Fed Up 74: Wenn Portugiesen Freiburg rocken

Gina Kutkat

Das ist die Geschichte von vier Musikern, die ihre Heimat Santo Tirso in Portugal verließen, um in Freiburg mit ihrer Band Fed Up 74 bekannt zu werden. Musik ist ihr Leben, die Band ihre Familie. Sie sind talentiert, stecken voller Energie und haben es verdient, gehört zu werden.



Manchmal spürt man es einfach, wenn in einer Band Potenzial steckt. "Aus denen wird mal was Großes", denkt man sich dann. So erging es mir vor ein paar Wochen beim Music Star(t) Contest-Finale in Neuenburg. Zwischen Schüler-und Nachwuchsbands und jeder Menge Nicht-Talent, waren Fed Up 74 die Retter des Abends und die Erben des Punk-Pops.


Vollblutmusiker, die dazu geboren sind, auf der Bühne zu stehen. Ihre Energie überträgt sich in Sekundenschnelle aufs Publikum. Mit ihren Punk-Rock-Pop Songs machen sie nichts falsch. "Wenn die nicht gewinnen, habe ich den Glauben an die Musik verloren". Sie gewannen souverän. Kurze Zeit später sitze ich ihnen beim Interview gegenüber und höre mir ihre Geschichte an.

Robert, JoP, Cupido und HimSelf sind ein eingespieltes Team, als Freunde und als Musiker. HimSelf und JoP lernten sich 1996 kennen und spielten zusammen Songs von Nirvana nach. Drei Jahre später trafen sie Schlagzeuger Cupido und machten in dieser Konstellation weiter. Robert studierte währenddessen am Centro Cultural de Musicain klassischen Bass, nahm zwischenzeitlich Gitarrenunterricht und traf im Jahr 2001 JoP, der ihn als Bassist in die Band holte. Seitdem treten sie unter dem Namen Fed Up 74 auf. Santo Tirso im Norden von Portugal ist zwar eine nette Kleinstadt, aber kein Sprungbrett für junge Punk-Popper.



Deshalb beschlossen die Vier ihre alten Jobs, ihr früheres Leben, ihre Freunde und Familie hinter sich zu lassen und nach Deutschland zu gehen. Im Juli 2006 war es dann soweit: bepackt mit ihrem Hab und Gut, jeder Menge Erwartungen und natürlich mit einer gewissen Angst im Bauch, kamen sie nach Freiburg. Hier lebt der Bruder von HimSelf schon seit acht Jahren. Er war ihr Kontakt nach Deutschland, ist heute Manager und guter Freund der Band.

Im letzten halben Jahr waren Fed Up 74 vorallem mit Wohnungs- und Studiosuche beschäftigt, arbeiteten an ihrer Homepage und entwarfen ihre Band-T-Shirts. Gründe, weswegen ihre musikalischen Ambitionen etwas gebremst wurden. Hinzu kommen noch die Sprachbarrieren, die es erschweren, Kontakte zu knüpfen und Auftritte zu organisieren. Zur Zeit sieht man HimSelf, JoP und Robert in der Freiburger Innenstadt auftreten. Sie spielen ihre Songs und verkaufen Fed Up 74-T-Shirts.

Auf Konzerten im Crash und auf der Bühne des Music Star Contests haben Fed Up 74 ihre Qualitäten bewiesen, jetzt muss ihnen nur noch die Chance gegeben werden, dies öfters zu tun.



Interview mit Fedup74


Erklärt mal euren Bandnamen. Wofür steht Fed Up 74?

Fed Up 74 hat keine besondere Bedeutung. Wir sind einfach auf diesen Namen gekommen und er gefiel uns. Die Nummer 74 haben wir erst zwei Jahre nach der Bandgründung hinzugefügt, weil eine Gruppe aus Amerika bereits Fedup hieß. Wir wollten unseren Namen nicht mehr ändern, also haben wir die 74 drangehängt.

Warum habt ihr beschlossen nach Freiburg zu kommen?

In Portugal hatten wir alle unsere Jobs und nur vier Stunden pro Woche Zeit, um zu proben. Die Musikszene ist nicht sehr groß, nur wenige Leute begeistern sich für die Art von Musik, wie wir sie machen. Es gibt nicht so eine Plattform für Punk-Musik, wie hier in Deutschland.

Was vermisst ihr am meisten an Portugal?

Unsere Familien und Freunde. Himself: Mein Bett.

Wie lange ward ihr nicht mehr zu Hause?

Im Juli waren wir zum letzten Mal in Santo Tirso. Roberts Mutter und Himselfs Eltern haben uns vor kurzem hier in Freiburg besucht. Es ist aber schwierig, weil unsere Eltern alle arbeiten und keine Zeit haben, hierher zu kommen.

