Film der Woche: Brüno

Philipp Aubreville

Fast drei Jahre nach seinem Erfolgsfilm "Borat" betritt der britische Schauspieler Sascha Baron Cohen wieder die Kinoleinwand: Der 38-Jährige spielt den schwulen, österreichischen Modejournalisten Brüno, der sein Glück nach einem Karriereknick in den USA versucht.



Die Story des Films ist relativ schlicht: Nachdem Brüno als Moderator seiner TV-Sendung "Funkyzeit" die Mailänder Modemesse in einem Anzug aus Klettbändern besucht, sich damit in diversen Textilien verfängt und entsprechende Kollateralschäden verursacht, wird er vom österreichischen Fernsehen gefeuert. Begleitet von seinem Mitarbeiter Lutz zieht es Brüno daraufhin in die USA, wo er verschiedene Strategien ausprobiert, um ein Celebrity zu werden.


Bei diesen Versuchen, die vom Engagement in Wohltätigkeitsprojekten bis zur Umpolung seiner sexuellen Identität reichen, spannt der Exil-Österreicher zahlreiche, in der Regel eher unbekannte US-Amerikaner ein.

Das Grundkonzept des Films ist somit ein ähnliches wie bei "Borat" - und auch sonst erinnert bei "Brüno" vieles an den Vorgängerfilm. Nur: Wo Borat überraschende antisemitische, antiziganistische und diverse andere Vorurteile aus seinen Gesprächspartnern herauskitzelte, bedient Brüno oft eher Klischees über Schwule, als sie zu entlarven.

Der Film bedient sich streckenweise recht ausgelutschten Pennälerhumors. Das gab es bei Borat auch - nur waren die dortigen Anspielungen in ihrer Härte neu und deshalb witzig. Die gefühlte dreißigste Einblendung einer Befriedigungs-Konstruktion aus Heimtrainer und Holzdildo ist dagegen weniger originell.

Entsprechend bleibt auch der Schock-Effekt aus, wenn Brüno offene oder potentiell homophobe Amerikaner mit seiner sexuellen Orientierung konfrontiert: Mal will Brüno sich von einem evangelikalen Pfarrer zur Heterosexualität bekehren lassen. Dann zieht er mit Jägern durch die Wälder von Alabama und versucht, nachts nackt in das Zelt eines der Männer zu gelangen: Ein Bär habe ihm die Kleider geraubt, nun wolle er mit in diesem Zelt übernachten.



Schließlich fordert er auf einer Swinger-Party einen Mann, der gerade Sex mit einer Frau hat, dazu auf, ihm "in die Augen zu schauen" und streichelt ihn dabei. Abschnitte wie diese sind kaum mehr als seichte Provokation auf dem Niveau von Bully Herbig - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen.

Sieht man von der Szene ab, in der sich eine vom im Motörhead-Lemmy-Stil verkleideten Brüno moderierte Kampfsport-Sendung in eine Knutschorgie zwischen Brüno und Lutz verwandelt, was entsprechende "Publikumsreaktionen" in der Wrestling-Arena auslöst, ist der Film eher an den Stellen lustig, wo er die Ebene der dumpfen Schwulenwitzchen verlässt: Etwa bei Modetipps für einen Terroristen der Al-Aqsa-Brigaden in dessen libanesischem Versteck, Interviews über Wohltätigkeit, bei denen die Gesprächspartnerin auf einem "Stuhl" in Form eines auf allen Vieren stehenden Mexikaners sitzt oder dem afrikanischen Adoptivkind, dass Brüno an der Gepäckausgabe des Flughafens aus einem Karton mit der Aufschrift "fragile" zaubert.

Auch hier war nicht gerade ein Feingeist der Gag-Schreiber, doch die Szenen sind in ihrem Kontext lustiger, provokativer und wiederholen sich nicht ständig. Dennoch kommt der im Vorfeld monatelang gehypte Film weder an die hohen Erwartungen, noch an seinen Vorgängerfilm heran. "Brüno" kann man sich ansehen - ein cineastisches Highlight sollte man allerdings nicht erwarten.



fudder-Bewertung

Anspruch



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera





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[(c) Alle Bilder: Universal Pictures International]



Trailer: Brüno

Quelle: YouTube