Film der Woche: The Limits of Control

Jennifer Bormann

Der Film ist ein Kunstwerk. Kein Unterhaltungs- oder gar Popcornfilm. Im Gegensatz zum massenwirksamen "Broken Flowers" spricht der neue Jim Jarmusch-Film "The Limits of Control" auch sicher nicht das breite Publikum an. Die enigmatischen Bilder und die rätselhafte Geschichte weisen beinahe Lynchsche Züge auf und sind nicht einfach zu entschlüsseln.



Es ist die Kraft der Bilder, die hier beeindruckt und nicht unbedingt die Handlung alleine. Die Kamera Christopher Doyles ist atemberaubend. Zahlreiche Perspektivenwechsel, ein Spiel mit Gegensätzen und Ausnahmen: Frosch- und Vogelperspektive werden abwechselnd gegeneinander gestellt, haben spanische Architektur und Kunstwerke im Blick, fordern immer wieder die Sehgewohnheiten der Zuschauer heraus. Jede einzelne Einstellung gleicht einem Gemälde, ist außergewöhnlich, hat beeindruckende Wirkung. Aneinandergereiht ergibt sich eine großartige ästhetische Bildcollage.


Der Inhalt der Films ist abgesehen von dem roten Faden, den der Auftragskiller (Isaach de Bankolé) und sein Weg von der Auftragserteilung über verschiedene Stationen in Spanien bis zum Ende bilden, nicht leicht zu durchschauen. Der Weg scheint jedenfalls das Ziel zu sein.



"The Limits of Control" ist ein stiller und ruhiger Film. Weder hektische Bewegungen, viel Action, noch diskussionswillige Charaktere gibt es hier auszumachen. Es werden wohl an die 40 bis 50 vollständige Sätze gesprochen, der Hauptdarsteller allerdings bekommt davon lediglich circa drei in den Mund gelegt.

Philosophie und Kunst spielen neben den Protagonisten eine Hauptrolle. Zahlreiche Aphorismen wie „Everything is subjective“, „Reality is arbitrary“, oder „La vida no vale nada“ machen es einem zwar nicht einfach, die Geschichte gleichzeitig aber auch sehr spannend, wenn man versucht, eine Wahrheit hinter den verrätselten Bildern auszumachen.



Der Film beginnt mit einem Gedichtzitat von Arthur Rimbaud und er mag Einfluss auf Jarmuschs Kunstauffassung gehabt haben – eine Tendenz zum Symbolismus im Film kann jedenfalls gesehen werden. Neben dem literarischen Einfluss, gibt es auch einen filmischen: Es werden zahlreiche Filme zitiert.

Tilda Swintons Cowgirl-Charakter nennt mehrere Produktionen der 1940er Jahre („Suspicion“ von Alfred Hitchcock und „The Lady from Shanghai“ von Orson Welles) und weist ausdrücklich auf die Kraft des Filmmediums hin, Geschichte zu vermitteln, beispielsweise, wenn wir einen Film zeitlich verorten können, sobald wir sehen auf welche Weise jemand im Film eine Zigarette raucht – Selbstreferenzialität des Mediums Film.



Die japanische Heavy Rock Band “Boris” verleiht den bewegten Bildern ihre Musik. Sie ist es auch die den Filmen Jarmuschs ihre ganz eigene Stimmung, ihren eigenen Rhythmus schenkt: Wu Tan Clan’s RZA für „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“, Tom Waits für „Night on Earth“ oder Neil Young für „Dead Man“. So wie Tarantino-Filme an ihrer typischen musikalischen Untermalung zu erkennen sind, kann man auch bei Filmen von Jim Jarmusch von einer ganz eigenen Musikwelt sprechen.

Weder Jarmuschs Dauer-Schauspieler Tom Waits, noch Roberto Benigni kommen dieses Mal zum Zug, auch Bill Murray hat lediglich einen sehr kurzen Auftritt. In dieser traumhaften Produktion ist es jedoch ebenfalls eine erlesene Auswahl an Schauspielern wie John Hurt, Tilda Swinton, Gael Garcia Bernal und Paz de la Huerta als hinreißend erotische femme fatale.

„The Limits of Control“ ist ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung – im inhaltlichen wie im dargestellten Sinn. Der Independent-Regisseur und Autorenfilmer Jarmusch hat ein faszinierendes Kunstwerk geschaffen, dass einen sehr beeindrucken kann, wenn man Lust und Muße hat, sich darauf einzulassen.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik








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Trailer: The Limits of Control

Quelle: YouTube