Film der Woche: Charlie Bartlett

Christian Heller

"Charlie Bartlett" ist eine humanistisch-politische Komödie im Gewand eines High-School-Films. Er erzählt vom Durcheinanderbringen eines Systems durch einen Außenseiter, der anderen Spielregeln folgt als die Welt, in die er eintritt. Christian hat sich für euch den Film von Jon Poll angeguckt.



Diese Welt ist die einer vorstädtischen High School der amerikanischen Mittelklasse, gekennzeichnet durch ein bestimmtes Gemisch aus Milieus, Normen, Zwängen und Hierarchien. Der Außenseiter ist Charlie Bartlett, ein hochintelligenter junger Mann aus wohlhabendem Elternhaus. Er probiert sich in einer Öffentlichen Schule, nachdem sein Verhalten ihn bei allen verfügbaren Privatschulen unduldbar gemacht hat.


Charlie verfügt nämlich -- das scheint ihm aus seinem Elternhaus mitgegeben zu sein -- Über eine ziemlich große ethische Schwerelosigkeit. Er ist gutmütig und möchte eigentlich nur von seinen Mitmenschen gemocht werden, sieht zur Befriedigung dieser Moral aber beispielsweise kein Problem darin, einen Handel mit perfekt gefälschten Führerscheinen für seine minderjährigen Schulkameraden aufzumachen. Bewaffnet mit dieser ethischen Unbeschwertheit, einer Außenseiterperspektive sowie materiellen Mitteln und kulturellem Kapital seiner Schicht mischt Charlie sein neues Umfeld auf.



Charlie soll offenkundig im Mittelpunkt des Films stehen, der ihm auch tatsächlich ein wenig als Entwicklungsroman dient. Am Ende wird er moralisch gereift sein und ein Verantwortungsgefühl entwickelt haben, wo zu Anfang nur gutmütige moralische Naivität und gekonnte Verspieltheit stehen. Aber das ist gar nicht das Spannendste des Films. Dieses liegt viel mehr begraben in der Zeichnung der Welten, mit denen Charlie in Beziehung steht.

Da wäre natürlich einerseits seine Herkunft: ein zwielichtig reiches Elternhaus, eine Karikatur kultureller Noblesse und gleichzeitiger aristokratischer Weltfremdheit; ausgewalzt durch Details wie einen Voltaire lesenden Chauffeur oder die Unschuld, mit der Charlie humanistische Bildung für einen angemessenen Gesprächsgegenstand hält, wenn ihn der Schulraufbold zu provozieren sucht. Diese Seite erscheint mehr als amüsante künstlerische Erfindung denn als Analyse irgendeiner Wirklichkeit. Aus ihrer Realitätsferne entsteht aber gerade die Distanz, um die Gegenwelt der High School umso analytischer anzugehen.



Die besteht in "Charlie Bartlett" nämlich aus weitaus mehr als nur dem Üblichen, das da wäre: Mobbing unter Subkulturen, Streiche gegen Lehrer, Herzschmerz. Sie ist ein politisch ausgesprochen reichhaltiger Mikrokosmos.

Hier wird Kapitalismus geübt -- Charlie betreibt Geschäftsmodelle vom Drogenhandel bis zum Vertrieb von Verprügelvideos, deren freiwillige und unfreiwillige Darsteller an den Einkünften beteiligt werden. Hier treten menschliche und bürokratische Funktionen gegeneinander an - Robert Downey Jr. wird als Schuldirektor zwischen persönlichen, moralischen, verwaltungstechnischen und karrieristischen Verantwortlichkeiten aufgerieben und ist eigentlich eine interessantere Figur als Charlie selbst.

Hier werden Bürgerrechte verhandelt -- die Schul-Administration will mit Videokameras die Rückzugsräume der Schülerschaft überwachen, die sich vom Politik-Nerd bis zur Raufbold-Clique dagegen in Form einer anwachsenden kollektiven Rebellion organisiert. Zugleich steigt Charlie zum Psychologen der Schülerschaft auf, worüber der Film ein breites Porträt der menschlichen Zustände der Schüler zwischen Popularitäts- und Leistungsdruck, psychologischer Medikamentierung (Ritalin & Co.) und Selbstmordgedanken zeichnet.

Das sind alles sehr ernsthafte Gegenstände, die der Film aber größtenteils heiter und unbeschwert komödiantisch ausfährt, analog dem Umgang seiner Titelfigur mit ihnen. Wie fröhlich-verspielt hier etwa Drogenhandel und Misshandlungsvideos als Plot-Elemente durchgenommen werden, mag so manches Kopfschütteln hervorrufen, das auch im Film selbst die Figur des Charlie ob seiner ethischen Sorglosigkeit im Spielen mit der Welt erfährt.

Aber eben aus einer solchen erstmal schulterzuckenden Position heraus ist vielleicht die analytische Schärfe möglich, mit der "Charlie Bartlett" zu seinen politischen und humanistischen Themen findet.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik





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Trailer: Charlie Bartlett

Quelle: YouTube