Film der Woche: Wanted

Jennifer Borrmann

In Timur Bekmambetovs "Wanted" wird ein Durschnittstyp zum Killer geschult. Und zwar von einer, die weiß, wie es geht: von der heißen Auftragskillerin Fox, gespielt von Angelina Jolie. Ob der Film mehr zu bieten hat als Frau Jolies unbestrittenen körperlichen Vorzüge, verrät Euch Jenni, die den Film für fudder angeguckt hat.



Wer bin ich? Mit dieser tiefgründigen und feinsinnigen Frage beschäftigen sich Philosophen seit Tausenden von Jahren. Natürlich kann man sie wahlweise etwas weniger tiefsinnig auch im Fernsehen oder auf Geburtstagen beantworten.


Nun kommt aber einer dahergelaufen – ein ganz normaler Durchschnittstyp namens Wesley (James McAvoy) – und stellt sich eben diese Frage noch etwas weniger tiefsinnig. Selbst Google spuckt keine Ergebnisse aus, wenn er seinen Namen eintippt – „No matches found“. Er ist ein Verlierer, der in einem winzigen Kubus in einem Großraumbüro sitzt und sein Leben hasst. Hat sein Vater, der ihn und seine Mutter nur 7 Tage nach seiner Geburt verlassen hat, gewusst, was er für einen Loser – im Film auch gerne „Pussy“ genannt – geschaffen hat?

Zu allem Übel betrügt ihn seine Freundin Cathy (Kristen Hager) mit seinem vermeintlich besten Freund. Eines abends, als Wesley mal wieder seine obligatorischen Anti-Stress- und Angst-Pillen aus dem Drugstore holt, steht sie da: Fox (Angelina Jolie), ein Todesengel im weißen Kleid.

Sie verrät ihm, dass sein Vater ein professioneller Killer war, der gestern ermordet wurde und dessen Mörder nun auch hinter ihm her sei. Gerade ausgesprochen schießt eben dieser, er heißt Cross (Thomas Kretzschmann), los und die erste mehr als rasante und explosive Jagd beginnt, die erste von zahllosen Schießereien. An Action fehlt es in Wanted also nicht. Jedoch an so manch anderem.

Den Killer abgehängt bringt Fox den Jungen in eine Weberei. Dort lernt er Sloan (Morgan Freeman), Fox’s Chef, und die Geschichte der „Bruderschaft“ und des „Webstuhls des Schicksals“ kennen (ja, richtig gehört, schon alleine deshalb müsste man eigentlich die Drehbuchautoren verklagen) kennen.

Die Bruderschaft besteht aus Auftragskillern, die böse Menschen töten, deren Namen wiederum durch einen Binärcode im gewebten Tuch des Webstuhls des Schicksals benannt werden. Das Motto heißt „Töte einen und rette Hunderte“, sie bringen also Menschen um, die möglicherweise in naher oder ferner Zukunft Böses tun. Die Befehle entspringen der Notwendigkeit, Stabilität ins Chaos zu bringen, so Sloan, und deshalb sollen die Killer nicht interpretieren, sondern lediglich ausführen. Wesley wird hier ausgebildet, um den Mörder seines Vaters zu töten.

Die Produktion erinnert an eine Backmischung. Ein paar Dinge sind fertig vorgegeben und andere würfelt man dazu, verquirlt alles gut und schon hat man ... nichts Eigenes jedenfalls, sondern eben nur ein Ergebnis, das andere Leute aber genauso auch schon produziert haben. Man nehme also ein bisschen "Matrix" hier, "Fight Club" da und "Star Wars" dort und schon hat man eine Basis, mit der man arbeiten kann.

Die Action-Kenntnis des Mannes hinter der Kamera sieht man den Bildern sofort an. Mitchell Amundsen hat unter anderem bereits bei „The Bourne Supremacy“, „Mission Impossible III“ und bei „Armageddon“ mitgewirkt. Die Kamera ist fabelhaft, aber wenn es vor der Linse nicht so ganz stimmt, kann man dahinter auch nicht mehr allzu viel retten.

Eine eventuell vorgesehene Tiefsinnigkeit ist leider irgendwie und irgendwo auf dem Wege der Vollendung des Films zwischen nichtssagenden Dialogen verloren gegangen. Letzteres mag daran liegen, dass es sich ursprünglich um ein Comic in sechs Teilen aus dem Hause Top Cow handelte und ja auch hier eher Bilder die Hauptsache sind und nicht der Text.

Kleine versteckte Extras sind dann aber doch auch zu finden: Mark Millar, der die Texte schrieb, und J.G. Jones, der die Bilder dazu malte, werden am Ende des Films von Timur Bekmambetov – dem ganz offensichtlich das Visuelle wichtiger ist, als der Inhalt – ganz kurz noch mit einem Namensschild auf dem „J.G. Millar“ steht, gewürdigt.

Auch spielt der Film 1986 – für Comic-Fans ein wichtiges Jahr, denn hier kamen die Comics „The Dark Knight Returns“ und „Watchmen“ heraus. Gedacht haben sich die Macher also was, ob das auch so rüber kommt, ist eine andere Sache. Wer sich für das rein Visuelle von Action, Gewalt (der Film ist ab 18 Jahren) und Special Effects interessiert, dürfte hier bedient werden.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik




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Trailer: Wanted

Quelle: YouTube