Film der Woche: There will be blood

David Harnasch

Der bisher beste Film der Oscarsaison beweist: Kritik an den USA leistet niemand besser als das amerikanische Kino. "There will be blood" erzählt nicht die Geschichte der beiden widerlichen Hauptpersonen, sondern die einer Ära. Das sollte man vorher wissen.

In den ersten zwanzig Minuten lenkt kein Wort ab von den leniriefenstahlesken Bildern des hart in seiner Mine schuftenden Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis). Als eine Leitersprosse unter seinem Fuß bricht, er stürzt und um Luft ringt, leidet das ganze Kino mit ihm. Vor 110 Jahren gab es weder Handys noch einen Notarzt, den man damit hätte rufen können. Es gab eigentlich gar nichts in Kalifornien außer Bodenschätzen. Folgerichtig kämpft sich Plainview halb liegend, halb robbend ins nächste Kaff, um seinen Fund zu versilbern und sein Bein zu kurieren.




Weil er zielstrebig und sich selbst wie anderen gegenüber völlig gnadenlos bleibt, macht er in den kommenden zehn Jahren ein Vermögen als Oilman. Als einer seiner Arbeiter bei einem Unglück ums Leben kommt, adoptiert er dessen Sohn H.W., den er als Teilhaber und Erben seines Imperiums erzieht. Erst jetzt trifft er auf den Gegner seines Lebens: Eli Sunday (Paul Deno, „Little Miss Sunshine“), Sohn einer Bauernfamilie, deren öltriefendes Land Plainview ihr für einen Spottpreis abzuluchsen versucht.

Eli verhandelt hart, nicht für sich oder seine Verwandten, sondern für eine Kirche, die er gründen will – was ihn gleichermaßen durchgeknallt wie abstoßend zeigt. Statt nun einen schrägen aber sympathischen Erzkapitalisten gegen einen schrägen und unsympathischen Fundichristen auszuspielen, lässt Paul Thomas Anderson (oscarnominiert für Regie und Buch) seinen Protagonisten dessen soeben ertaubten Adoptivsohn verstoßen.



Diese erzählerische Wendung kommt unerwartet und ist ein wesentlich größerer Fehler als die letzte Szene des Films (die hier nicht verraten wird), denn ab sofort ist das Schicksal der Hauptfigur dem mitfühlenden Zuschauer schlagartig schnurzpiepegal. Das sollte sie nicht sein, denn der Niedergang des Daniel Plainview, großartig inszeniert und die folgenden Konfrontationen mit Eli sind oft rasend komisch. Obwohl es sie gegeben haben muss, erinnere ich mich an keine Szene, in der Day-Lewis nicht ölverschmiert war – so glaubhaft verkörpert er den Ölmann.



Der Gebrauchsanweisung zum Film lautet wie folgt: „Daniel Plainview ist ein Schwein, wer mit ihm sympathisiert wird enttäuscht werden. Halten Sie emotionalen Abstand zu den Figuren (außer vielleicht zu H.W.) und genießen Sie eine Parabel über die beiden Urkräfte hinter der einzigen Weltmacht: Beinhartes Profitstreben und absurd tiefe Religiosität.“

Dass Anderson familiären Zusammenhalt als amerikanischen Wert schlicht negiert und auch sonst keine Hoffnung für die von ihm gezeigte Gesellschaft aufkeimen lässt, wurde ihm in den USA nicht übelgenommen – in Europa wird man seinen Film dafür um so mehr lieben.



fudder-Bewertung

Anspruch

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Gagdichte


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Action


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Spannung


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Schauspielerische Leistung

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Story


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Kamera


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Infogehalt


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