Film der Woche: Operation Walküre

Jonas Nonnenmann

Aufruhr gab es um "Operation Walküre" schon bevor die Dreharbeiten begonnen hatten: ein Scientologe will den gescheiterten Hitler-Attentäter von Stauffenberg spielen und gefilmt werden sollte auch noch an historischen Orten. Herausgekommen ist ein Film mit wenig Tiefgang, in dem Stauffenberg zu eindimensional dargestellt wird, meint Jonas.



Schon die Eröffnung des Films stellt klar, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) der Übermensch ist, der Deutschland die Rettung bringen soll. Die Verbrechen an der Ostfront seien eine Schande für die Wehrmacht, schreibt Stauffenberg in sein Tagebuch. Und: „Sie können dem Führer dienen oder Deutschland. Nicht beiden.“ Deshalb gibt es für ihn nur einen Ausweg, Hitler muss weg.


An dem Image des moralisch überlegenen Helden wird den ganzen Film über nicht gerüttelt. Allzu oft bedient sich Regisseur Bryan Singer einer Zitatesammlung markiger Sprüche. Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass „Superman Returns“ und „X-Men“ zu dessen früheren Filmen zählen.



Die Vereinfachung Stauffenbergs ist schade, denn der Charakter bietet mehr als das. Allein schon, weil er keinesfalls der typische Vorzeigedemokrat war. Im Gegenteil: Stauffenberg lehnte die parlamentarische Demokratie ab und wirkte vor seinem Sinneswechsel aktiv am Aufbau der SA mit.

Stauffenbergs Überzeugungen bieten also jede Menge Reibungsfläche, doch die bleiben den Zuschauern erspart. Sicher: Stauffenberg war kein Opportunist, und er hat mit dem Anschlag sein Leben riskiert. Das ist bewundernswert, aber eben nur eine Seite der Medaille.



Und auch die Ziele der Mitverschwörer bleiben schleierhaft. Klar wird zwar, dass der Krieg beendet und Carl Goerdeler (Kevin Mc Nally) Reichskanzler werden soll. Nicht so deutlich wird allerdings, dass die Verschwörer aus konservativen Kreisen kommen und viele wohl eher die Sicherung eines autoritären Systems im Sinn hatte als die Errichtung einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

Gewinner des Helden-Pathos ist vor allem Tom Cruise, der sich mit der Spannung des Films zum Ende hin steigert. Als es ernst wird und Stauffenberg mit der Bombe unter dem Arm angsterfüllt die Wolfsschanze betritt, blüht Cruise in bester „Top Gun“-Manier richtig auf.



Nach der Zündung der Bombe sollte dann eigentlich sofort die Operation Walküre in Kraft treten und Hitlers Ersatzherr als Waffe gegen SS und SA eingesetzt werden. Doch der Verantwortliche General Olbricht (gut gespielt von Bill Nighy) zögert mit dem Befehl, was schließlich Stauffenberg umso mehr Fläche bietet, sich als Mann der Tatkraft zu profilieren.

Rettet der Film nun die Ehre der Deutschen, ist er gar ein größerer Imagegewinn für unser Land als zehn Fußballweltmeisterschaften, wie Regisseur von Donnersmarck behauptet?

„Operation Walküre“ bietet in der Tat Abwechslung zu der Art von Filmen über das Dritte Reich, in denen 90 Prozent der Deutschen als Mörder und Banditen dargestellt werden. Allerdings begeht der Film den Fehler, ins andere Extrem zu verfallen. Und verliert dadurch auch ein Stück weit seine Glaubwürdigkeit.



 

fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik

 



Mehr dazu:






Trailer: Operation Walküre

Quelle: YouTube