Film der Woche: Alle Anderen

Carolin Buchheim

Wie schafft man es, sich in einer Beziehung nicht selbst zu verlieren? Wie sehr passt man sich an den Partner und gesellschaftliche Vorbilder an? Diesen Fragen widmet sich die Regisseurin Maren Ade mit ihrem neuen, mit einem Silbernen Bären ausgezeichneten Film "Alle Anderen". Und zwar so realistisch, dass man im Kinosessel Beklemmungen bekommt.



Gitti und Chris, beide Anfang Dreissig, sind zum ersten Mal im gemeinsamen Urlaub auf Sardinien, im kitschig ausstaffierten Ferienhaus von Chris Eltern. Eigentlich könnte alles so schön sein - Zweisamkeit, Sommer, Strand - doch der Urlaub stellt die noch junge Beziehung des gegensätzlichen Paars rasch auf eine harte Probe.


Gitti - quirlig, selbstbewusst, eigenwillig - und Chris - introvertiert, an sich selbst zweifelnd, auf der Suche nach Bestätigung - geraten, angefeuert durch die Begegnung mit einem zumindest nach Außen perfekten Paar, schnell, zu schnell an einen Wendepunkt in ihrer Beziehung. Können diese beiden Menschen überhaupt zusammen sein? Und wenn ja - um welchen Preis?



Viel passiert nicht in "Alle Anderen". Zwei Stunden lang kann man diesem Paar dabei zusehen, wie sie versuchen, ein Paar zu sein, ihre Rollen im Leben und miteinander zu finden. Chris versucht sich als bestimmender, abgeklärter Macker, Gitti als aufgestyltes, braves Frauchen am Herd. Beide Zerreissen fast an ihren Machtspielen, die eigentlich doch nur das Ergebnis unerfüllter Sehnsucht sind.

Maren Ades Blick auf dieses Paar ist konzentriert; Nichts lenkt von der Stagnation dieser Menschen, ihrem  (und der in diesem Drama auch immer wieder aufbrechenden Komik - zwei Leute, die sich so sehr bemühen, sind halt auch lustig)  ab. Es gibt keinen Score, die Kameraführung einfach, zwischen Totale und Halb-Totale. Auch die Schauspieler - beide eigentlich auf der Bühne Zuhause - brillieren: Birgit Minichmayer wurde für die Darstellung der Gitti auf der Berlinale zu Recht mit einem silbernen Bären ausgezeichnet.

Gittis und Chris Suche nach Identität, sowohl als Individuen als auch als Paar - ist so authentisch, so bekannt aus dem eigenen Umfeld, dem eigenen Leben, dass es weh tut, zuzusehen. Beklemmendes Gefühlskino für urbane Anfangsdreißiger.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik








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[Alle Bilder: © 2009 Prokino]

   



Trailer: Alle Anderen

Quelle: YouTube