Filmdreh in Emmendingen: Wie man Baden schwäbisch macht

Regina Kleissler

"Die Kirche bleibt im Dorf" heißt der Kinofilm, den das Filmteam von Ulrike Grote und Ilona Schultz seit Ende August in Emmendingen und Umgebung dreht. Es soll kein Heimatfilm werden, sondern eine rasante Komödie, die sich mit den Eigenarten des Schwäbischen auseinandersetzt. Warum wird aber ein Film über zwei schwäbische Dörfer ausgerechnet in Baden gedreht? Regina ist der Frage für fudder nachgegangen.

Dass der Film ausgerechnet im Badischen spielt, liegt in einem der zentralen Schauplätze des Films begründet: der Ruine Hochburg-Hachberg in Emmendingen. „Das ist eine Ruine, die man sonst nicht an jeder Ecke findet. Wir haben uns in ganz Baden-Württemberg umgeschaut und die Hochburg ist einfach perfekt für uns. Sie bietet alles, was wir motivisch und logisitsch benötigen, ist wunderschön und hat Weinberge – ein Volltreffer!,“ sagt Ilona Schulz, Produzentin des Films.


Um eine original schwäbische Atmosphäre zu schaffen, ist die original schwäbische Landschaft nicht notwendig. Stattdessen sollen die Darsteller, die fast alle im Schwabenland geboren sind, für den nötigen Lokalkolorit sorgen. „Der Dialekt ist das vorrangige Mittel. Das war auch sozusagen das Einstellungskriterium für die Schauspieler,“ sagt Schultz. So kommt es, dass man momentan Schauspieler wie Natalia Wörner oder Karoline Eichhorn, bekannt aus verschiedenen Fernsehproduktionen von ARD und ZDF, auf der Hochburg schwäbisch „schwätzet“ hört.

Und dabei geht es oft turbulent zu. Denn in dem Film geht es um die zwei verfeindeten Dörfer Oberrieslingen und Unterrieslingen, die sich eine Kirche teilen müssen.

Während sie sich im Alltag sonst aus dem Weg gehen (der eine Gottesdienst beginnt um 10 Uhr, der andere um 11 Uhr), gerät mit dem Auftauchen eines Amerikaners, der die Kirche kaufen und abtransportieren möchte, plötzlich die geordnete Welt der Schwaben durcheinander. Um ihre Kirche zurückholen zu können, müssen sich die zwei Dörfer zusammenraufen.

Schauplätze
hier in der Umgebung sind neben der Hochburg der Friedhof in Maleck, sowie die Seilerhöfe und das Reichenbächle in Sexau. Aber nicht nur die Landschaft, auch die Bevölkerung selbst wird im Film zu sehen sein – zumindest ein Teil.

Den Komparsen, die aus der Region stammen und im August aus einem Casting hervorgegangen sind, wird dabei höchste Professionalität und Wandelbarkeit abverlangt.

In einer Szene mussten die „Unterrieslinger“ in einer Demonstration lautstark ihren Protest gegen den geplanten Verkauf der Kirche ausdrücken – und dafür den schwäbischen Dialekt einüben.

Für eine andere Szene wurde die Schweineherde eines ansässigen Bauern „ausgeliehen“. Diese entpuppten sich prompt als talentierte Filmschweine.“Nach dreimal proben wussten sie genau, wo der Hase lang läuft.“.

Neben den „netten“, „zuverlässigen“ und „hilfsbereiten“ Leuten mit dem „unglaublich guten Humor“ und den hochbegabten Filmschweinen ist die Produzentin vor allem auch vom Wetter begeistert: „Das Wetter ist wirklich das Größte. Wenn es geregnet hat, dann in den Mittags- oder Umzugspausen. Da kann man hier echt froh sein. Ich komme aus Hamburg, ich weiß wovon ich spreche.“ Hamburg wird auch der nächste Drehort sein. Wenn die Filmaufnahmen in Emmendingen und Umgebung am 26. September abgeschlossen sind, werden dort noch einzelne Innenaufnahmen abgedreht werden. Mit dem kompletten Filmteam umzuziehen ist aufwendig, aber notwendig, um die Auflagen für Fördergelder aus Hamburg zu erfüllen. Am 12. Oktober sollen die Dreharbeiten dann abgeschlossen werden.

Bis der Film in die Kinos kommt, dauert es aber noch eine Weile. Voraussichtlich im Sommer oder Spätsommer 2012 könnt ihr euch den schwäbischen Schlagabtausch auf badischem Boden anschauen. Und vielleicht erkennt ihr das ein oder andere Detail ja wieder.



Die Kirche bleibt im Dorf

Quelle: YouTube


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[Bilder: Hans-Jürgen Truöl, PR, fudder-Archiv]