Film der Woche: Abgedreht

David Harnasch

Mit "Abgedreht" gelingt Michel Gondry eine nostalgische Hymne auf die Kreativität, ein Plädoyer gegen die Angst vor der Blamage und nebenbei eine sehr lustige Komödie mit schwer sympathischen Figuren. David Harnasch hat sich fudders Film der Woche angeguckt.



Jerry (Jack Black) wird beim Versuch, ein Kraftwerk zu sabotieren (das, wie er meint, sein Gehirn mit Mikrowellen manipuliert) „magnetisiert“ und löscht daher versehentlich sämtliche Kassetten in seinem zweiten Wohnzimmer, der völlig rückständigen Videothek, die sein bester Freund Mike (Mos Def) gerade aushilfsweise führt. Um die Kundschaft nicht zu enttäuschen beginnen die beiden, die Filme selbst nachzudrehen.


Klingt völlig gaga. Ist es auch, aber eben auch enorm unterhaltsam. Die Kundschaft merkt natürlich, dass „Ghostbusters“ eigentlich länger ist als zwanzig Minuten, und dass die Hauptrollen von den beiden in Alufolie eingepackten Jungs aus der Videothek gespielt werden – nimmt das aber nicht übel, sondern freut sich am originellen Remake.



Jerry verstolpert sich in eine neue Genrebezeichnung: „Das ist die geschwedete Version.“ „Geschwedet? Schweden ist ein Land und kein Verb!“ „Eben. Ein weit entferntes Land und deshalb kostet der Film auch mehr.“ (Ein paar geschwedete Klassiker-Trailer kann man übrigens auf der Website zum Film sehen.)

Schnell spricht sich die neue Attraktion im Viertel herum, und die Nachbarschaft will „geschwedete“ Filme nicht mehr nur sehen, sondern gleich selbst mitwirken. Der Erfolg ist so groß, dass er die vom Abriss bedrohte kleine Eckvideothek vielleicht vor der Schließung retten kann...

Michel Gondry gilt als einer der besten Musikvideoregisseure der Welt. Von ihm stammen unter anderem die Clips zu Daft Punk’s „Around the world“ und „Star Guitar“ von den Chemical Brothers. Seine wenigen Kinofilme handeln vom Konflikt zwischen überbordender Phantasie und nüchterner Realität und deren Wahrnehmung: In Vergiss mein nicht löscht ein frisch getrenntes Paar die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit um den Trennungsschmerz zu beenden (hier gelingt Gondry die Quadratur des Kreises: Ausgerechnet Jim Carrey und Kate Winslet meistern ernste Rollen glaubwürdig). Der Protagonist in Anleitung zum Träumen kann nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden.

Hier arbeitet Gondry selbst mit den antirolandemmerichschen Stilmitteln, die er nun seine Helden verwenden lässt: Stümperhaft handbemalte Kulissen aus Pappe, Special Effects mit Nylonschnüren und Szenerien aus dem Modellbaukasten.



Gegen die Bedrohung der Idylle durch moderne DVD-Verleih-Ketten hilft im Film die Rückbesinnung aufs Magnetband und Techniken aus der Stummfilmzeit. Das ist wundeschön nostalgisch, geht aber an seiner Absicht, die er in einem Interview mit Welt Online erklärt, vorbei:

Gondry: Ich will in den Zuschauern den Wunsch wecken, es mal zu probieren. Eine kleine Gemeinschaft macht ihre eigene Unterhaltung, das scheint mir gut möglich.
Welt Online: Internetseiten wie YouTube und MySpace versprechen es ja sowieso schon, jeder ist sein eigener Musikproduzent, Regisseur und so weiter.
Gondry: Vergessen sie das Internet. [...] Die Idee im Internet ist immer, dass man seine Werke vielen Leuten zeigen kann. Meine Idee ist dagegen, dass einige Leute sich ein Werk machen. Und dass die gleichen es ansehen.


Die Realität zeigt, dass YouTube exakt dafür in den allermeisten Fällen genutzt wird und die Ausrüstung, die man benötigt, um selbst einen Film zu produzieren heute nicht trotz sondern dank der Digitaltechnik billiger als jemals zuvor ist.

Aber soviel Fortschrittsoptimismus möchte Gondry seinem Publikum nicht zumuten, schließlich ist er ein genialer Vollprofi, der Erwartungen zu bedienen weiß. Und das widerspricht seiner Aussage: Mit einer völlig konventionell erzählten und perfekt fotografierten, beleuchteten und gespielten Geschichte, in der ein paar stümperhafte Gimmicks nicht ernsthaft verwendet sondern als Requisiten abgefilmt werden, lässt sich nicht glaubhaft zum Mut zur Stümperei und zum Verstoß gegen Konventionen aufrufen.

Diese Einschränkung wird allerdings mehr als ausgeglichen durch ein tolles Ensemble, schön schräge Ideen, zielsicher platzierte Seitenhiebe gegen die Filmindustrie und eine Geschichte, die einen bestens gelaunt aus dem Kino entlässt.



fudder-Bewertung

AnspruchTIPP: TIPP: TIPP:
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Gagdichte
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Action
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SpannungTIPP: TIPP:

Schauspielerische Leistung
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Story
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Kamera
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InformationsgehaltTIPP:

Musik
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