Film der Woche: Leatherheads

David Harnasch

Mit Leatherheads (deutscher Filmtitel: "Ein verlockendes Spiel") beweist George Clooney als Regisseur und Hauptdarsteller, dass romantische Komödien keineswegs dämlich sein müssen und erzählt eine zeitlose Geschichte, die nur zufällig in den 1920er Jahren und im Footballmilieu spielt.



Um den Klatsch vorweg zu klären: George Clooney ist wieder solo, warum weiß keiner, auch wenn  „SPIEGEL online“ lieber das Schmierblatt Daily Newszitiert als in den dort zitierten hochseriösen „New Yorker“ zu gucken, was einen SPON-„Artikel“ weniger bedeutet hätte. Die Trennung erfolgt jedenfalls zum richtigen Zeitpunkt: Vielleicht motiviert ja die zumindest theoretische Verfügbarkeit Clooneys die eine oder andere Dame zusätzlich, sich „Leatherheads“ anzusehen.


Vordergründig erzählt der Film von Jimmy „Dodge“ Connelly (Clooney), einen alternden Footballspieler, der sonst nichts gelernt hat und nun droht, mitsamt seinem Gurkenteam pleite zu gehen. Er setzt alles darauf, mit dem College-Football-Star Carter „Bullet“ Rutherford (John Krasinski) als Zugpferd nicht nur die eigene Mannschaft, sondern die ganze Sportart zu neuen professionellen und finanziellen Höhen zu führen. Doch die Karrierereporterin Lexie Littleton (Renée Zellweger) ist einem Geheimnis aus Rutherfords Vergangenheit auf der Spur, dass sein Image nachhaltig schädigen könnte. Natürlich haben beide Männer ein Auge auf sie geworfen.



In Wirklichkeit ist dies eine Verneigung vor den Filmen der Screwball-Comedy-Ära, es geht um das auch aktuell deutlich spürbare Bedürfnis postheroischer Gesellschaften nach Heldengeschichten und darum, wie großes Geld und feste Regeln jedem echten Spieler – sei es beim Poker, im Sport oder am Filmset – den Spaß verderben. Diese Gefahr droht dem Zuschauer im Kino nicht. Man mag sich vorstellen, wie Clooney nach dem hunderttausendsten Vergleich mit Cary Grant entschied: OK, dann gebe ich Euch jetzt Cary Grant! Wobei Cary Grant auf zurückgelehnte Art cool war, während Clooney charmant angriffslustig cool ist – grandios zu beobachten bei Connellys erstem Wortgefecht mit Lexie Littleton.

Der Kunstgriff, die Geschichte 1925 anzusiedeln zahlt sich aus. So können clevere Dialogschlachten die genreüblichen (und inzwischen reichlich abgenutzten) Zweideutigkeiten ersetzen, die bei romantischen Komödien in der Jetztzeit leider Pflicht sind.



Ein Risiko besteht allerdings: Ein Sportfilm, in dem es ausgerechnet um American Football geht, zieht nicht unbedingt europäische Frauen ins Kino. Vermutlich klang dem Verleih aus diesem Grund auch der Originaltitel „Leatherheads“ zu martialisch, was die grenzdebile Übersetzung „Ein verlockendes Spiel“ nicht entschuldigt, aber erklärt. Dabei kann man Entwarnung geben: Die (sowieso total unübersichtlichen) Sportszenen nehmen erfreulich wenig Raum ein und setzen keinerlei Vorkenntnisse voraus.

Außerdem wird gerade so viel geprügelt, dass auch der die Zuschauerin begleitende Lebensabschnittsgefährte seinen Spaß hat. Es gilt die übliche Rollenverteilung: Die Mädels wollen mit Clooney schlafen und die Jungs sind ihnen nicht böse, weil sie Clooney sein wollen. Denn der sagt im Film „Man ist so jung, wie die Frauen, die man fühlt!“ und im echten Leben „Wer will denn zweiundsiebzig Jungfrauen? Ich hätte lieber acht Profis!“ – und wird trotzdem geliebt. Zurecht.

fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt


Musik



Mehr dazu:

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Trailer: Ein verlockendes Spiel

Quelle: youtube

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