Film der Woche: Der rote Baron

Alexander Ochs

Erster Weltkrieg: Manfred von Richthofen alias "Der rote Baron" ist schon in jungen Jahren eine fliegende Legende. Danach ist er tot. Und dazwischen spielt der Film von Nikolai Müllerschön, mit dem der Regisseur eine gnadenlose Bruchlandung hinlegt.



„Ich will doch nur spielen“

Schon die erste Szene gönnt dem Zuschauer reichlich Zuckerguss: Wie weiland Kevin Costner in „Der mit dem Wolf tanzt“, reitet der junge Manfred jesuslike mit ausgebreiteten Armen auf seinem Pferd über eine Lichtung. Vor lauter Begeisterung, ja Hingabe, weil sich ein Flugzeug über ihm befindet.

Nächste Szene: Bei der Beerdigung eines Engländers (eines Feindes!) tauchen am Himmel plötzlich deutsche Flieger auf – nur um einen Kranz ins offene Grab zu werfen. Denn sie kannten und schätzten den Verstorbenen. Ja, so sind sie, unsere Helden! Menschlich, ehrenhaft und vor allem voller Sportsgeist!

Eingehüllt in dicke, schicke Pelzmäntel führen sie, auf Sichtkontakt mit dem Feind, ihre Flugkünste vor und wollen uns weismachen: Ist doch alles nur Spaß, Spiel und Sport! Der erste Weltkrieg als Tag der offenen Tür bei der Flugkunststaffel. So zelebriert und perpetuiert Regisseur Nikolai Müllerschön die Illusion von Krieg als fairen, sportlichen Wettkampf.

"Hätte da nicht Annett Louisan Regie führen können?," frage ich mich unfreiwillig. „Ich will doch nur spielen.“ Und tatsächlich! Sofort rattert eine Modelleisenbahn über den Frühstückstisch der jungen Soldaten, denn eigentlich sind es ja nur lauter kleine, nette Jungs.

 

Sprachliche Fallstricke

Sprachlich ist der Film kurz vor der freiwilligen Selbstaufgabe angesiedelt. Warum? Das Holz ist Schuld. Hä? Wegen der hölzernen Dialoge, der holzschnittartigen Figuren, die alles andere als glaubwürdig sind (schon gar nicht die „große Schluss-Erleuchtung“, als sich der flug- und schießwütige von Richthofen in einen „echten, wahren Guten“ verwandelt) und einer sowas von an den Haaren herbeigezogenen sprachlichen Eigenheit der weiblichen Hauptfigur Käte (Lena Headey), dass es einem die Socken hochrollt. Die Gute, Spross deutsch-belgischer Eltern, beherrscht ein lupenreines, grammatisch brillantes Deutsch, verfügt über einen immensen Wortschatz („verschlagener Schurke“), aber hat blöderweise diesen klischierten französischen accent, den sich nur ein Holzkopf ausdenken kann.

Ein paar Beispiele für die sprachliche Fallhöhe gefällig?

„Ich greife nur an, wenn ich gewinnen kann.“
„Piloten sind Götter. (…) Götter sterben nicht.“
„Wir sind Sportsmänner, keine Schlächter.“
„Ich hasse Sie nicht. Hassen ist Männersache.“
„Du bist wunderschön.“
„Du bist böse auf mich.“
„Du hast mir die Augen geöffnet.“
„Du bist mein größter Sieg.“

Schlichte Sätze, schlichte Weisheiten.

Bombasto-Schmonzette

Selbst dem sonst so großartigen Schauspieler Matthias Schweighöfer nehme ich diese Rolle einfach nicht ab. Zu salopp, zu ungelenk stakst, fläzt und lümmelt Schweighofen-Richthöfer in der streng durchhierarchisierten Armee des wilhelminischen Preußen herum. Trotzdem trieft das Pathos schwülstig-schwelgerisch von der Leinwand, gekrönt von der größtenteils schrecklichen Musik. Marke: Bombasto-Kitsch.

Das Fass zum Überlaufen bringen noch diverse Ansätze unfreiwilliger Komik. Etwa, wenn der Baron – er bringt es auf 80 Abschüsse in seiner Laufbahn – in die Krankenschwester Käte „verschossen“ ist. Doch auch die Liebesgeschichte kommt so gar nicht in Gang…

Immerhin kommt bei den Flugszenen noch eine gewisse Spannung auf. Doch auch dies kann den Film nicht aus dem Sumpf der klebrigen Schmonzette mit weitgehend unglaubwürdigen Figuren und Volten befreien. Und das trotz mehr oder weniger prominenter Besetzung, beispielsweise mit Til Schweiger und Joseph Fiennes. Mit einem Budget von 18 Millionen Euro ist „Der rote Baron“ eine der teuersten deutschen Filmproduktionen bislang. Wenn man den Abspann liest, könnte man allerdings meinen, es handle sich um eine tschechische.

Tom Cruise allerdings soll der Film gefallen haben, sagt Matthias Schweighöfer.

 



fudder-Bewertung

AnspruchTIPP: TIPP:

GagdichteTIPP:

ActionTIPP: TIPP: TIPP:

Spannung
TIPP: TIPP:

Schauspielerische Leistung
TIPP: TIPP:

StoryTIPP: TIPP:

KameraTIPP: TIPP:

InformationsgehaltTIPP:

MusikTIPP:


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