das Eis. Mit fünf Jahren hat Robert angefangen, Eishockey zu spielen. Sein Cousin war schuld. „Er war mein Vorbild, da wollte ich unbedingt auch auf’s Eis.“

Wann Timo das erste Mal in der Eishalle war, weiß er gar nicht, er kann sich nicht mehr daran erinnern. Sein Stiefvater hat Eishockey gespielt, Timo war oft dabei – in der Kabine, im Training, bei den Spielen. Er wollte das eben auch können, auf Schlittschuhen stehen, den Puck mit dem Schläger über’s Eis hauen.

Heute trägt Timo das Trikot mit der Nummer 15, Robert das mit der 94. Sie haben sogar Autogrammkarten. Ab und zu mussten sie auch schon eine unterschreiben. Eishockeyspieler sind harte Jungs, denkt man. Groß, muskulös, schwer. Man sieht ihnen schon an, dass  sie auf dem Eis gerne mal ordentlich zupacken.  Das Klischee können die beiden auf den ersten Blick nicht bedienen: Robert ist 1,81 Meter und wiegt 89 Kilo. Timo ist  1,75 Meter und wiegt 65 Kilo. „Ich sollte eher noch ein bisschen zulegen“, sagt  er und lacht.

Doch natürlich ist Eishockey  kein Sport für Weicheier. Wer einmal ein Spiel gesehen hat, weiß, wie es auf dem Eis zugeht: hart! Ständig fährt da jemand dem anderen in den Oberkörper, Check nennt man das. Ab und zu wird auch mal jemand in die Bande gecheckt, auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist. Zur Strafe geht’s dann eben ab auf die Strafbank.

Tut das nicht weh, wenn man so gecheckt wird – oder jemanden checkt?  „Augen zu und durch“, sagte Timo. Und vor allem: Körperspannung. Timo ist nicht empfindlich.  Zwei Zähne hat er schon verloren, weil der Gegner ihn unfair gecheckt hat – mit dem Ellenbogen und dem Schläger. Seither trägt er immer Zahnschutz.

Robert trägt nicht nur Zahnschutz, sondern auch ein Halbvisier. So nennt man das Gitter, das am Helm befestigt ist und die Hälfte seines Gesichts schützt. Robert muss das tragen, er ist erst vor  kurzem 18 geworden. Wer nicht Volljährig ist, für den ist das Halbvisier Pflicht. Robert muss diese Saison noch mit Visier spielen, doch er freut sich schon auf die nächste Saison. Dann darf  er endlich ohne spielen. Warum er sich darauf freut? Weil das Gitter die Sicht behindert, sagt er. Und weil man eben ohne Gitter spielt. „Gitterträger sind Pussys“, erklärt Timo.

Das wichtigste beim Eishockey? „Der Wille“, sagt Robert. „Einen klaren Kopf haben, sonst ist man die eine Sekunde zu langsam“, sagt Timo. Und natürlich   die Schlittschuhe, und die sind den Jungs heilig.  Nicht nur, weil  sie dafür ein kleines Vermögen ausgeben, 900 Euro kostet  so ein Paar locker. Sondern vor allem, weil sie fast täglich auf den messerscharfen Kufen stehen.  Und nur wenn der Schuh gut sitzt, fühlen die Jungs sich richtig wohl auf dem Eis.



Und welcher Schuh sitzt gut? „Glücksache!“, sagt Timo. „Aber der Schuh ist dein Ding – der muss einfach passen.“ Neue Schuhe kommen zuerst mal in einen speziellen  Backofen. Wenn die Schuhe weich sind, zieht man sie an, schnürt sie ganz eng und trägt sie, bis sie ausgekühlt sind. So passt sich der Schuh dem Fuß an, jeder Schuh ist anders. Ganz klar: Die Jungs würden ihre Schuhe mit verbunden Augen erkennen.

Auch die Stöcke sind speziell. Jeder Spieler bearbeitet sie mit Tape, damit sie gut in der Hand liegen, man nicht abrutscht. Acht Stöcke hat Robert in dieser Saison verbraucht. Die Ausrüstung bezahlen sie selbst, Geld gibt es beim EHC Freiburg nicht, höchstens eine kleine Aufwandsentschädigung.

Doch die beiden spielen auch nicht darum. Sie spielen, weil Eishockey alles ist: schnell, hart, voller Emotionen. „Allein das Gefühl, wenn du draußen im Gang stehst und die Fans in der Halle deinen Namen schreien...“, erzählt Timo. Mehr sagt er nicht,  aber seine Augen blitzen. Heute könnte es laut werden, wenn die Menge „Linsenmaier“ schreit.

Das war nicht immer so. Früher, bei den Jugendspielen, da kamen 50 Zuschauer, erzählen sie. 90 Prozent davon waren Verwandte oder Freunde. „Jetzt ist die Halle fast voll“, sagt Robert. Neulicht, die Mannschaft war noch in der Kabine, da kam jemand rein und sagte: „Sorry, wir fangen später an. Die Fans stehen draußen noch Schlange.“   Ein cooles Gefühl sei das gewesen.  „Im Derby gegen Schwenningen waren sogar 4000 Fans da“, erzählt Timo.

Das gab’s seit vielen Jahren nicht mehr in Freiburg. Schwierige Zeiten hat das Eishockey hinter sich, die Jungs wissen das genau. Noch vor einem Jahr stand das Profi-Eishockey auf der Kippe. Doch mit einem neuen Vorstand und der jungen Mannschaft geht es wieder aufwärts – vielleicht in die Oberliga.  „Ganz viele sagen immer: Früher  war ich oft beim EHC“, erzählt Robert. Beim letzten Heimspiel waren seine Klassenkameraden da. Heute wollen sie wieder kommen und noch andere  mitbringen – zum Finale.

Finale beim EHC

Am heutigen Freitag, 30. März 2012, 20 Uhr, spielt der Eishockey-Club Freiburg (EHC) das Rückspiel im Playoff-Finale der Regionalliga Südwest gegen den Stuttgarter Eishockey-Club. Für Freiburg das wichtigste Spiel der Saison: Bei einem Sieg kann die Mannschaft in die Oberliga aufsteigen. Wer selbst auf’s Eis will, kann das heute tun: Vor der Sommerpause findet nochmal der Publikumslauf statt: von 14 bis 15:30 Uhr.

Was: EHC Freiburg vs. Stuttgarter Eishockey-Club
Wann: Freitag, 30. März 2012, 20 Uhr
Wo: Franz-Siegel-Halle, Ensisheimer Straße 1
Tickets: Stehplätze 6 Euro, ermäßigt 5 Euro. Sitzplätze 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Abendkasse ab 17 Uhr geöffnet.

Mehr dazu:

  [Fotos: Ingo Schneider]