Felix Bastians: Wir machen es hinten ganz ordentlich

David Weigend

Felix Bastians, 21, Innenverteidiger des SC Freiburg, hat sich seinen Saisonauftakt sicherlich anders vorgestellt. Zehn Gegentreffer kassierte er in den ersten drei Spielen. Obendrein bekommt er bald einen zusätzlichen Konkurrenten. Wir haben ihn vorm Spiel auf Schalke gefragt, wie er mit dieser Situation umgeht.



Felix, Robin Dutt sagte, er habe in eurer Kabine unmittelbar nach der 0:5-Heimniederlage gegen Leverkusen Anzeichen dafür gesehen, dass ihr diese Packung schnell wegstecken würdet. Was ging denn ab in der Kabine?

Das weiß ich leider nicht, denn ich wurde direkt nach Abpfiff von den Dopingkontrolleuren abgeholt. Da saß ich dann eine gute Stunde fest.

Welche Spieler wurden noch kontrolliert?

Cédric Makiadi, von den Gästen waren Barnetta und Castro da. Man sitzt da rum, trinkt und wartet, bis es soweit ist. Der Erste kriegt schon mal Szenenapplaus. Ich habe fast drei Liter Apfelschorle getrunken. Man darf auch ein Bier trinken, um den Prozess zu beschleunigen. Nach dem Spiel ist ja die ganze Flüssigkeit draußen. Da kommt dann nichts.

Und wer bekam den Szenenapplaus am Samstag?

Der Schnellste war Castro, ich habe Silber abgeräumt. Cedric (Makiadi, Anm. d. Red) und Barnetta stritten sich um Bronze. Na ja, ich ging dann in die Kabine zurück, aber die war schon leer.



Einer, mit dem du in den vergangenen Wochen viel zu tun hattest, ist Pavel Krmas. Wie kommst du mit ihm klar?

Ganz gut. Aber, was soll man sagen: Wir haben in den vergangenen drei Spielen zehn Gegentore gekriegt. Dennoch denke ich, dass wir es hinten ganz ordentlich machen.

So?

Klar, einige Gegentore waren unnötig. Individuelle Fehler, die wir unbedingt abstellen müssen.

Diese Woche haben die Testkandidaten Mehdi Benatia und Zsolt Korcsmar mit euch trainiert, zwei Innenverteidiger, also zwei potentielle Konkurrenten für dich. Wie gehst du mit der Situation um, dass sich der Verein permanent darum bemüht, deine Position mehrfach zu besetzen?

Es wird nach Leistung aufgestellt. Auch ein neuer Spieler müsste sich erstmal beweisen. Wenn ich weiterhin meine Leistung bringe, brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Außerdem sind wir hinten extrem dünn besetzt. Wenn sich da einer verletzen sollte oder eine Sperre bekommt, ist Alarmstufe Rot. Insofern ist es doch nur klug, dass der Verein sich nach Verstärkungen umschaut.



Du hast in England eine Ausbildung zum Sportjournalisten begonnen. Welche Zeitungen liegen eigentlich bei Euch in der Kabine rum?

Die Bildzeitung, Kicker, Sportbild, das Übliche.

Der Kicker benotet dich für deine Leistung, die Sportredakteure der Badischen Zeitung bewerten dich mit Emoticons. Interessieren dich diese Beurteilungen?

Nun ja, die beruhen ja auf persönlichen Meinungen. Ich kann schon ganz gut selber einschätzen, ob ich gut gespielt habe oder nicht. Dazu brauche ich keine Bewertungen Dritter. Wenn ich scheiße gespielt habe, muss ich mir deshalb das Video gar nicht mehr anschauen, weil ich es gleich weiß.



Dich tangieren die Noten der Journalisten also gar nicht?

Ich habe damit jedenfalls keine Probleme. Es kommt auf den Charakter des beurteilten Spielers an. Manche zerbrechen daran, andere schmunzeln nur darüber.

Wie würdest du selbst deine Leistung gegen Leverkusen beurteilen?

Das ist Sache des Trainers. Wenn man als Abwehrspieler fünf Gegentore bekommen hat, hast du nicht viele Argumente auf deiner Seite.

Dennoch haben einige Reporter, die sich ja in der Regel als objektive Beobachter verstehen, deine Leistung positiv bewertet.

Das ist immer so eine Sache mit diesen objektiven Beobachtern. In der Praxis ist das doch eine Person, die elf Spieler, mit Auswechslungen 14, plus teilweise die 14 Spieler des Gegners beurteilen muss. Das kann doch gar nicht funktionieren. Einer kann doch gar nicht alle Spieler gleichzeitig beobachten. Fairerweise bräuchtest du für jeden Spieler einen Beobachter. Natürlich freue ich mich, wie jeder andere auch, wenn ich positiv bewertet werde. Aber ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen: „Ich habe ein gutes Spiel gemacht“, wenn wir 0:5 verloren haben.

Wenn du später mal als Sportjournalist arbeiten solltest, welches Medium würdest du wählen?

Fernsehen würde schon zu mir passen. Ich kommentiere gern und glaube, mich ganz gut ausdrücken zu können.

Was schaust du lieber, Sportschau oder Aktuelles Sportstudio?

Wenn wir samstags spielen, komme ich zur Sportschau gar nicht mehr rechtzeitig nach Hause. Mit Auslaufen und Essen danach. Also Sportstudio. Finde ich gut.



Mit welchen Zeitungen bist du groß geworden?

Ich bin in Bochum aufgewachsen. Also: Ruhr Nachrichten und Reviersport.

Journalisten in der Familie?

Nein. Mein Vater ist Orthopäde, meine Mutter arbeitet in seiner Praxis.

Wie fühlst du dich jetzt, in deiner neuen Heimat Freiburg?

Bestens. Ich wohne im Rieselfeld. Manchmal sind alte Freunde zu Besuch, aber auch meine Mutter und meine Oma waren schon da. Die Oma bekocht mich dann, auch mal Traditionelles wie Sauerbraten mit Kartoffelknödel, vom feinsten.

Und das Klima in der Mannschaft?

Ist auch super. Ich sitze in der Kabine zwischen Michael Langer und Stefan Reisinger, beides gute Typen. Auch mit Sandro Sirigu, der in meinem Alter ist, verstehe ich mich. Andreas Glockner kenne ich noch von der U19-Nationalmannschaft.

Hast du schon mal auf Schalke gespielt?

Nicht als Profi, in der Jugend schon. Das wird ein spezielles Spiel für mich. Viele Freunde und Verwandte werden da sein. Ich freue mich riesig drauf.

[Fotos: Weigend, dpa]

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