Ist es in Deutschland so, wie ihr euch es vorgestellt habt?

Wir haben 2005 schon mal zwei Wochen Urlaub in Freiburg gemacht. Als wir hergezogen sind, kannten wir die Stadt also schon ein bisschen. In Bezug auf die Musik wurden einige Erwartungen erfüllt, andere nicht. Es hat erstmal ziemlich lange gedauert, bis wir ein Haus und ein Studio organisiert hatten, so dass wir bis heute erst fünf Konzerte gespielt haben.

Welche Berufswünsche hattet ihr als Kinder?

Jop wollte als Kind Journalist oder Musiker werden. Wir anderen wollten immer schon Musik machen, das war immer unser Traum. Naja, Cowboys wollten wir auch alle mal werden.



Beschreibt euren Musikstil für jemanden, der Fed Up 74 nicht kennt.

Schnell, melodisch, energetisch, ass-kicking! Wir sagen immer, wir machen Pop-Punk.

Wie unterscheiden sich deutsche Fans von portugiesischen?

Da gibt es große Unterschiede! In Portugal bewegen sich die Leute bei Konzerten nicht, sondern stehen einfach nur rum. Für lokale Bands ist es dort ziemlich hart, das Eis zu brechen. In Deutschland kann man das Publikum auch bei kleineren Bands zum Tanzen bringen. Das ist super.

Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Blink182 und Sum41 sind für uns als Band die absoluten Heros. Sonst sind unsere Musikgeschmäcker verschieden, wir sind nicht auf einen Stil festgelegt. JoP mag Incubus, Danko Jones und Tommy Lee, wir stehen auf Sachen wie The Hives, The Vines und The Strokes.

Wie war der Badenova Music Star Contest, den ihr gewonnen habt?

Der Music Star Contest war sehr gut organisiert, es hat Spaß gemacht. Wir haben die anderen Bands kennengelernt, Rather Different und The Second waren ziemlich gut. Wir haben zwei Tage im Studio gewonnen und treten im Juli beim Stimmenfestival auf.

Wann nehmt ihr euer Album auf?

Wir haben gerade eine EP mit unseren Songs in Hugstetten aufgenommen, jetzt müssen wir nur noch mixen. Was wir mit den gewonnenen zwei Tagen im Studio machen, wissen wir noch nicht. Vielleicht nehmen wir akustische Songs auf oder so.

Wie schreibt ihr eure Songs?

Die Lyrics kommen meistens von Robert oder JoP, den Rest komponieren wir gemeinsam als Band.



Eure Songs handeln oft von Mädchen und Beziehungsproblemen. Sind eure Texte autobiografisch? Woher kommt eure Inspiration?

Manchmal sind die Texte autobiografisch. Wir erzählen dann aber nicht unsere eigenen Geschichten, sondern die von einem Freund. Es gibt Tage, an denen fällt einem wenig ein und man braucht Ewigkeiten, bis man einen Song fertig hat. An anderen Tagen schreibt man einen Song in einer Stunde, kommt immer drauf an, in welcher Stimmung man gerade ist. Die Sonne hilft aber immer! Zum Glück scheint sie hier so oft.

Könnt ihr von der Musik leben? Habt ihr Nebenjobs?

Cupido arbeitet im Café Gioia, wir anderen sind unter der Woche in Freiburg unterwegs, machen auf der Straße Musik und verkaufen Band-T-Shirts. Es ist hart, Jobs zu finden, weil wir nur sehr wenig deutsch sprechen.

Wie sieht euer nächstes Ziel aus?

Wir wollen jetzt unsere EP fertigstellen und sie dann zu einer Plattenfirma schicken. Unser größtes Ziel zur Zeit ist, dass wir ganz viele Konzerte spielen können und uns als Band einen Namen machen. Die Leute sollen sagen "Wow, I saw them."

Euer größter Traum?

Im Moment ist unser Traum, ein ganzes Album aufzunehmen. Wir wollen touren und ganz viele Konzerte spielen. "Von unserer Musik leben können", das bringt es am Besten auf den Punkt. Es geht uns nicht darum, auf der ganzen Welt berühmt zu sein, aber wenn man von dem leben kann, was einem Spaß macht, ist das sehr cool.



Mehr dazu:

Fed Up 74:

JoP- Joao Pedro Barros Moreira
Robert - Robert Hugo Abbott Ribeiro
HimSelf - Tiago Natividade Quintas Fernandes
Cupido - Joao Pedro Cupido Cruz Da Silva Santos

aus: Santo Tirso, Porto
Musik: Pop-Punk, Rock, Punk

nächste Konzerte:
25.05. 07 Jazz&Rockschule Freiburg (Echo-FM)
26.05.07 Raumstation Sternen, Auggen

Fed Up 74: Website & MySpace