Film der Woche: The Dark Knight

Carolin Buchheim

Der neueste Film der Batman-Saga ist kein Standard-Superhelden-Film, sondern ein dunkler, spannender und verstörender Thriller. Das findet zumindest Caro, die Heath Ledgers letzten Film für fudder angeguckt hat.



Oxycodone, Hydrocodone, Diazepam, Temazepam, Alprazolam und Doxylamin: an der "versehentlichen Überdosierung" dieser Schmerz- und Beruhigungsmittel starb am 22. Januar diesen Jahres Heath Ledger, kurz nach dem Ende der Dreharbeiten zu Christopher Nolans zweiten Batman-Film "The Dark Knight"


Es ist ein doofes Klischee, die letzte Rolle eines Schauspielers posthum zur "Rolle seines Lebens" zu deklarieren. Insbesondere im Fall Heath Ledger, denn die Rolle seines Lebens, das war wohl die des homosexuellen Cowboys Ennis del Mar in Ang Lees "Brokeback Mountain", für die er unter anderem mit einem Golden Globe und einem Bafta ausgezeichnet wurde und eine Oscar-Nomininierung erhielt. Es war diese Rolle, nach der Ledger als Schauspieler endlich ernst genommen wurde.

Und doch ist  beherrschende Gedanke, während  man Ledger als Joker in "The Dark Knight" zuguckt: "Das ist die Rolle seines Lebens."



Ledger löst sich mit der Darstellung von Batmans Gegenspieler Joker komplett von dem Charakter ab, den Jack Nicholson 1989 unter Tim Burtons Regie entwickelt hatte. Ledgers Joker ist kein böser, aber irgendwie auch lustiger Comic-Clown, sondern ein verlogener, Massen mordender, psychopathischer Terrorist mit verschmiertem Make-Up und einem irritierenden Zungen-Tic.

Dieser Joker ist ein Bösewicht in einem Post 9/11-Gotham: er platziert Bomben in den Bauchhöhlen tumber Gefängnisinsassen, die so zu unfreiwilligen Selbstmordattentätern werden, bringt seine Komplizen um, ohne eine Sekunde zu zögern, und macht Batman geschickt zum Mittäter seiner boshaften Plots. Seine Grausamkeit und Gewalt sind grundlos: Geld ist egal, Liebe gibt es nicht, Komplizentum auch nicht. Es ist vor allem die Freude an der Explosion, am Chaos, die diesen Joker antreibt. Und unter dem Hass und der Gewalt, da ist Trauer, in diesem Joker.

In einer Szene trägt Ledger als Joker Krankenschwestern-Kostüm, eine Aufmachung, die an jedem anderen denkbaren Darsteller wohl lächerlich gewirkt hatte, doch während Ledger im Kittelkleid vor einem explodierenden Gebäude lachend herumstolziert, fürchtet man sich vor und sorgt sich zugleich um diesen kaputten Fiesling. Was hat Dich bloß so ruiniert?

Es ist eine Freude, Heath Ledger in dieser unglaublichen, furchteinflößenden Rolle zuzusehen. Auch wenn an diesem Joker so gar nichts ist, das einen freudig stimmt. Sobald die großartige Kamera von Wally Pfister Ledger ins Blickfeld bringt, macht dieser Film Spaß. Man will mehr von diesem Terroristen.



Neben diesem Joker wirkt der eigentliche Held des Films,  Batman, konsequent blass. Unter alle Superhelden-Rollen ist die von Batman sicher die Schwierigste, denn um durch die Gummihülle der Fledermaus-Kappe und die nervige Stimm-Verzerr-Box durchzukommen, braucht es einiges an schauspielerischer Energie.

Christian Bale gelingt es leider nicht, diese Energie aufzubringen; sein Bruce Wayne ist auch im Straßenoutfit im Gesicht paralysiert, als träge er rund um die eine unsichtbare Fledermaus-Kappe. Schade, aber egal, denn Ledger entschädigt in diesem Film für jede Schwäche.



Und dieser Film hat, neben dem blassen Batman, so einige. Der Plot ist holperig, Personen werden eingeführt und gleich wieder fallen gelassen, und in den gut 150 Minuten Laufzeit wird es - wenn Ledger gerade mal nicht zu sehen ist - durchaus auch mal langweilig.

Und doch ist das Gesamturteil über diesen Film ein Gutes. Denn trotz der bekannten Protagonisten werden die Standard-Regeln des Superhelden-Genres gebrochen: die klare Unterscheidung von Gut und Böse gibt es nicht mehr. Das Gute siegt nicht zwangsläufig, gute Menschen sterben, böse (oder wenigstens zwiespältige Menschen) werden gerettet, der eigentlich Held wird nicht gelobt sondern gejagt. Anstatt schwarz und weiß gibt es tausend Schattierungen von grau.

In seiner Wirkung ähnelt Nolans "Dark Knight" somit großartigen Thrillern wie Michael Manns "Heat" oder Scorsese "The Departed" weitaus mehr, als  anderen Superhelden-Filmen. Und er lässt den Zuschauer ebenso verstört und fasziniert zurück.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





Trailer: The Dark Knight

Quelle: YouTube