Film der Woche: Terminator - Die Erlösung

Christian Heller

Die neueste Inkarnation des Terminator-Zyklus verspricht nun endlich jenen postapokalyptischen "War against the Machines", mit dem die vorherigen Teile dem Publikum immer wieder den Mund wässrig machten. Was macht Terminator Salvation aus diesem Versprechen? Christian hat den Film für Euch angeguckt.



Kino-kompatible Träume vom Ende der menschlichen Zivilisation gibt es viele. Vom Heißwerden des Kalten Kriegs in Atompilzen über die Zombie-Pest bis zur spontanen globalen Unfruchtbarkeit wusste das Kino bisher eine Menge aufregender Bilder vorzuführen. So auch schließlich im "Skynet" der Terminator-Reihe, der Alptraum-Variante einer Technologischen Singularität: Der Mensch leistet einer Künstlichen Intelligenz Geburtshilfe, die sich in ihrer Entwicklung verselbständigt und ihn überwältigt.


Was früher mit dem Golem oder Frankensteins Monster eher ein vereinzeltes Problem war, die Maschine, die sich gegen den Schöpfer wendet, wird mit Skynet zur apokalyptischen Übermacht aus Metall und High-Tech, die kurz nach Bewusstwerdung den Großteil der Menschheit via Kontrolle der irdischen Atomwaffenarsenale auslöscht. Der kümmerliche Rest sieht sich Skynets sich rasch selbstständig vervielfältigender Armada aus hochtechnisierter und hochintelligenter Tötungsmaschinerie ausgesetzt.



Das Wissen um diese Zukunft war der Briefbeschwerer, der die vorherigen, prä-apokalyptischen Terminator-Teile in attraktivem Fatalismus zusammenband. Der dritte Teil endete vielversprechend mit den Eröffnungsmomenten des Weltuntergangs. Der vierte verortet sich bereits weit dahinter, mitten im postapokalyptischen Kampfgeschehen, und macht leider weniger aus der Einführung seiner endlich erreichten Endzeit-Welt, als sich angeboten hätte.

Er teilt sich in zwei Heldenstränge auf: der altbekannte John Connor (Christian Bale) und die Neu-Einführung Marcus Wright (Sam Worthington). Letzterer trägt den eigentlichen, ursprünglichen, besseren Film in sich: Ein noch vor dem Weltuntergang Hingerichteter, der seinen Körper für Experimente der Wissenschaft zur Verfügung stellt und so post-mortem unvermittelt in der Zukunft wiedererwacht, die Trümmer der Zivilisation, die Ruinen von Los Angeles durchstreift und dabei den Krieg zwischen Mensch und Maschine begreifen muss, in dem er bald selbst eine unheimliche Doppelrolle für sich erkennt.



Diese Rolle sollte ursprünglich Christian Bale spielen, der aber, aus welchen Ego-Gründen auch immer, lieber den Gesamttrilogie-Helden John Connor spielen wollte, für den der Film eigentlich mehr eine Rolle des magischen Abwesenden, der Stimme aus dem Radio, des religiös aufladbaren Leerkörpers vorsah.

Das wiederum wäre natürlich eine zu minimale Rolle für Bale gewesen. Deshalb spielt Bale jetzt einen vordergründigen, Leinwand-eitlen John-Connor-Actionhelden, der die Filmhandlung von der ersten Szene an als ziemlich banale Ballerspiel-Anordnung vor sich hertreibt und der Figur des John Connor nichts hinzuzufügen weiß, was nicht schon in den vorherigen Filmen ausformuliert war.

Der tragische Strang um Marcus Wright dagegen findet sich solcherart in seinen Möglichkeiten an den Rand gedrückt und durch Anpassungsnöte aufs Am-Ende-noch-Reinpassende verbogen. Er wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Welt nach der Skynet-Machtergreifung mit frischem Blick neu einzuführen, überhaupt als Welt zu gestalten, doch dazu gönnt sich der Film kaum mehr den Raum. Er übernimmt das bereits in den Vorgängern Gesagte und weiß nur selten etwas hinzuzufügen, und dann meist nur oberflächlich, undurchdacht und auf platteste Formeln aus der B-Film-Klischeekiste zurückgreifend.



So verbleibt von "Terminator Salvation" vor allem nur ziemlich gewöhnliches Actionkino, das aber auch kaum etwas hergibt, was man nicht schon woanders zigmal gesehen hätte. Er gönnt sich etwas mehr Industrielandschaftenpornographie als die Konkurrenz, hat schöne Ruinen, vieles ist Stahl, Scheppern, Schleifen, Dröhnen. Die Oberflächen-Fetische der Serie werden durchaus befriedigt, bis hin zum CGI-Antlitz eines jüngeren Arnold Schwarzenegger.

Aber all dem mangelt es an der epischen Schwere und Entschlossenheit, die die ersten beiden Terminator-Filme noch besaßen und die der dritte sich wenigstens in seiner Schluss-Sequenz erlaubte. Abseits der zwar nicht revolutionären, aber durchaus soliden Action und des pflichtschuldigen Abhakens der vordergründigen Standard-Attribute der Serie, lohnt der Blick vor allem hierfür: die sichtbaren Anlagen hier und da für einen besseren, interessanteren Film, die unterentwickelten Einfälle und Fragen an die neue Welt, das verstörende ursprüngliche Handlungskonzept, das in Unentschiedenheit, Beliebigkeit versenkt wurde.

Aus all dem macht der Film durchaus immer mal wieder ein bisschen was; aber bedauerlichweise viel zu wenig.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik








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[Alle Bilder: © 2009 Sony Pictures Releasing GmbH]

   



Trailer: Terminator - Die Erlösung

Quelle: YouTube