Film der Woche: Der Brief für den König

Jonas Nonnenmann

Wer in diesem Jahr ins Kino geht, hat gute Chancen, seine Kindheitsbücher auf der Leinwand wiederzuentdecken: nach Narnia und Krabat gibt’s jetzt auch den "Brief für den König" in gepixelter Form. Jonas hat sich den Film zum Fantasy-Bestseller von Tonke Dragt angeschaut.



Um zum Ritter geschlagen zu werden, muss der 16-jährige Tiuri (Yannick Van de Velde) nur noch eine Nachtwache in der Kapelle hinter sich bringen, während der er weder sprechen darf noch den Raum verlassen. Doch mitten in der Nacht ruft ein Fremder vor dem Tor um Hilfe, und Tiuri öffnet - wohl wissend, dass er damit den Ritterschlag unmöglich macht.


Der Knappe bekommt den Auftrag, einen politisch brisanten Brief an den König von Unauwen zu überbringen. Indem er den Auftrag annimmt landet Tiuri, bisher mehr verwöhnter Bubi als schlagkräftiger Ritter, mitten in der Erwachsenenwelt. Plötzlich muss er  es lernen, in einer brutalen Welt Menschen richtig einzuschätzen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Außerdem verfolgen ihn die niederträchtigen roten Reiter, die den Brief und ihn selbst vernichten wollen. Die schönen Verfolgungsjagden sind bildtechnisch einer der Höhepunkte des ansonsten wenig actiongeladenen Films und erinnern etwas an den Herrn der Ringe.

Was muss jetzt noch passieren, dass aus dem Buben ein Ritter wird? Verlieben muss er sich natürlich: zu Besuch bei Burgherr Rafox (Uwe Ochsenknecht) entdeckt Tiuri dessen schöne Tochter Lavinia (Hanna Schwamborn), die er neben dem Essen augenscheinlich am liebsten gleich mit verspeisen würde. Sie scheint ihn auch nicht ganz unsympathisch zu finden, und befreit ihn netterweise aus dem Kerker ihres Vaters.  Bevor er Lavinia wiedersehen darf, muss Tiuri allerdings erst noch gemeinsam mit seinem treuen Freund Paik (Quinten Schram) einige Prüfungen bestehen.



Unter anderem überqueren die beiden ein gewaltiges Gebirge, wobei die Macher erneut mit kolossalen Bildern überzeugen. Musik wird spärlich, aber an den richtigen Stellen eingesetzt, und an einigen Szenen haben Regisseur Pieter Verhoeff und sein Team ganz auf den Ton verzichtet.

Deshalb wirkt  „Der Brief für den König“ über weite Strecken sehr ruhig, zum Teil zu ruhig. Das liegt auch an der mäßigen schauspielerischen Leistung von Tiuri-Darsteller Yannick Van de Velde, der – ganz moderner Teenie – mehr Coolness als Emotionen zeigt.

Tatsache ist, dass der Film – anders als Krabat oder Narnja – für Kinder empfehlenswert ist, aber auch im Kinderzimmer bleiben sollte. Dort ist er allerdings richtig am Platz, denn der „Brief für den König“ ist im Vergleich zu anderen Fantasy-Klassikern deutlich weniger brutal und kann auch von Grundschullehrerinnen empfohlen werden. Blut gibt’s keines zu sehen, und irgendwie ist immer klar dass Tiuri seinen Auftrag  schafft- auch wenn hier nicht verraten werden soll, was in den Brief steht.

Pädagogisch sinnvoll ist auch das Ende: als er doch noch zum Ritter geschlagen wird, schwört Tiuri ganz in der Tradition der Ritter der Tafelrunde, immer die Schwächeren zu beschützen und sich für das Gute in der Welt einzusetzen. Erwachsen sieht er dabei aber trotzdem noch nicht aus.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





Trailer: Der Brief für den König

Quelle: YouTube