Final Fantasy und die 35 vor der Bühne

Carolin Buchheim

Liebe fudder-Leserinnen und Leser: Ich hoffe ihr wart letzte Woche Mittwoch alle bei Heavy Trash im Swampclub, denn bei Final Fantasy im Schiff in Basel ward ihr nämlich offensichtlich nicht: Vor gerade einmal 35 Leuten und einer handgemalten Orpheus Overhead-Projektor-Show spielte Owen Pallett ein wunderbares Konzert. Ihr habt was verpasst!

35 Zuschauer in dem schönen und eben auch wirklich schön großen Saal im Bauch des im Rheinhafen liegenden Schiffs': Das war bitter, aber auch besonders schön, denn die 35 Anwesenden und die sechs Auftretenden machten das Beste aus der Angelegenheit. Die 35 vor der Bühne saßen oder lagen doch recht bequem auf dem kalten Boden direkt vor der Bühne herum und klatschten extra laut, denn die sechs auf der Bühne (4 Mitglieder von P:ano sowie Owen Pallett plus seine Overhead-Projektor-Bedienerin) gaben wirklich alles, um den 35 vor der Bühne zu zeigen, dass es sich gelohnt hatte zu kommen.Es ging spät los, an diesem Abend, erst gegen elf. P:ano (sprich: 'Piano') aus Vancouver lieferten mit ungewöhnlicher Instumentierung (Ukulele, Bass Saxophon, Akkordeon, Drums und Drumcomputer), zweistimmigem Harmoniegesang und herrlich verschroben schüchternern Nerd-Attitüde zum Aufwärmen enthusiastisch beklatschte wunderhübsche kleine zarte Folk-Pop Songs irgendwo zwischen dem, was man sonst aus Montréal gewohnt ist, und dem, was in einem 'Elvis Presley auf Hawaii'- Film am Pool gespielt worden sein könnte. P:ano: Außergewöhnlich, rührend, wunderbar.

Und dann Final Fantasy, also: Owen Pallett, vor der bereits mehrfach erwähnten, handgezeichneten, von einem Mädchen im Kapuzenpulli eifrig bedienten Orpheus-Overhead-Projektion. Owen Pallett, der da steht, mit seiner Geige, in einem gelben Polohemd, und schon aussieht wie der hyper-intelligente klassisch ausgebildete Musiker, der er wohl zu sein scheint. Owen Pallett, der seine Stiefel auszieht, damit er sie bedienen kann, seine vielen kleinen Loop-Pedale, mit denen er beweist, dass man allein mit einer Geige klingen kann wie ein Quartett, alles eine Frage des Kanons. Owen Pallett, der beizeiten auch mal in das kleine Mikro seiner Geige schreit und auf sie eintrommelt. Owen Pallett, der sehr gelassen und beherrscht wirkt, das mag auch an der Geige liegen, aber auch irgendwie ein bisschen schüchtern, und der nach und nach auftaut, und fragt, was das Publikum hören will, und erzählt wie toll er P:ano fand, und dass sie Stunden voneinander entfernt Leben, in Kanada, aber sich hier jetzt getroffen hätten, zum ersten Mal.

Er spielt Altes von 'Has a good home', und Neues von 'He poos clouds' während das Mädchen im Kapuzenpulli die Orpheus-Folien vor dem Overhead-Projektor schwenkt, den Projektor mit Spitze zudeckt und Scherenschnitte sich küssen lässt, und derweil loopt Owen seine Geigentracks, pluckt an den Saiten, klopft auf die Geige und singt hingebungsvoll, während die 35 vor der Bühne wippen mit den Füßen und die Melodien mitsummen. Die Highlights des Abends sind 'This is the dream of Win & Regine', der Song über Arcade Fire, das Joanna Newsom Cover 'Peach Plum Pear', und das gr0ßartige 'Please Please Please', das nur deswegen als letzte Zugabe gespielt wird, weil auf Owen Palletts Nachfrage die 35 vor der Bühne versprechen, jeder beim nächsten Mal 10 Freunde mitzubringen. Nur 'This Modern Love' will er nicht spielen, ohne Drummer, erklärt Herr Pallett, es sei zu 'Balladig', ohne Drums. Verständlich, aber trotzdem schade.Als Owen Pallett schliesslich seine Stiefel wieder anzog, und die 35 vor der Bühne aufstanden und sich die Kälte aus den Armen und Beinen schüttelten, da war es schon nach ein Uhr am Morgen. 'Nobody who listens to it will ever again entertain thoughts of suicide.' war eins der Konzepte denen Owen Pallett sich beim Schreiben von 'He poos clouds' verschrieben hat, und obwohl weder meine Begleitung, noch ich vor dem Final Fantasy Konzert suizidalen Gedanken gepflegt hatten, so waren wir doch auf der späten Heimfahrt nach Freiburg tatsächlich ein klein wenig mehr mit der Welt versöhnt als auf der Hinfahrt. Ich frag mich, ob es den anderen 33 wohl auch so ergangen ist.Schön wars. Beim nächsten Mal soll ich also zehn Leute mehr mitbringen. Ich hoffe ihr seid dann wenigstens dabei, fudder-Leserinnen und Leser.

Final Fantasy: WebsiteArcade Fire: Website P:ano: Website& MySpaceVideos vom Konzert in Basel bei YouTube: This lamb sells condos (mit Orpheus-Overhead-Projektor-Show) & Please Please Please