Film der Woche: Die Partei

Christian Heller

Vor einem halben Jahrzehnt gründete die Redaktion des Satiremagazins "Titanic" eine politische Partei: "Die PARTEI". Deren filmische Selbstdarstellung findet nun den Weg in bundesdeutsche Kinos.



Flash-forward ins Jahr 2013: Fahrt zum Reichstag, wo die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative" (kurz: "Die PARTEI") nun die Herrschaft errungen hat. Im Wagen sitzt der Parteivorsitzende Martin Sonneborn und sinniert in die Kamera großkotzig über Machtbewusstsein und Modernismus seiner politischen Bewegung.


Aus dieser Klammer heraus spannt der Film einen Bogen auf zurück bis zu den Anfängen der PARTEI. Ereignisse wie Parteigründung, Parteitag und Propaganda-Aktionen in der Fußgängerzone wurden von Anfang an auch fürs Videobild mitinszeniert; und worauf das nicht zutreffen sollte, das kann man ja nachstellen.

Vorderster Gegenstand des Projekts "Die PARTEI" ist offenbar die Analyse, Erfüllung und Übererfüllung der äußeren Form, die Politik hierzulande zur anerkannten Politik macht; aufgeklärt und präzisiert durch betonte Leere oder Austauschbarkeit des Inhalts. "Wir sind eine Partei, weil wir eine Partei sind!" brüllt der Ehrenvorsitzende Oliver Maria Schmitt ins Mikrophon, und liegt damit ganz richtig: Nicht die Inhalte machen die Politik, sondern die Muster und Darstellungsweisen, in die sie gegossen werden.

Also interessiert sich der Film dafür, wie ein Schmitt oder ein Sonneborn reden und gestikulieren müssen, um als Politiker rüberzukommen. Wie ihre Phrasen zu strukturieren sind und wie sie sich zu kleiden haben, um ernstgenommen zu werden. Mit welchem Tonfall man Macht und Bedeutsamkeit spielt, um sich Einladungen und Gefälligkeiten zu ergaunern.



Dieses Interesse an der Oberfläche des Politischen führt den Vorstand der PARTEI auch zu einer Mal-anfassen-Besichtigung des Bundestags, wo Türaufkleber ästhetisch kontrolliert, Büros von Abgeordneten vermessen und repräsentative Möbel für späteren Kauf reserviert werden. Man könnte solche Szenen teils für eine affirmativ-lehrhaft gemeinte Reportage über die Innenräume des parlamentarischen Systems halten, wäre da nicht die boshafte Art, in der Sonneborn angetroffene Abgeordnete konfrontiert und vorführt.

Mit ansteigender Frivolität nutzt Die PARTEI ihre Beherrschung der Formen gegenüber Medien, Beamten und Politikern. Höhepunkt ist eine Reise nach Georgien, wo man sich als Delegation einer bedeutsamen deutschen Oppositionspartei ausgibt, von der georgischen Opposition begeistert empfangen wird, einen Kooperationsvertrag unterzeichnet und ins Staatsfernsehen gelangt. Die vielfach publiziert hierbei im Namen Deutschlands vorgetragene Entschuldigung für den Bruch des Hitler-Stalin-Paktes scheint allerdings in der vorliegenden Filmfassung unter den Schneidetisch gefallen zu sein.

"Die endgültige Teilung Deutschlands -- das ist unser Auftrag" steht als Motto schon seit zwei Jahrzehnten im Impressum der "Titanic", und der Wiederaufbau der Mauer ist auch offiziell die politische Hauptforderung der PARTEI. Doch auch diese Idee zeichnet der Film weniger als eigentlichen Antriebsgrund des Projekts denn als weitere Übererfüllung parodierter Standards des politischen Systems: eines Profilierungsthemas für einen rein Medien- und Umfragen-bewussten Populismus (mehrfach beruft sich Sonneborn auf eine Umfrage, nach der 21% der Deutschen die Rückkehr der Mauer wünschten), der ein Ausspielen von Ressentiments unter Bevölkerungsgruppen ermöglicht und sowohl Sendezeiten im Privatfernsehen als auch Titelseiten im Zeitungsboulevard beschert.



Hierüber spielen sich dann auch einige der reizvollsten Aktionen und Montagen ab, etwa in der Gegenüberstellung eines verelendeten Westdeutschlands, repräsentiert durch Krefeld, mit einem glanzvoll restaurierten Dresden. In Krefeld muss das PARTEI-Wahlkampfteam wenig Überzeugungsarbeit leisten, um Fürsprecher für die These zu finden, dass der Westen vom Osten ausgebeutet werde.

Ein Stand in Dresden an der Frauenkirche dagegen, der eben deren "Wiederabriss" zur Erlangung von Baumaterial für den Wiederaufbau der Mauer fordert, stößt auf wenig Begeisterung. Bedauerlich wenig Videomaterial ist von letzterer, in der damaligen Titanic-Ausgabe ausführlich beschriebenen Aktion zu sehen -- vermutlich zeigten sich wenige Gefilmte gewillt, Einverständniserklärungen zur Veröffentlichung zu unterschreiben.

Auch viel anderes Interessantes, von dem man im Zusammenhang mit der PARTEI gehört haben mag, wird vom Film in seiner Kürze leider nur randständig oder gar nicht abgehandelt: prominente Kandidaten wie Rocko Schamoni (immerhin Heinz Strunk zeigt man kurz), die Jugendorganisation "Hintner-Jugend" oder auch die Zusammenarbeit mit der APPD. Dafür aber gibt es einen unerwarteten Gastauftritt von Helge Schneider.

Alles in allem lohnt sich der PARTEI-Film auf jeden Fall für alle, die bisher an diesem Projekt Interesse zeigten.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





Mehr dazu:

[Alle Bilder: © Die PARTEI/Titanic Filmverleih]



Trailer: Die PARTEI - Der Film

Quelle: YouTube