Film der Woche: Crossing Over

David Harnasch

Crossing Over erzählt in Episoden die Geschichten verschiedener mehr oder weniger legaler Einwanderer in Los Angeles. Dabei erinnern nicht nur Ort und Handlung an LA Crash.



Max Brogan (Harrison Fors) hat ein weiches Herz. Was an sich liebenswert wäre, ist in seinem Fall ein Problem, denn er arbeitet für die US-Einwanderungsbehörde. Als er Mireya Sanchez in einem Sweatshop aufgreift, bekniet sie ihn, sich um ihren Sohn zu kümmern. Wie so oft gibt er nach.




Cole Frankel bearbeitet Greencard-Anträge und nutzt seine Position schamlos aus, als die australische Schauspielerin Claire Shepard in sein Auto kracht, nachdem ihr Visum nicht verlängert wurde. Claires Freund Gavin Kossef ist zwar Atheist bis auf die Knochen, erinnert sich aber nun gerne an seine Bar Mitzvah, um mit Hilfe der jüdischen Gemeinde seinen Status zu legalisieren.

Nachdem die schleiertragende Taslima Jahangir ein Referat hält, in dem sie Verständnis für die 9/11-Attentäter äußert, bekommt ihre Familie massiven Ärger mit Homeland Security.



Diese und einige andere Handlungsstränge werden in der Kulisse Los Angeles’ perfekt fotografiert und gespielt miteinander verwoben. Nicht nur Erzählweise, optische Umsetzung und Handlung erinnern sehr an LA Crash. Auch das Thema ist nahe an der Rassismusproblematik, die im 'Original' behandelt wurde, und dass der Soundtrack frappierend ähnlich klingt, erklärt spätestens der Abspann: Auch hier saß Mark Isham am Klavier.

Abgesehen von der grotesk überoperierten Visage Ray Liottas ist der größte Kritikpunkt am Film: Als Hommage wird der Streifen nicht kenntlich, oft wirkt er eher wie ein Plagiat des Paul-Haggis-Films von 2004. Dabei fehlt ihm aber der Charme der originellen Umsetzungsideen, zu denen das Team damals angesichts des nicht vorhandenen Budgets zum Glück gezwungen war.

Die handelnden Personen sind zwar perfekt gespielt, aber teils unglaubwürdig angelegt (ein hochintelligentes Mädchen wie Taslima würde niemals eine derartige Dummheit begehen), teils laden sie nicht im nötigen Maß zur Identifikation ein (wenn Claire meint, für eine TV-Karriere mit einem Widerling schlafen zu müssen, ist das ein Luxusproblem, schließlich droht ihr in Australien nicht eben der Hungertod.)

Wer „LA Crash“ nicht gesehen hat, wird große Schauspieler in einem soliden Film zu einem relevanten Thema genießen können. Wer aber das Original kennt, dem sei stattdessen die zugehörige Serie „Crash“ vom US-Pay-TV-Sender Starz dringend empfohlen, die von Paul Haggis erdacht und inszeniert wurde.



fudder-Bewertung

Anspruch



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera





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[Alle Bilder: © 2009 Senator Film Verleih ]

   



Trailer: Crossing Over

Quelle: YouTube