Film der Woche: Harry Potter und der Halbblutprinz

Annette Leiderer

In dieser Woche läuft die Verfilmung des sechsten Bandes aus J.K. Rowlings Bestsellerserie an: Harry Potter und der Halbblutprinz. Mit genügend Abstand zur Romanvorlage ist Regisseur David Yates ein Blockbuster für Erwachsene und Jugendliche gelungen, der allerdings an den Vorgänger nicht ganz heranreicht.



Um der Handlung des Films folgen zu können, muß man kein Vollblutfan der Reihe sein. Harry ist wieder eine Sommerferienpause älter geworden und mit jedem Tag rückt die Entscheidungsschlacht zwischen ihm und Lord Voldemort näher, die voraussichtlich im Juli 2011 in den Kinos zu sehen sein wird. Davor muß er noch einige Abenteuer bestehen und Rätsel lösen.


Harry wird von seinem Schulleiter, Vertrauten und Vorbild Albus Dumbledore beauftragt, den neuen Lehrer für Zaubertränke, Horace Slughorn, für sich zu gewinnen. So soll er Slughorn dazu bringen, ihm eine Erinnerung aus der Jugend Tom Riddles a.k.a. Lord Voldemorts auszuhändigen. Diese ist der Schlüssel im Kampf gegen Voldemort und damit für die weitere Entwicklung des sechsten und siebten Teils von zentraler Bedeutung.

Harry ist wie geschaffen für diesen Job, denn Lehrer und Lebemann Slughorn, den Oscarpreisträger Jim Broadbent genial verkörpert, umgibt sich am liebsten mit prominenten, exzellenten oder sonstwie auffälligen Schülern. Diese Schwäche hat ihn Jahre zuvor zum Vertrauten des jungen Lord Voldemort werden lassen, der ja bereits als Junge ein hochbegabter Zauberer war.



Natürlich kann an dieser Stelle weder der exakte Inhalt der Erinnerung verraten werden noch sollte man ausplaudern, wie Harry letzten Endes Slughorn dazu bringt, sich ihm zu offenbaren. Aber David Yates hat sich eine sehr amüsante Umsetzung der Buchvorlage überlegt, um diesen Wendepunkt des Films in Szene zu setzen.

Tatsächlich teilt Slughorns Geständnis den Film in zwei ungleiche Hälften: Bis zu dieser Szene dreht sich der Film vor allem um das Liebesleben der Hogwartsschüler: „Wer mit wem?“, „Wer NICHT mit wem?“ und „Warum?“ fragt sich die Mehrheit von Harrys Klassenkameraden und natürlich auch er selbst.

Von diesen Hormonschüben ist einzig Harrys jugendlicher Gegner Draco Malfoy komplett ausgenommen. Da er vom dunklen Lord eine wichtige Aufgabe übertragen bekommen hat, plagt ihn sowohl die Angst vor dem Versagen als auch vor der Durchführung seiner schrecklichen Aufgabe. Der Zuschauer wird erst während des Showdowns erfahren, welch furchtbaren Dienst Draco übernehmen soll. Aber nicht nur das Ende des Films, sondern der zweite Teil an sich ist düsterer gehalten als die Ränkespiele der Jugendlichen. Denn nach Slughorns Geständnis schildert der Film im Kern, wie Harry und Dumbledore den Kampf gegen Voldemort aufnehmen.



Über die gesamten 153 Minuten wird dem Kinobesucher eine Menge geboten: Dank der Romanvorlage ist eine spannende Handlung ohne Logikbrüche gewährt. Die Ausstattung der Filme ist nach wie vor von höchster Qualität und zeigt außerordentliche Liebe zum Detail. So wurde zum Beispiel der Kaufladen der Weasley-Zwillinge nicht computeranimiert, sondern bis in die Verpackungen von Hand gemacht. Das Niveau der Spezialeffekte wurde, zum Beispiel beim Quidditch, verbessert. Und was vor allem für eingefleischte Fans wichtig ist – man trifft jede Figur aus der Harry-Potter-Reihe wieder und lernt in diesem Teil vor allem viele neue Seiten an ihnen kennen: Das gilt insbesondere für Ron, Hermione, Severus Snape und Lord Voldemort.

Was alllerdings als wirkliches Manko des Filmes festgehalten werden muß, sind zwei Aspekte: Das großartige Bedrohungsszenario aus dem „Orden des Phönix“ wird nicht weitergeführt. Leider büßt der Film dadurch seine Brisanz ein, die aus Harry Potter immer schon mehr als ein Kinderbuch beziehungsweise einen Kinderfilm gemacht hat: Jeder Kinobesucher fühlte sich an George Orwell oder an Maßnahmen zur Terrorbekämpfung erinnert, wenn er die Reaktionen von Muggels und Zauberern auf Voldemorts Bedrohung sah.



Im Film erreicht diese beklemmende Verunsicherung Hogwarts nicht und wird daher über weite Teile des Films ausgeblendet. Auch das Thema des Rassismus innerhalb der Zaubererwelt, in der Begriffe wie Vollblutzauberer und Schlammblutzauberer kursieren, bleibt unberücksichtigt. Gerade die Vernachlässigung dieses Themas überrascht. Hätte schon allein die Frage, wer denn der titelgebende Halbblutprinz ist und, warum er sich ausgerechnet diesen Namen ausgesucht hat, einen hervorragenden Aufhänger geliefert.

Das Fazit zum Film fällt trotzdem positiv aus: Zwar hat Regisseur David Yates mit der Einführung von mehr humorigen Passagen Zugeständnisse gemacht, die den Blockbusterfaktor der Harry-Potter-Reihe erhöhen. Aber nach wie vor steht sie für qualitativ hochwertige Unterhaltung. Vielleicht besinnt sich Yates ja bei der zweiteiligen Verfilmung des siebten Bandes „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ wieder mehr auf die psychologischen Kämpfe und Herausforderungen der Akteure. Daß er deren Darstellung beherrscht, hat nicht nur seine Regiearbeit für „Der Orden des Phönix“ sondern auch für die exzellente britische TV-Vorlage zum aktuellen Politthriller „State of Play“ bewiesen.



fudder-Bewertung

Anspruch



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera





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Trailer: Harry Potter und der Halbblutprinz

Quelle: YouTube