Film der Woche: Akte X

David Harnasch

Mit "Akte X: Jenseits der Wahrheit" begibt sich Chris Carter auf das dünne Eis des Beziehungsdramas – und bricht voll ein. Indem der Film konsequent die falschen Antworten gibt und dabei nicht die richtigen Fragen stellt, enttäuscht er Fans und langweilt Laien.



Akte X ist ein Mistfilm. Worum es geht, kann der Rezensent nicht berichten, da er nach fünf Minuten laut fluchend den Saal verlassen musste. Da sagt Fox Mulder den ersten Satz – in einer falschen Stimme. 20th Century Fox hat tatsächlich wegen lumpiger 16.000 Euro auf den großartigen Synchronsprecher Benjamin Völz verzichtet, der in der Serie und dem ersten Film Mulder seine Stimme leiht.


Lüge.

Natürlich hat sich der Autor den Rest trotzdem auch angetan.

Mulder und Scully sind gealtert, beide optisch übrigens zum besseren. Gillian Andersons Schönheit ist ohnehin alterslos und David Duchovny profitiert von der Arbeit als sexy Bestsellerautor Hank Moody in der großartigen Serie „Californication“, zumindest ab der Szene, in der er sich von seinem Bart befreit. Vor allem aber sind beide nun privat ein Paar, womit Autor und Regisseur Chris Carter einen wichtigen Ambivalenzjoker aus der Hand gibt.



Mulder hat das FBI vor Jahren im Bösen verlassen und arbeitet nun erst- und einmalig wieder an einem Fall mit.

Bei der TV-Serie gab es zwei Varianten von Folgen: In sich abgeschlossene mysteriöse Einzelfälle und solche, die den großen Erzählstrang über ein Regierungskomplott mit Außerirdischen vorantreiben. Der Film erzählt von einem Fall, der eindeutig zu den läppischsten der isolierten X-Akten zählt: Eine FBI-Agentin ist verschwunden und die einzige Verbindung zu ihr ist ein hellsichtiger pädophiler Priester.

Der treue Fan erfährt keinerlei neuen Details über das Große Ganze und das gruseligste an der Regierung ist hier ein Foto von George W. Bush an der Wand. Hierin unterscheidet er sich vom ersten Kinofilm, in dem zwar nicht alle, aber einige wichtige Fragen gelöst wurden. Eine Konzession an ein jüngeres Kinopublikum, dass die Serie vielleicht nicht gesehen hat.

Wer nach diesem Film als erstem Eindruck ein Serien-DVD-Set kauft, ist allerdings nicht ganz dicht.



Ausgerechnet einem Mystery-Thriller Unglaubwürdigkeit vorzuwerfen, scheint blödsinnig. Aber gerade in diesem Genre ist Akkuratesse bei allem Nicht-Übersinnlichen dringend geboten, damit der Zuschauer der Handlung auch den entscheidenden Schritt ins Paranormale folgt.

Was ihm allerdings hier zugemutet wird, ist Schwarzwaldklinik pur. Da steht der Organbote in schmierigen Arbeitsklamotten im sterilen OP, da informiert sich Ärztin Dr. Scully (inzwischen an einer kirchlichen Klinik beschäftigt) allen Ernstes via Google statt in Medline über Stammzellentherapie und Mundschutz tragen sowieso nur Komparsen, auch während gerade (sinnloserweise übrigens) am offenen Hirn operiert wird. Zudem sind die Beziehungsprobleme zwischen den Hauptcharakteren völlig aus der Luft gegriffen, was dann auch schon wurscht ist.

Die Handlung ist leider derart vergeigt, dass die großartige Inszenierung nichts mehr retten kann. Die von der Serie geprägte düstere Optik wurde potenziert in den Film übernommen, es ist konsequent stockduster, farbentsättigt und bitterkalt.

Leider ist das auch das einzige, was man den Figuren abnimmt: Dass sie fürchterlich frieren.



fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik



Mehr dazu:


Akte X - Jenseits der Wahrheit

Quelle: YouTube