Film der Woche: Che - Revolución

Jonas Nonnenmann

In den 70ern war Ernesto "Ché" Guevara einer von denen, die entweder geliebt oder gehasst wurden. Für seine Anhänger war er der "Jesus Christus mit der Knarre" (Wolf Biermann), seine Feinde sahen ihn lieber tot als lebendig. Heute dient der Commandante als Werbebild der Konsumindustrie, die er gehasst hat. Regisseur Stephen Soderbergh durchstößt diese Schicht der Verklärung und nähert sich in seinem zweiteiligen Werk dem Menschen, der Ernesto Guevara wirklich war.



Diese Wirklichkeit ist so traurig, dass ein Revolutions-Drama dabei herausgekommen ist. Das liegt an Ché (Benicio del Toro) selbst, der langsam an den eigenen Ansprüchen zugrunde geht. Daran können auch seine Siege im kubanischen Hinterland nichts ändern, die der kubanischen Revolution mit den Weg bereiten.


Soderbergh zeigt gute zwei Stunden lang vor allem eines: die Leidensfähigkeit eines Menschen. Sei es keuchend am eigenen Asthma oder ohnmächtig vor dem Tod von Kameraden – von den 82 Revolutionären, die mit der dem Yacht Granma in Kuba gelandet waren, überleben gerade einmal 12 den Sieg gegen das Regime Batistas.



Durchaus heroisch wirken die Disziplin Chés und dessen hohen Ansprüche an sich selbst. Es beeindruckt, wie Guevara sich selbst und seine Truppe allen Widrigkeiten zum trotz durch die grüne Hölle Kubas treibt. Doch Soderbergh zeigt auch die Schattenseiten jener Eigenschaften: Der Commandante überträgt die Ansprüche an sich selbst auf andere, lässt wegen Verrats exekutieren und demütigt Mitstreiter, die sich mehr um ihre Familien kümmern als um die Revolution.

Darsteller Benicio del Toro schafft es, dieser Vielschichtigkeit des Ché gerecht zu werden: Hass und Menschenliebe, Fanatismus und Genialität – all diese Eigenschaften bringt er glaubwürdig zusammen. Offensichtlich, dass ihm dieses Projekt ein besonderes Anliegen war - schließlich beschaffte er als Produzent selbst in jahrelanger Arbeit die Produktionskosten des Films, angeblich 40 bis 60 Millionen Dollar.



Für diesen Betrag könnte man einen Knaller voller Spezialeffekte erwarten,
doch Soderberghs Werk passt so gar nicht in dieses Schema. „Che - Revolución“ ist zähes Anti-Hollywood-Kino und der Zuschauer wird weder mit krassen Actionszenen noch mit besonders eindrucksvollen Bildern belohnt. Auch auf musikalische Begleitung haben die Macher weitestgehend verzichtet. Stattdessen überwiegen in Filmtechniken im Doku-Stil. Die sind eigentlich nicht mehr zeitgemäß für ein unterhaltungsorientiertes Publikum - dafür aber authentischer.

Der Film dramatisiert nicht, er erzählt. Dazu passt, dass die Macher zwischen die Szenen des Guerillakampfes pseudohistorische Aufnahmen in schwarz-weiß schieben. In denen tritt Guevara als Politiker auf, der vor der UN-Versammlung die USA provoziert und selbst als Mörder beschimpft wird.

In Übereinstimmung mit der eigentlichen Handlung überwiegen auch hier Weltschmerz und das bedrückende Gefühl, dass der „Commandante“ eigentlich lieber mit einer Waffe im Dschungel wäre, als sich Rededuelle mit Diplomaten zu liefern.

Was er dann in Teil II ja auch tun wird.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik








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[Alle Bilder: © 2009 Senator Entertainment]

   



Trailer: Che - Revolución

Quelle: YouTube