Fehlende Akkreditierung der Privathochschule IUCE: Studenten treffen sich mit der Leitung

Frank Zimmermann

Krisengespräch beim Mexikaner: Studierende der International University of Cooperative Education (IUCE) haben sich mit der Leitung der privaten Hochschule zu einem Krisengespräch in einem Restaurant getroffen. Dabei ging es um mögliche Lösungen für die Studierenden, die nach derzeitigem Stand der Dinge keinen anerkannten Hochschulabschluss haben werden.

Der Wissenschaftsrat hatte der IUCE die institutionelle Akkreditierung verweigert. Dies hat zur Folge, dass das Wissenschaftsministerium des Landes der privaten Hochschule die staatliche Anerkennung verweigert. Zudem wurde bekannt, dass eine unzufriedene Studentin 2011 mit Hilfe eines Anwalts versucht hat, den Vertrag mit der IUCE zu kündigen.


"Das blieb alles noch sehr vage."

Laut einem Teilnehmer waren etwa 100 Studierende bei dem Treffen. Diesen seien von Kanzler und Gesellschafter Robert Wetterauer und Rektor Marco Wölfle Lösungsvarianten präsentiert worden: So sei entweder eine Kooperation mit einer anderen, staatlich anerkannten Hochschule denkbar, die den Bachelor-Abschluss verleihe; dieser Partner müsse nicht zwingend in Baden-Württemberg liegen, habe man ihnen gesagt; so der Student. Variante zwei sei "eine vorübergehende Lösung" mit dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium. "Das blieb aber alles noch sehr vage", so der Teilnehmer des Treffens.

Laut Ministeriumssprecher Arndt Oschmann gab es gestern keine Neuigkeiten in der Sache; es liefen Gespräche. Robert Wetterauer sprach gegenüber der BZ von drei Lösungsvorschlägen, die den Lehrbetrieb sichern würden. Genaueres könne er in ein bis zwei Wochen sagen; man arbeite intern an Reformen. "Eine baden-württembergische Lösung wäre uns am liebsten."

Der Student beschreibt die Stimmungslage unter den Betroffenen als gemischt: Diejenigen, die momentan an der IUCE studierten, stünden hinter der privaten Hochschule. Bei den anderen, die gerade im Praxissemester in den Unternehmen seien, sei der Unmut größer. Der Student berichtet, dass im Verlauf seines Bewerbungsprozesses, der ein persönliches Gespräch beinhaltete, nie zur Sprache kam, dass die staatliche Anerkennung noch ausstehe: "Ich wusste das nicht." Auch aus den Werbebroschüren und dem Studienvertrag gehe dies nicht hervor. Er stehe aber hinter dem Konzept der IUCE.

Studentin: Versprechen wurden nicht eingehalten

Ähnliche Erfahrungen hat eine Studentin gemacht, die – wie jetzt bekannt wurde – im Oktober 2010 ein Hotelmanagementstudium an der IUCE aufgenommen und nach einem halben Jahr versuchte, ihren Studienvertrag mit der privaten Hochschule mit Hilfe eines Anwalts zu kündigen. Seiner Mandantin seien vor Studienbeginn Versprechen gemacht worden, die nicht eingehalten wurden. Sie sei weder in Gesprächen noch in Broschüren auf die noch ausstehende staatliche Anerkennung hingewiesen worden, sagt ihr Anwalt Heiko Melcher. In der Lehrveranstaltung "Food- and Beverage-Management" habe der Dozent nur eine von sechs Unterrichtseinheiten abgehalten, der Rest seien Grillfeste gewesen.

Versprochene Computerräume mit hochwertigen Rechnern und Online-Zugänge seien nicht vorhanden gewesen. Die Nutzung der Unibibliothek in der Stadthalle im Stadtteil Waldsee (laut Prospekt "in wenigen Gehminuten" erreichbar) sei nicht uneingeschränkt möglich gewesen; die Uni-Pressestelle bestätigt, dass die Nutzung von Datenbanken nur Uni-Angehörigen uneingeschränkt möglich ist. Auch ihr Wunsch nach einer Ausbildung in Basel oder Zürich war nicht zu realisieren, obwohl es laut IUCE-Broschüre eine enge Vernetzung mit Firmen aus dem Dreiländereck gibt. Die IUCE wies die Vorwürfe seinerzeit zurück. Am Ende wurde der Studienvertrag aufgelöst, nachdem die Studentin ein medizinisches Attest vorgelegt hatte.

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  [Bild: PR/IUCE]