Fett weg!

Eva Hartmann

Neue Kategorie auf fudder: Gewichtshalbierung. Von 106 Kilo auf 53 Kilo in einem Jahr. So lautet das Vorhaben von Eva, die für fudder ab sofort über die Qualen und Freuden ihrer Radikaldiät berichten wird. In der ersten Folge stellt sich die Studentin vor und erzählt aus ihrem Alltag. Die positive Konnotation des Adjektivs "dick" dürften in diesem Zusammenhang nur HipHopper verwenden.

Am 11. September, habe ich mit meinem Projekt „Gewichtshalbierung“ begonnen. Ganz recht: Hier schreibt eine, die vorhat, ihr Gewicht auf die Hälfte zu reduzieren. Warum?


Na ja, weil ich eben zu fett bin. Aber ich bin nicht die zwei Kilo zu fett, die dich vielleicht gerade plagen, weil du jetzt in deinem Bikini nicht mehr wie Nicole Richie, sondern nur noch wie Tyra Banks aussiehst. Ich bin auch nicht bloß ein bisschen pummelig, so dass ich auf bauchfreie Tops verzichten muss, weil die mein niedliches Portiönchen Hüftgold preisgeben würden.

Ich bin nicht mal mehr „kräftig“. Auch „mollig“ und „dick“ reichen nicht mehr aus, um meine Figur zu beschreiben. Ich bin eine von denen, die du im Vorbeigehen vielleicht abschätzig oder mitleidig musterst. Wenn du eine Freundin dabei hast, werdet ihr euch umdrehen, sobald ihr mit euren Ballerinabeinchen an mir und meinem gigantischen Schatten vorbeigetrippelt seid, zischende Lästereien über meinen Brauereigaularsch austauschen und einander glücklich schätzen, dass ihr so nicht ausseht. Ich bin fett. Einer von Deutschlands neuerdings wieder rollenden Panzern.

Manche, die ähnlich viel oder noch mehr auf den Rippen haben, beschreiben ihre Statur in irgendwelchen Foren gern als „Rubensengel“. Ein hoffnungslos überzogener, romantisierender Begriff für das, was ich an Übergewicht mit mir rumschleppe. Wenn ich in meiner Bude einmal zu fest auf den Boden auftrete, klappert das Geschirr im Schrank. Dies nur als Beweis dafür, dass ich garantiert keinem Engel gleiche. Ich bin eher der Typ Ärzte-„Elke“: „Im Sommer gibt sie Schatten, im Winter hält sie warm“.

In den regulären Bekleidungsgeschäften werde ich schon lange nicht mehr fündig. Seit einigen Jahren bin ich leider auf diese grauenhaft jugendlich-fetzig-trendige „Mode“ für dicke Mädchen angewiesen, die meist wilde Musterungen und betont ausladende Abmessungen darbieten. Viel lieber hätte ich all die Bandshirts angezogen, die ich in den letzten Jahren immer in der Hoffnung gekauft habe, ich würde irgendwann vielleicht mal reinpassen.

Letztlich habe ich sie letzten Sommer allesamt auseinandergeschnitten und zu Schals, Stulpen und einer Tragetasche verwurstet, damit ich wenigstens auf diesem Wege in die Öffentlichkeit tragen kann, dass ich eigentlich viel cooler bin als die Mädchen, die im Große-Größen-Katalog stets in viel zu bunt geblümelten „Tuniken“ wahrscheinlich aufgrund ihres Übergewichtes neben irgendwelchen Pferden an belanglosen Stränden herumstapfen und dabei vermutlich Wolle Petry oder Bon Jovi vor sich hin summen. Warum zur Hecke gehen Bandshirtmacher auch immer davon aus, dass all ihre weiblichen Fans maximal Größe 38/40 tragen? Wunschdenken oder indirekte Selektion? Jedoch ist die Motivation für mein Vorhaben nicht allein auf solcherlei Eitelkeiten begründet. Mein Übergewicht ist natürlich auch ein gesundheitliches Problem und bringt einige körperliche Einschränkungen mit sich.

Zum Beispiel behindert mich mein Bauch ernsthaft, wenn ich meine Sneakers schnüren will. Klemm’ dir mal zwei große Kopfkissen vor den Bauch und versuche, dir deine Fußnägel zu schneiden. Klemm’ dir noch eins an den Hintern, wickle um jedes Bein eine kuschelige Wolldecke und um jeden Arm zwei Frottee-Badetücher.

Dann pack dir 45 Kilo Übergewicht in den Rucksack, zieh Klamotten drüber (sofern du welche findest, die darüber passen! Haha!) und erledige so bei 35 Grad im Schatten einen kompletten Wochenendeinkauf, der auch einen 10-Liter-Sack Katzenstreu beinhaltet, den du anschließend in den dritten Stock schleppst. Körperlich kaum zu schaffen, seelisch nur mit lauter Musik auf den Ohren zu ertragen.

Wenn du das hinter dir hast, weißt du ungefähr, wie es sich anfühlt, ich zu sein. Oder zumindest: so fett zu sein, wie ich es bin.

Weil mir Fettsein keinen Spaß mehr macht, habe ich vor, abzunehmen. So richtig. Wenn ich mein angestrebtes Ziel erreiche und es schaffe, mein Gewicht zu halbieren, werde ich in einem Jahr 53 Kilogramm wiegen. 106,5 Kilogramm wog ich zu Beginn meines Projekts.

Seit fünf Wochen besuche ich nun regelmäßig das Fitnessstudio meines Vertrauens. Dort trainiere ich dreimal pro Woche zwischen 2,5 und 3,5 Stunden. Jede Trainingseinheit beginnt mit einer Stunde auf dem Crosstrainer. Dann folgen zwei oder drei Runden im Kraftausdauerzirkel. Montags und mittwochs kommt jeweils noch eine Stunde „BodyPUMP!“ dazu; ein unglaublich anstrengendes Langhanteltraining, das einen richtig fertig, aber irgendwie auch richtig glücklich macht.

Nach zwei Wochen Probetraining habe ich einen 12-Monats-Vertrag unterschrieben. Ab sofort werde ich monatlich knapp 50 Euro sowie eine Menge Schweiß und Tränen loswerden, um mein Ziel zu erreichen. Dazu eine sehr anstrengende Diät. Und tatsächlich bin ich exhibitionistisch genug, euch daran teilhaben zu lassen.