Show in Karlsruhe

Fernando Traber ist der jüngste Hochseil-Weihnachtsmann

Joshua Kocher

Nervenkitzel im Rentierschlitten: Der 19-jährige Fernando Traber aus Breisach fährt zweimal täglich als Nikolaus in 35 Metern Höhe über den Karlsruher Christkindlesmarkt.

"Weihnachtsmaaann!". Der Ruf der Kinder, 35 Meter weiter unten, geht ins Mark. Da bekommt Fernando Traber selbst nach 20 Auftritten auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt noch Gänsehaut. Der Breisacher Hochseilartist steht im roten Mantel, mit roter Mütze, goldenen Stiefeln und weißem Bart auf dem Dach des Ettlinger-Tor-Einkaufszentrums und wartet, bis der Motor seines Schlittens warmgelaufen ist. Ein kurzer Blick nach unten, wo Vater Falko Traber vor dem Holzwagen der Familie steht. "Es kann losgehen", sagt der Junior.


"Die Zeit ist reif für einen Nachfolger. Und mein Sohn steht in den Startlöchern." Falko Traber
Punkt 17 Uhr steigt Weihnachtsmann Fernando Traber in den Schlitten mit den vier Rentieren vorne dran. Es ruckelt, dann gleitet der 19-Jährige los. Auf einem dünnen, 130 Meter langen Stahlseil in 35 Metern Höhe bis zu dem großen Mast auf der anderen Seite des Christkindlesmarktes. Über die Lautsprecher wird die Geschichte vom Rentier Rudolph erzählt, Traber gestikuliert wild dazu. Von unten jubeln ihm Hunderte Kinder und Eltern zu, die Augen der Kleinen leuchten.
Eigentlich würde jetzt Falko Traber, der 58-jährige Vater und weltbekannte Hochseilartist aus Breisach, oben im Schlitten sitzen. Doch immer öfter übernimmt Sohn Fernando die Show. "Die Zeit ist reif für einen Nachfolger", sagt Traber senior. "Und mein Sohn steht in den Startlöchern."



Fernando wurde sogar auf dem Seil getauft

Der wurde, wie in der Breisacher Artistenfamilie Tradition, sogar auf dem Seil getauft. Jetzt fährt Fernando Traber langsam zurück in seinem rotlackierten Weihnachtsschlitten in Richtung Dach. Wieder dort angekommen streckt er kurz den rechten Daumen nach oben – alles in Ordnung. Er klettert auf ein weiteres Seil, wenige Meter nebenan, klinkt sich mit seinem Gurt in einen Karabinerhaken und saust, mit funkensprühender Pyrotechnik knapp über seinem Kopf, runter zu den Kindern auf dem Platz.

Knapp zehn Minuten dauert die Show, an deren Ende die Besucher kleine Schokoladentafeln in den Händen halten und den Weihnachtsmann gesehen haben. Eine nahezu perfekte Illusion. "Wir wollen den Besuchern ein Gefühl der Behaglichkeit vermitteln", sagt Fernando Traber. Das sei gerade in der heutigen Zeit wichtig, in der viele Angst hätten, sich unter die Menschenmassen auf den Weihnachtsmärkten zu mischen.

Deshalb fahren die Trabers zweimal täglich mit dem Weihnachtschlitten raus. Um 17 und 19 Uhr, bei jeder Witterung. Viele Familien kommen extra wegen der Show auf den Markt im Herzen der Fächerstadt. Und viele Zuschauer glauben, dass im Schlitten eine Puppe sitzt, die per Motorkraft winkt.

Darüber kann Fernando Traber nur schmunzeln. Monatelang hat er zu Hause geübt, um die typischen Gesten des Weihnachtsmanns, richtig auszuführen. Mehrere Besucher wollten sogar schon mit ihm mitfahren. Doch der waghalsige Drahtseilakt erfordert ein langjähriges Training.

Seit drei Jahren macht Fernando die Weihnachtsmann-Show

Seit er 16 ist, fährt Fernando Traber die Show auf dem Christkindlesmarkt. Ein jüngerer Weihnachtsmann auf dem Hochseil ist bisher nicht bekannt. Dieses Jahr darf er das erste Mal regelmäßig auf das Seil. Die Anspannung ist ihm vor dem Auftritt anzumerken. Fünf Minuten vor dem Glockenschlag geht er in der Hütte auf dem Naturdach des Einkaufszentrums noch einmal kurz in sich.

"Wer keinen Respekt vor der Höhe hat, der wird leichtsinnig. Und Leichtsinn ist Gift in unserem Beruf", warnt der junge Weihnachtsmann. Um Unfälle zu vermeiden, wurden alle Geräte drei Wochen lang vor dem Auftritt gewartet. Dieses Mal ging alles gut. Nur der Nacken zwickt etwas, bei Vater und Sohn. Doch darunter soll keiner der Auftritte leiden. Zu wichtig sei der Ruf der Artistenfamilie.

"Mama, kommt der Weihnachtsmann an Heiligabend auch zu uns?", fragt ein kleines blondes Mädchen, das in seinem Schneeanzug in der Nähe des Traber-Bauwagens steht. Dort drinnen legt Fernando Traber gerade den weißen Bart ab und wärmt sich für den nächsten Auftritt