Film der Woche: Public Enemies

Jennifer Borrmann

Als Frauen noch "doll” und "sugar” genannt wurden, als Männer noch toughe, hard-boiled Humphrey Bogart-Helden waren und ihren eigenen Ehrencodices folgend für die gute Sache kämpften, als diese Männer vom Volk dafür geliebt wurden und Maschinengewehrschüsse noch derartige Funken erzeugten, dass sie Special-Effects obsolet machen...In dieser Zeit hat Michael Mann 'Public Enemies' angesiedelt. Jennifer hat ihn für euch angeguckt.



Wir befinden uns im Chicago des Jahres 1933. Während der sogenannten Great Depression wurde der Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) zum ersten Staatsfeind No. 1 in „America’s first war on crime“ erklärt. Der damalige Präsident J. Edgar Hoover (Billy Crudup) persönlich setzte an die Spitze seines noch im Aufbau begriffenen Federal Bureau of Investigation den Agenten Melvin Purvis (Christian Bale), der später für die Überführung zahlreicher Gangster und Ganoven bekannt wurde.


Es ist die amüsante Geschichte, in der ein Kleinkrimineller Dillinger schließlich im Gefängnis einsitzend, erst dort im Hort der Bestrafungs- und Besserungsanstalt lernt, wie man die richtigen Dinger dreht. Und das tut er denn auch: 14 Monate lang rauben er und seine Bande viele Banken in mehreren Staaten aus – ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem FBI, dem jedoch das gewisse psychologische Etwas à la Robert de Niro und Al Pacino in „Heat“ fehlt.



Der Film ist keine eins-zu-eins Übertragung der Realität in bewegte Bilder. Nicht allein wenn Evelyn Billie Frechette (Marion Cotillard) mit ins Spiel kommt, die dem smarten Bankräuber auch noch eine gefühlvolle Seite entlockt, wird hier Romantisierung von Geschichte betrieben. Auch die Outlaw-Liebe der Zuschauer wird gekonnt in den Vordergrund gestellt, negative Seiten der Gangster bleiben unbeleuchtet im Schatten der glorreichen Raubzüge.

Auch der Film im Film fehlt nicht: “Manhattan Melodrama” mit Clarke Gable spielt in „Public Enemies“ und im Leben von John Dillinger selbst eine Schlüsselrolle und könnte bei einer Diskussion über die Ausschlachtung von Ereignissen für PR-Zwecke für ausgiebig Stoff sorgen: Das Filmstudio selbst, das „Manhattan Melodrama“ herausbrachte, wollte sich das berühmte „Lady in red“-Ereignis, das 1934 vor dem Kinotheater geschah und das Ende einer Gangster-Ära einläutete, für Werbemaßnahmen zum Film zu Nutze machen. Man könnte meinen, jemand hätte sich die Geschichte für das Kino ausgedacht – manchmal ist es aber tatsächlich die Realität, die filmreif erscheint.

Der benutzte Farbfilter hätte bei anderen Geschichten vielleicht gestört. Hier erscheinen die Farben wie Metaphern für die Great Depression: alles ist in sepia gehalten, die Brauntöne richten den Fokus auf das trockene, verdörrte Farmland der amerikanischen 1930er Jahre im Mittleren Westen und machen die Armut und die Not der Farmer deutlich.



Der Soundtrack ist phantastisch rockig und wenn nötig auch romantisch: Otis Taylors „Ten Million Slaves“ bringt den nötigen Schwung für die Bankraubszenen; Billie Holiday wird für die eher ruhigen Sequenzen eingesetzt; der Komponist Elliot Goldenthal, der schon bei „Heat“ mit Michael Mann zusammenarbeitete hat hier Musik geschaffen, die – zur Abwechslung mal eben nicht von Danny Elfman oder Hans Zimmer komponiert – unter die Haut geht.

Von Beginn an ist die Geschichte geprägt durch Flucht und Jagd, wobei es nicht so sehr um eine Kategorisierung von Gut und Böse im Sinne von Polizei vs. Verbrecher geht, sondern Sympathieträger ist eindeutig die Chicagoer Gangsterbande. Es wird gerannt, versteckt und geschossen was das Zeug hält.

Manchmal erinnert das Tempo ein wenig an Arthur Penns New Hollywood-Road Movie „Bonnie & Clyde“. Michael Mann, der Regisseur, Co-Autor und Produzent von „Public Enemies“ ist, hat besonders mit Hilfe der grandiosen Bilder seines Kameramanns Dante Spinotti einen Film geschaffen, der vor allem durch dessen visuelle Konzeption überzeugt.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





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[Alle Bilder: © 2009 Universal Studios. ALL RIGHTS RESERVED.]



Trailer: Public Enemies

Quelle: YouTube