Film der Woche: Verliebt in die Braut

David Harnasch

Mit "Verliebt in die Braut" gelingt es Paul Wieland, alle Vorhersehbarkeitsrekorde im ohnehin überraschungsarmen Genre der romantischen Komödie zu brechen. Selbst Patrick Dempsey und die anbetungswürdige Michelle Monaghan vermögen dieses Zeugnis erschreckender Publikumsverachtung und Phantasielosigkeit nicht zu retten. Ein herzhafter Verriss.



Tom (Patrick Dempsey) und Hannah (Michelle Monaghan) sind seit der Uni platonische beste Freunde. Er lebt derweil seine Bindungsunfähigkeit in dutzenden Betten aus, ein privates Regelwerk verhindert emotionale Verwicklungen. So ist es für Tom zum Beispiel tabu, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die selbe Frau zu daten. Das funktioniert zehn Jahre lang prächtig, denn er sieht fantastisch aus und ist als Erfinder von hitzeabsorbierenden Kaffeebecherpappringen steinreich. Als sich Tom eingesteht, mehr für Hannah zu empfinden, ernennt die ihn zum Brautjungferich bei ihrer bevorstehenden Hochzeit mit dem Schotten Kevin. Wer schon mal eine romantische Komödie gesehen hat, der ahnt nicht, er WEISS, was nun passiert. Und zwar in genau dieser Reihenfolge, bis zum Happy End.


Diese Art Film anzusehen ist das cineastische Pendant zu einem Besuch bei Mc Donalds: Man weiß in etwa, was einen erwartet. Mit etwas Glück gibt es gerade ein besonders schmackhaftes Sonderangebot oder man erwischt Keira Knightley in „Love actually“. Zwei gewaltige Unterschiede gibt es jedoch: Keine Frau käme auf die Idee, ihren Partner zur Wiedergutmachung nach Beziehungssünden zum Verzehr eines Big Mac zu nötigen. Und kein Big Mac würde je derart lieblos zusammengeklatscht werden wie dieses total überflüssige Machwerk.



Während die romantischen Erwartungen des Publikums selbstverständlich bedient werden müssen, gilt für Komik das Gegenteil: Sie lebt ausschließlich von Überraschungen. Ein Gag, dessen Pointe jeder Fünfjährige voraussieht, ist niemals lustig.

In „Made of Honour“ hat man deshalb wenig zu lachen. Wie die leidlich lustigen Witze über die schottische Sprache übersetzbar sein sollen, entzieht sich der Vorstellung des Rezensenten, der den Film nur im Original sah. Das Kalkül der Verbrecher hinter dieser filmgewordenen Verschwendung von Geld und Lebenszeit ist zu offensichtlich: Über den gemeinsamen Besuch einer Romantic Comedy entscheidet nur und ausschließlich die Frau.

Dank Grey’s Anatomy würden derzeit alle Frauen der Welt (mit Ausnahme Nordkoreas) sogar eine Doku über Schluckaufhospize für Kinder im Sundgau ansehen, wenn nur Dr. Dreamy mitspielte. Warum also Geld ausgeben für ein Drehbuch?

Zu allem Überfluss ist Dempseys Figur auch noch schlecht geklaut: Die Eingangssequenz ist eine ins Belanglose entschärfte Variante des Beginns der gar nicht genug zu lobenden (und Ende des Jahres angeblich bei RTL2 auch in Deutschland zu sehenden) TV-Serie „Californication“. Der Vergleich zwischen diesen beiden Produktionen erklärt anschaulich das Desaster des Unterhaltungskinos: Für das amerikanische Pay-TV wird inzwischen in einer Qualität produziert, die mit Kinofilmen oft mithalten kann. In diesem Fall ist die Fernsehware sogar um Dimensionen besser.



Wenn „Love, actually“ die angemessene Strafe für einen vergessenen Jahrestag ist, ist „Verliebt in die Braut“ adäquat, wenn man von der Freundin in flagranti erwischt wurde. Mit ihrer Schwester. Und Mutter. Gleichzeitig.

fudder-Bewertung

Anspruch
TIPP:


GagdichteTIPP:


Action
TIPP:


Spannung Kein Fisch

Schauspielerische Leistung
TIPP:


Story
Kein Fisch

Kamera

TIPP:

InformationsgehaltTIPP:


Musik
Kein Fisch

Mehr dazu:

Verliebt in die Braut: Website

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