Film der Woche: 1 ½ Ritter

Jonas Nonnenmann

Til Schweiger hat es mit "Keinohrhasen" als Regisseur bereits unter die Top Ten des deutschen Films geschafft. Die Komödie "1 ½ Ritter" ist ein weiterer Versuch seinerseits, sich in einer Doppelrolle als Regisseur und Hauptdarsteller zu behaupten. Ob ihm das gelungen ist? Jonas hat sich ein Urteil gebildet.



Mit seiner Frisur sieht Til Schweiger als Ritter Lanze aus wie eine Mischung aus Prinz Eisenherz und Angela Merkel. Lanze wie Lancelot, der beste Ritter an König Arthus’ Hof. Wie Lancelot verarbeitet auch Lanze ohne Probleme zehn, vielleicht auch zwanzig Gegner zu Restmüll.


Außerdem ist er –wie sein Namensgeber- ebenso verlegen im Gespräch mit Frauen wie schlagfertig im Kampf. Böse Zungen am Hof behaupten sogar, Lanze sei ein Dummbatz, was nicht ganz falsch ist. Die Art von Charakter eben, die Til Schweiger am besten kann. Und die Rede ist auch noch von einer anderen Lanze. Die ist wohl schon etwas rostig, denn der Ritter ist Jungfrau.



Die hinreißende Prinzessin Herzelinde (Julia Dietze) will das ändern. Pech für die beiden, dass König Gunther alias Thomas Gottschalk keine Liebesheirat im Sinn hat, denn der will mit der Heirat seiner Tochter die Finanzkrise im Königreich lösen.

Aber Lanze bekommt seine Chance schließlich doch noch. Als Herzelinde entführt wird, soll er sie retten. Mit dabei ist sein neuer Freund, der türkische Migrant Erdal (gespielt von Rick Kavanian). Unterwegs kommt es zum Kampf der Kulturen. Denn Erdal ist das krasse Gegenteil von Lanze: er glaubt weder an das Ideal ehelicher Jungfräulichkeit noch hat er es besonders eilig, Herzelinde zu finden.

„Lanze, was bisch fur ein Stresser?“, beklagt er sich und macht jeder Frau auf dem Weg schöne Augen. Als Lanze ihn zur Rede stellt, wälzt Erdal die Schuld auf den König: dessen Integrationspolitik habe versagt. Doch mit der Zeit entwickelt sich eine echte Freundschaft und Erdal hilft Lanze dabei, seine Schüchternheit zu überwinden.



Neben Erdal, der immer wieder für einen Lacher gut ist, überzeugen auch die prominent besetzten Nebenrollen: Ralph Herforth spielt einen neurotischen Möchtegern-Robin-Hood, Roberto Blanco erfindet gemeinsam mit Erdal den Döner, und  Tobias Moretti tritt als Schwarzer Ritter auf.  Überhaupt sind es vor allem die Nebenrollen, die den Film interessant machen.

Lustig ist auch die Verknüpfung von Mittelalter und Moderne. So sind beim Ritterturnier Cheerleader zu sehen und die Prinzessin mag Minnesänger genauso wir die New Kids on the Block. Und Thomas Gottschalk? Der wirkt als König wie ein Althippie mit Problemen, sich gegenüber seiner eigenen Tochter durchzusetzen.



Weniger überzeugend ist der Anfang. Die ersten Minuten wirken etwas lahm, was wohl auch daran liegt, dass der beste Charakter, Erdan, erst spät auftritt. Auf der anderen Seite erleben die Zuschauer auf diese Weise eine Steigerung hin zum Schluss.

Trotzdem: alles in allem ist „1 ½ Ritter“ eine gelungene Mischung. Der Film ist unterhaltsam, und ab und zu hat er sogar etwas Tiefgang. „Keinohrhasen“ ist aber deutlich besser.

fudder-Bewertung

Anspruch



Gagdichte



Action



Spannung



Schauspielerische Leistung



Story



Kamera



Informationsgehalt



Musik



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Trailer: 1 ½ Ritter

Quelle: YouTube